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Wie kann man Farben einsetzen?
Wie hilft das RAL Design System dabei?
Wie funktioniert RAL digital?

Farbe in der Architektur

Farbe ist ein wichtiger Bestandteil eines architektonischen Gesamtkonzepts, die farbliche Gestaltung als ein Teil des Entwurfs betont die räumliche Struktur und ist so dem Architekten ein wertvolles Hilfsmittel bei der Charakterformung eines Gebäudes.

Dabei kann es, je nach Standort, erforderlich sein, das Gebäude aus dem Kontext herauszuheben oder zu kaschieren. In einem reinen Industriegebiet beispielsweise ist es vorteilhaft, sich von den umliegenden Gebäuden zu unterscheiden. Dagegen kann es in anderen Fällen notwendig sein, das Gebäude in der Umgebung zu "verstecken", zum Beispiel wenn ein Zweckbau in eine historisch gewachsene Umgebung integriert werden soll.

Um "Farbe" von Anfang an in den Entwurf mit einfließen zu lassen, sind Vorkenntnisse über die Wirkungen der verschiedenen Farben bzw. Farbzusammenstellungen auf die räumliche Form wichtig.

Natürlich können in diesem Rahmen nur stichpunktartig grundlegende Informationen vermittelt werden, wir verweisen daher auf weiterführende Fachliteratur.

Farbe

Über Farbe zu sprechen, ist prinzipiell nicht möglich, denn "Farbe" ist eine subjektive Sinneserscheinung. Da aber in unserer Gesellschaft Kommunikation eine tragende Rolle spielt, ist es also notwendig, auch über Farben kommunizieren zu können und das möglichst ohne Mißverständnisse.

Die Zahl der vom Menschen unterscheidbaren Farben wird auf annähernd 10 Millionen geschätzt. Um einen Überblick über diese Vielfalt zu erlangen, ist es notwendig, gewisse Ordnungskriterien festzulegen. Grundsätzlich unterscheidet man einzelne Bunttöne, also rