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  30.01.2005
Skandal: Großbothen muss geschlossen werden

Die Wilhelm-Ostwald-Bibliothek in Großbothen
Publikationen der Gesellschaft
Impressionen aus Großbothen im Bild
Über Wilhelm Oswald
 
 


 

 

 

 

 

 

Die letzten Tage einer großen Idee -
Großbothen vor dem Aus
Quelle: http://www.wilhelm-ostwald.de

Am 18. Januar publizierte die LVZ einen Leserbrief von A. Lemke über einen Besuch auf dem Landsitz „Energie“ in Großbothen.

Am 19. Januar widmete die Leipziger Bildzeitung den Großbothener Ereignissen einen Beitrag und mdr-aktuell verknüpfte die Einstein-Ehrung in Berlin mit der Ostwald-„Ehrung“ in Sachsen.

Der Pressemitteilung des BMTF zum Einstein-Jahr vom 28. Dezember 2004 ist zu entnehmen, dass die Bundesrepublik für die Einstein-Ehrung 13 Mio € bereitstellt. Damit soll nach Ministerin Bulmahn die Lust auf Zukunft und Innovation geweckt werden. Hinsichtlich Innovation und Praxisorientierung stand Wilhelm Ostwald bestimmt nicht hinter Einstein zurück. Für die Gewährleistung des öffentlichen Zuganges zu Ostwalds Nachlass in Großbothen und für dessen weitere Erschließung wäre als Jahresbetrag etwa der zweihundertste Teil dieser 13 Mio € eine großzügige Finanzierung.

Auf der Internetseite der Gemeinde Großbothen www.grossbothen.de wurde die Meldung von der Schließung der Gedenkstätte im Trauerrand dargestellt. Darüber berichtet die Muldental-LVZ am 20. Januar.

Am 22. Januar informierte die Zeitung über den am 17. Januar beschlossenen Antrag der PDS-Fraktion an den Sächsischen Landtag: Der Landtag möge beschließen, die erforderlichen sachlichen, personellen und finanziellen Vorkehrungen für den Erhalt der Wilhelm-Ostwald-Gedenkstätte in Großbothen als öffentlich zugängliche Gedenkstätte zu treffen …….

Am 25. Januar 2005 fand im SMWK ein weiteres Gespräch statt, an dem neben dem Referatsleiter Museen auch die Leiterin des Referates Universitäten, Frau Dr. Frey, teilnahm, weil das Ministerium ein Interesse der Universität Leipzig an der Übernahme der Wilhelm-Ostwald-Gedenkstätte sieht.

Nach Meinung von Frau Dr. Frey muss die Ostwald-Gesellschaft ein neues Konzept zur Führung der Gedenkstätte entwickeln, Personalkosten einsparen, noch mehr Eigenmittel einsetzen, eine höhere Kulturraumförderung anstreben und die Universitäten um Beteiligung ansprechen. Als Vorbild könne das Karl-May-Museum in Radebeul dienen.

Das Ministerium sieht weiterhin keine Fördermöglichkeit mehr.

Frau Dr. Frey wurde zu einem Besuch in Großbothen eingeladen.

Der Geschäftsführer der Gesellschaft Deutscher Chemiker, Herr Prof. W. Koch, Frankfurt/Main, informierte über die Bereitschaft der GDCh, sich für den Erhalt der Wilhelm-Ostwald-Gedenkstätte einzusetzen.

Am 27. Januar berichtete die Sächsische Zeitung (Dresden) unter dem Titel „Kein Geld für kreative Köpfe“ über das Schicksal der Ostwald-Gedenkstätte. Der Bericht zitiert die Sprecherin des Ministeriums mit den Worten: Es muss auch mit weniger Geld gehen…zumal das Land über die Kulturraumförderung noch am Museum beteiligt ist.

Dazu erscheint eine Ergänzung angebracht: Für 2005 ist die Rede von einer Projektförderung des Kulturraumes in Höhe von 11.000 €, welche der Ostwald-Gesellschaft für ein Projekt, aber nicht für die Führung des Museums zugebilligt wurden. Außerdem ist die Finanzierung staatlichen Eigentums wohl kaum Gegenstand des Kulturraumgesetzes, welches speziell für örtliche Initiativen und Einrichtungen geschaffen wurde und von den Verantwortlichen auch so verstanden und gehandhabt wird.

In Großbothen gingen weitere Kopien von Petitionen und Stellungnahmen an den Landtag bzw. an das Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Dresden ein.

Der Vorstand der Wilhelm Ostwald-Gesellschaft dankt: Herrn Prof. em. Dr. A. Meisel und Herrn Dr.sc. H Kästner (Leipzig), Herrn Prof. Dr. B. Siegert und Herrn M. Krajewski (M.A.) (Weimar), Herrn Prof. P. Porsch (Dresden), Herrn Dipl.-Ing. A. Lemke (Leipzig), Herrn Prof. J. Schmelzer (Dresden), Herrn Prof. W. Grünert (Bochum), Herrn F.-D. Söhn (Marburg), Herrn Prof. M. Stöcker (Oslo, Norwegen), Herrn Prof. Th. Bley (Dresden), Herrn Prof. M. Ruck (Dresden), Herrn Prof. N. Jaeger (Bremen), Herr Prof. J. Hartmann (Magdeburg), Herr Prof. R. Sachsse (Saarbrücken), Herr Prof. M. Jensen (Stuttgart), der Gesellschaft für Interlinguistik e.V. (Herr Dr. D. Blanke, I. Vors., Berlin).

Und damit hatte es begonnen:

Am 16. Dezember erhielt die Geschäftsstelle der Wilhelm-Ostwald-Gesellschaft in Großbothen ein Schreiben des kommissarischen Leiters der Abteilung Kunst im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, Herrn Dr. Schleicher, in dem die seit 1990 jährlich zugewiesene Projektförderung für den Unterhalt der Wilhelm-Ostwald-Gedenkstätte Großbothen für 2005/2006 aufgekündigt wurde.

Obwohl das Schreiben vom 14.11.2004 datiert ist, aber lt. Poststempel erst am 15. Dezember Dresden verlassen hat, war der Schreiber offensichtlich in Eile. Es ist an den Vorsitzenden der Ostwald-Gesellschaft Dr. Hansel gerichtet, obwohl Dr. Hansel als Geschäftsführer tätig ist; es wird von einer jahrelangen institutionellen Förderung der Gesellschaft geschrieben, die nie erfolgte und man bezieht sich auf mehrere Gespräche mit der Gesellschaft über Finanzierungsfragen, die auch nicht stattgefunden haben.

Ungeachtet dieser Ungereimtheiten bleibt natürlich die traurige Wahrheit der Förderungskündigung und der daraus folgenden Schließung der Gedenkstätte.

In den letzten beiden Jahren 2003/2004 betrug das Budget der Ostwald-Gedenkstätte annähernd 100.000 Euro. Davon kamen 2004 genau 47.400 Euro vom SMWK (vor der Euro-Umstellung waren es jährlich 100.000 DM), 14.000 Euro von der Agentur für Arbeit und 15.700 Euro aus einer Projektförderung des lokalen Kulturraumes zur Aufarbeitung des Ostwald-Nachlasses. Der Rest von etwas über 22.000 Euro setzt sich aus Eintrittsgeldern, Verkäufen, Mitgliedsbeiträgen und Spenden an die Gesellschaft zusammen.

Die Kündigung der Förderung durch den Freistaat bewirkt zusammen mit dem Wegfall von SA-Massnahmen der Arbeitsverwaltung und einer voraussichtlichen Reduzierung der lokalen Förderung für 2005 einen Fehlbetrag  zwischen 60.000 und 70.000 Euro.

Damit ist die Weiterführung der Ostwald-Gedenkstätte nicht mehr möglich.

Unmittelbar nach Briefeingang informierte die Geschäftsstelle der Ostwald-Gesellschaft das Kulturamt des Landratsamtes sowie die Bürgermeister von Grimma und Großbothen über die Mitteilung des SMWK und die daraus folgenden Konsequenzen. Am 20. Dezember richtete Dr. Hansel als Empfänger des Kündigungsschreibens nachfolgenden Brief an Herrn Dr. Schleicher, um über das weitere Vorgehen Übereinstimmung zu erzielen.

 

                                                                                         Großbothen, den 20.12.2004

Sehr geehrter Herr Dr. Schleicher,

 hiermit bestätige ich den Erhalt Ihres Schreibens vom 14. November 2004, bei uns eingegangen am 16. Dezember 2004 (Poststempel Dresden 15. Dezember 2004).

Wir möchten über diese Verfahrensweise unser Befremden äußern.

Sie sind im Besitz der jährlichen Fördermittelabrechnungen, aus denen hervorgeht, dass die Ostwald-Gesellschaft ohne die Förderung des SMWK nicht in der Lage sein wird, die Ostwald-Gedenkstätte weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich zu halten und die Aufarbeitung des Nachlasses fortzusetzen. Die verspätet eingegangene Information bietet uns keinerlei Möglichkeiten, fristgerecht zum Jahresende zu reagieren.

Die in Ihrem Schreiben erwähnten "Gespräche" haben mit uns nicht stattgefunden. Im Gegenteil, unsere Einladung an Herrn Dr. Riedel vom 27.7.2004, sich in Großbothen ein Bild von der Arbeit der Wilhelm-Ostwald-Gesellschaft zu machen, blieb ebenso wie unser Angebot zu einem Gespräch in Dresden unbeantwortet.

 

Folgende Konsequenzen ergeben sich aus unserer Sicht:

 

a)         Wir werden das Museum im Januar 2005 offen halten, um zur Schadensminimierung die vereinbarten Termine wahrzunehmen und um die Verträge zu kündigen. Ab 1. Februar 2005 wird das Museum geschlossen.

b)        Da der Nachlass Wilhelm Ostwalds Landeseigentum ist und von der Gesellschaft nur verwaltet wurde, muss dieser ordnungsgemäß mit einem Protokoll an das Land übergeben werden. Wir gehen davon aus, dass dieses im Frühjahr des Jahres 2005 vollzogen werden kann und bitten um entsprechende Veranlassung.

c)         Ab dem Zeitpunkt der Übergabe bzw. der Schliessung bzw. der Kündigung der Verträge liegt die Sicherheit des Objektes in den Händen des Landes.

d)        Kosten, die der Wilhelm-Ostwald-Gesellschaft aus diesem Anlass entstehen, werden wir zum Zeitpunkt des Entstehens an sie weitergeben müssen.

e)         Die Kündigungsfrist für die Leiterin des Museums beträgt 3 Monate. Somit kann dieses Arbeitsverhältnis erst zum 31. März 2005 gelöst werden.

 

Wir bitten Sie daher, für eine Übergangszeit von 3 Monaten eine Deckungszusage für die Nachlaufkosten zu erwirken. Es wäre schön, wenn Sie uns die entsprechenden Mittel für das erste Vierteljahr schriftlich zusagen könnten, um uns zumindest Gelegenheit für die Einleitung der aufgezeigten Massnahmen zu geben.

 

Unabhängig von diesem Ablauf sehen wir uns gezwungen, gegen die Entscheidung Protest einzulegen. Da sich der Sächsische Landtag bereits vor einigen Jahren mit dem Ostwald-Nachlass beschäftigt hat, werden wir die Fraktionen erneut um Unterstützung bitten. Entsprechende Schreiben sowie eine Eingabe an den Petitionsausschuss werden in Kürze auf den Postweg gebracht.

 

Leider konnte mit Frau Ritschel noch kein Gesprächstermin zur Erläuterung der komplexen Situation vereinbart werden. Im telefonischen Gespräch mit unserem Vorstandsmitglied Herrn Dr. Hönle am 20.12.2004 baten Sie um die Darlegung der Konsequenzen, die sich aus dem Wegfall der Förderung ergeben.

Für Rückfragen zu den oben genannten Folgerungen stehe ich Ihnen zur Verfügung.

 

Zum Schluss möchten wir Ihnen und Ihren Mitarbeitern unsere guten Wünsche für den Jahreswechsel senden und verbleiben

 

mit freundlichen Grüßen

 

 

Dr. Karl Hansel

Geschäftsführendes

Vorstandsmitglied

 

Eine offizielle Reaktion auf dieses Schreiben ist der!Ostwald-Gesellschaft bisher nicht bekannt.

Die im Brief an Dr. Schleicher angekündigten Schreiben an die Parteien des Sächsischen Landtages bzw. an den Petitionsausschuss wurden bis 22. Dezember 2004 auf den Weg gebracht. Sie enthalten die Bitte um Mitwirkung, dass dem Nachlass Wilhelm Ostwalds in der sächsischen Wissenschafts- und Kulturlandschaft ein würdiger Platz eingeräumt wird.

Die Wilhelm-Ostwald-Gesellschaft sieht das Ziel ihrer Tätigkeit in der Realisierung des Grundgedankens der Schenkung von 1953, den Nachlass Wilhelm Ostwalds als Einheit für die Wissenschaft und die Öffentlichkeit zu erhalten.

Das Präsidium des Ministerrates der DDR hatte die Übergabe des Ostwald-Nachlasses an die Akademie der Wissenschaften zu Berlin mit einel Beschluss (Nr. 27/56 vom 27.8.1953) ermöglicht, in dessen Begründung ausgeführt ist: Es wurde mit den genannten Erben Übereinstimmung dahingehend erzielt, .... eine Gedächtnisstätte oder ein Museum zum Andenken an Wilhelm Ostwald und zur Pflege seines literarischen Nachlasses zu errichten, wobei neben der Schaffung einer öffentlich zugänglichen Gedächtnisstätte besonderen Wert auf die Herausgabe seines Nachlasses zu legen ist.

Gemäß dieser Auflage wurde die Gedenkstätte zum 125sten Geburtstag in Großbothen eröffnet.

1994 erfolgte die Zuordnung von Ostwalds Landsitz „Energie“ zum Eigentum des Freistaates Sachsen. Die Ostwald-Gesellschaft vertritt die Meinung, dass mit dem Eigentumszuordnung auch die Schenkungsauflagen auf den Freistaat übergegangen sind. Seitens des SMWK wird das bestritten bzw. negiert. Deutlich wurde das bereits 1995/96, als das Ministerium den Landsitz „Energie“ für einen Hotelbau mit 100 Betten vergeben wollte. So hatte Staatssekretär Noack am 24.8.1995 Frau Brauer, Enkelin Wilhelm Ostwalds, geschrieben, ihm seien keine Schenkungsauflagen bekannt.

Damals hatte Frau Brauer beim Landgericht Leipzig eine einstweilige Verfügung gegen die Hotelbaupläne beantragt. Das Gericht lehnte den Antrag ab (10. Zivilkammer, AZ.: 10 O 8388/95), führte aber u.a. aus:

Im Übrigen ist es fraglich, ob überhaupt eine Anspruchsgefährdung vorliegt. Die Verfügungsklägerin selbst legte zur Glaubhaftmachung ein Schreiben, unterzeichnet vom Staatsminister Prof. Dr. Milbradt vor, aus dem sich ergibt, dass für den Fall der Verfügung zugunsten eines Investors dieser verpflichtet würde, die vorhandene Bausubstanz zu sanieren und als Museum und Forschungsstätte zu erhalten. Dieses Schreiben ist möglicherweise auch dahingehend auszulegen, dass der Freistaat Sachsen gewillt ist, die Auflagen aus dem Schenkungsvertrag vom 13.10.1953 zu erfüllen.

Aus dieser Formulierung schließen wir, dass die Schenkungsauflagen wirksam sind und den Fortbestand der Gedenkstätte auch juristisch absichern sollten, obwohl aus unserer Sicht schon allein der wissenschaftshistorische Wert des Nachlasses selbst eine verantwortungsbewusste Behandlung hinreichend begründen sollte.

Von den Parteien im Sächsischen Landtag hat als erste die NPD am 27.12.2004 den Erhalt unserer Bitte bestätigt und seine Weiterleitung an den Bildungsausschuss des Landtages angekündigt. Am 9. Januar informerte sich der Fraktionsvorsitzende der PDS, Herr Prof. P. Porsch, in Großbothen über die Situation und versah nachfolgend seine persönliche Internetseite www.peter-porsch.de mit einer Stellungnahme für den Fortbestand der Gedenkstätte. Am 12. Januar erhielten wir von der Fraktion der FDP eine Bitte um Zustellung weiteren Informationsmaterials.

Vom 12. Januar datiert auch die Eingangsbestätigung des Peditionsausschusses.

Auf Anregung des Bürgermeisters von Grimma. Herrn M. Berger hatte sich inzwischen die örtliche Redaktion der Leipziger Volkszeitung mit der Angelegenheit befasst. Am 8. Januar erschien deren Muldentalausgabe mit einem farbigen Bild der Gedenkstätte auf der Titelseite und einem ausführlichen Beitrag in der Muldentaler Kreiszeitung

An gleicher Stelle wird auch über ein Schreiben des Landrates Dr. Gey an das Wissenschaftsministerium berichtet.

Auch die Leipziger Ausgabe der LVZ berichtet auf der Sachsenseite über die Gefahr für die Gedenkstätte: 

 

© Leipziger Volkszeitung vom Sonntag, 9. Januar 2005

 

Ostwald-Gedenkstätte vor Aus?

Großbothen. Die Ostwald-Gedenkstätte Großbothen (Muldentalkreis) steht vor dem Aus. Das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK) hat der Wilhelm-Ostwald-Gesellschaft (WOG) den ohnehin nur tröpfelnden Geldhahn ganz zugedreht.

In einem Schreiben der SMWK heißt es, dass "vor dem Hintergrund der schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen ... der Wilhelm-Ostwald-Gesellschaft e.V. im Haushalt 2005/06 keine Fördermittel ... mehr zur Verfügung gestellt werden".

Laut Karl Hansel, geschäftsführender Vorstand der WOG, seien mehrere Varianten der Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig, beispielsweise in Form einer GmbH, an der Zustimmung aus Dresden gescheitert. Am kommenden Donnerstag soll es noch einmal ein Gespräch im SMWK geben.

Bereits in den Jahren 1995/96 war die Anlage in den Schlagzeilen, als der Freistaat den Landsitz einem Investor zum Hotelbau überlassen wollte. Die Familie Ostwald hatte 1906 ihren Wohnsitz nach Großbothen verlegt. 1887 war Ostwald jüngster Leipziger Professor und einziger Lehrstuhlinhaber für physikalische Chemie weltweit. 1909 erhielt er für seine Katalyseforschung den Nobelpreis.

 

www.wilhelm-ostwald.de

Ines Alekowa

 

Diese Beiträge veranlassten das mdr-Fernsehen am 8. Januar zu einer kurzen Nachricht im abendlichen Sachsenspiegel.

Am 12. Januar berichtete die Muldental-LVZ auf der Kreisseite unter dem Titel „Rückenwind kommt aus dem Landratsamt“ nochmals ausführlich über die Stellungnahme des Landrates.

Am Donnerstag den 13. Januar fand im SMWK eine Zusammenkunft mit dem Referatsleiter Museen Herrn Dr. Riedel sowie einem weiteren Mitarbeiter statt. Auf diesem Treffen sollte die weitere Verfahrensweise (wie in unserem Schreiben vom 20.12.2004 an Herrn Dr. Schleicher dargestellt) abgestimmt werden. Leider konnte auf Grund eines Unfalls der Sachbearbeiterin immer nur auf die Notwendigkeit des Sparens hingewiesen werden. Eine Erhaltungs- und Fürsorgepflicht des SMWK für den Ostwald-Nachlass war nicht erkennbar. Eine (Rück-)Übergabe des Nachlasses an das SMWK und damit Entlastung der Ostwald-Gesellschaft wurde mit der Begründung abgelehnt, der Freistaat könne nicht jedes Geschenk annehmen.

Man verständigte sich auf einen neuen Gesprächstermin für die vierte Januarwoche 2005.

Dieser Ausgang des Gespräches ist für uns außerordentlich deprimierend. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass man sich im Ministerium nur unzureichende Gedanken über die Zukunft des wissenschaftlichen Nachlasses Ostwalds gemacht hat. Diese Stimmung fand ihren Ausdruck in einem Beitrag der Lokalredaktion der LVZ am 15. Januar. Außerdem wurde in dieser Ausgabe der Zeitung über den Protest des Gemeinderates Großbothen informiert.

Am gleichen Tag berichtete der mdr-Sachsenspiegel erneut und diesmal ausführlicher über die Situation der Gedenkstätte, wobei auch der Bürgermeister von Großbothen zu Wort kam.

Auf der Internetseite der Gemeinde Großbothen www.grossbothen.de wurde die Meldung von der Schließung der Gedenkstätte im Trauerrand dargestellt. Darüber berichtet die Muldental-LVZ am 20. Januar.

Am 22. Januar informierte die Zeitung über den am 17. Januar beschlossenen Antrag der PDS-Fraktion an den Sächsischen Landtag: Der Landtag möge beschließen, die erforderlichen sachlichen, personellen und finanziellen Vorkehrungen für den Erhalt der Wilhelm-Ostwald-Gedenkstätte in Großbothen als öffentlich zugängliche Gedenkstätte zu treffen …….

Am 25. Januar 2005 fand im SMWK ein weiteres Gespräch statt, an dem neben dem Referatsleiter Museen auch die Leiterin des Referates Universitäten, Frau Dr. Frey, teilnahm, weil das Ministerium ein Interesse der Universität Leipzig an der Übernahme der Wilhelm-Ostwald-Gedenkstätte sieht.

Nach Meinung von Frau Dr. Frey muss die Ostwald-Gesellschaft ein neues Konzept zur Führung der Gedenkstätte entwickeln, Personalkosten einsparen, noch mehr Eigenmittel einsetzen, eine höhere Kulturraumförderung anstreben und die Universitäten um Beteiligung ansprechen. Als Vorbild könne das Karl-May-Museum in Radebeul dienen.

Das Ministerium sieht weiterhin keine Fördermöglichkeit mehr.

Frau Dr. Frey wurde zu einem Besuch in Großbothen eingeladen.

Der Geschäftsführer der Gesellschaft Deutscher Chemiker, Herr Prof. W. Koch, Frankfurt/Main, informierte über die Bereitschaft der GDCh, sich für den Erhalt der Wilhelm-Ostwald-Gedenkstätte einzusetzen.

Am 27. Januar berichtete die Sächsische Zeitung (Dresden) unter dem Titel „Kein Geld für kreative Köpfe“ über das Schicksal der Ostwald-Gedenkstätte. Der Bericht zitiert die Sprecherin des Ministeriums mit den Worten: Es muss auch mit weniger Geld gehen…zumal das Land über die Kulturraumförderung noch am Museum beteiligt ist.

Dazu erscheint eine Ergänzung angebracht: Für 2005 ist die Rede von einer Projektförderung des Kulturraumes in Höhe von 11.000 €, welche der Ostwald-Gesellschaft für ein Projekt, aber nicht für die Führung des Museums zugebilligt wurden. Außerdem ist die Finanzierung staatlichen Eigentums wohl kaum Gegenstand des Kulturraumgesetzes, welches speziell für örtliche Initiativen und Einrichtungen geschaffen wurde und von den Verantwortlichen auch so verstanden und gehandhabt wird.

In Großbothen gingen weitere Kopien von Petitionen und Stellungnahmen an den Landtag bzw. an das Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Dresden ein.

Der Vorstand der Wilhelm Ostwald-Gesellschaft dankt: Herrn Prof. em. Dr. A. Meisel und Herrn Dr.sc. H Kästner (Leipzig), Herrn Prof. Dr. B. Siegert und Herrn M. Krajewski (M.A.) (Weimar), Herrn Prof. P. Porsch (Dresden), Herrn Dipl.-Ing. A. Lemke (Leipzig), Herrn Prof. J. Schmelzer (Dresden), Herrn Prof. W. Grünert (Bochum), Herrn F.-D. Söhn (Marburg), Herrn Prof. M. Stöcker (Oslo, Norwegen), Herrn Prof. Th. Bley (Dresden), Herrn Prof. M. Ruck (Dresden), Herrn Prof. N. Jaeger (Bremen), Herr Prof. J. Hartmann (Magdeburg), Herr Prof. R. Sachsse (Saarbrücken), Herr Prof. M. Jensen (Stuttgart), der Gesellschaft für Interlinguistik e.V. (Herr Dr. D. Blanke, I. Vors., Berlin).

Die Wilhelm-Ostwald-Bibliothek in Großbothen

 

Seit 1996 erscheinen vierteljährlich die „Mitteilungen der
Wilhelm-Ostwald-Gesellschaft“. Zusätzlich wurden bisher in
dieser Reihe folgende Sonderhefte herausgebracht:


1  Ernst Beckmann und Wilhelm Ostwald in ihren Briefen
2  Max Le Blanc und Wilhelm Ostwald in ihren Briefen
3  Theodor Paul und Wilhelm Ostwald in ihren Briefen
4  Georg Bredig und Wilhelm Ostwald in ihren Briefen
5  Robert Luther und Wilhelm Ostwald in ihren Briefen
6  Aus dem Briefwechsel Wilhelm Ostwalds zur Einführung einer Weltsprache
7  Wilhelm Ostwald - Bibliographie zur Farbenlehre
8  Die Farbenlehre Wilhelm Ostwald - Der Farbenatlas
9  Carl Schmidt und Wilhelm Ostwald in ihren Briefen
10 Wilhelm Ostwald - Eine Kurzbiografie
11 William Ramsay und Wilhelm Ostwald in ihren Briefen
12 Die Ostwaldsche Farbenlehre und ihr Nutzen
13 Die Philosophie der Farben - Briefunterricht zur Farben- und Formenlehre
14  Wilhelm Ostwald Gesamtschriftenverzeichnis Bd. 1
15  Svante Arrhenius und Wilhelm Ostwald in ihren Briefen
16  Wilhelm Ostwald Gesamtschriftenverzeichnis Bd. 2.


Publikationen
 

Impressionen aus Großbothen

Die Wilhelm-Ostwald-Gedenkstätte auf dem Landsitz "Energie" in Großbothen bei Leipzig (links) beherbergt heute das Wilhelm-Ostwald-Archiv. Haus "Werk" im Hintergrund rechts) wurde als Tagungsstätte ausgebaut.
Die Archivräume im Haus "Energie" geben dem Besucher u.a. authentischen Einblick in die Experimentierpraxis Wilhelm Ostwalds
Der dörfliche Charme des Landsitzes täuscht manchen Besucher über die grundsätzliche Bedeutung des Nobel-Preisträgers Wilhelm Ostwald auch für die Farbsystematik unserer Zeit hinweg. Im Jahr der Chemie fanden ihn die Veranstalter nicht einmal der Erwähnung wert, als sie daran gingen, die Chemie-Nobelpreis-träger zu würdigen. Er sei damals ein Verlegenheitskandidat gewesen, wurde in Frankfurt argumentiert. Dass Ostwald bis in unsere Zeit der einzige Nobel-Preisträger aus Sachsen blieb, hatten die Frankfurter Bürokraten genauso wenig registriert, wie sie am Thema "Farbe" als plausibelstem Eindruck menschlicher Wahrnehmung chemischer Innovation interessiert waren. Auch die Öffentlichkeitsarbeiter anderer Chemieverbände zeigen bis heute keine Reue über die vergebene Chance zum 150sten Geburtstag des Pioniers. fma

Bilder: Dr.-Ing Heinwig Lang, 2003

Über Wilhelm Ostwald 1853 – 1932

Wilhelm Ostwald wurde am 2. September 1853 in Riga geboren. Ab 1872 studierte er Chemie in Dorpat. 1882 erhielt er seine erste Professur am Polytechnikum Riga und wurde 1887 auf den Lehrstuhl für physikalische Chemie an der Universität Leipzig berufen. Von 1906 bis zu seinem Tod am 4. April 1932 arbeitete er als freier Forscher auf dem Landsitz ‚Energie’ in Großbothen.

Ostwald wurde besonders durch richtungsweisende Arbeiten zur physikalischen Chemie, die Gründung der ‚Zeitschrift für physikalische Chemie’ sowie durch seine Lehrbücher bekannt. Für die begriffliche Klärung der katalytischen Vorgänge erhielt er 1909 den Nobelpreis für Chemie.

Nach der Jahrhundertwende beschäftigte sich Ostwald überwiegend mit philosophischen und wissenschaftsorganisatorischen Themen.Er formulierte einen energetischen Imperativ „Vergeude keine Energie, verwerte sie!’“ und nutzte ihn als Richtlinie für die wissenschaftliche Arbeit sowie das persönliche Leben. Bemühungen zur Einführung einer Weltsprache und des internationalen Organisationsinstitutes ‚Die Brücke’ sind z.B. mit seinem Namen verbunden.

Etwa ab 1914 befasste sich Ostwald zunehmend mit Problemen der Psychophysik und Ästhetik. Im Mittelpunkt seiner umfangreichen Studien zur Formen-, Farben-, Schönheits- und Kunstlehre stand die Herausbildung einer komplexen quantitativen Farbenlehre, wozu ihm die eigene malerische Betätigung  und die Erfahrungen als Chemiker vielfach Anregung bot.
 

Erst im September 2003 war der 150. Geburtstag Ostwalds Anlass, in einer Reihe von Veranstaltungen das Schaffen des vielseitigen Denkers einer Wichtung zu unterziehen und Aktuelles hervorzustellen. An der Durchführung beteiligen sich u.a. :

  •   die Wissenschaftsakademien in Berlin, Halle und Leipzig,

  •   die Universitäten von Dresden und Leipzig sowie

  •   die Wilhelm-Ostwald Gesellschaft.

Einen besonderer Schwerpunkt war ein wissenschaftliches Symposium zur Farbenlehre mit  begleitenden Ausstellungen.

Alle Beiträge der Veranstaltung wurden in einem Sonderheft von "Phänomen Farbe" veröffentlicht, das zu einem Preis von 15,- € bei der Wilhelm Ostwald-Gesellschaft, Großbothen, und beim Herausgeber unter bendin@rcs.urz.tu-dresden.de sowie beim Verlag unter pf-verlag@t-online . Der Verlag wird die Bestellung an den Herausgeber Privatdozent Eckart Bendin, Dresden, weiter leiten.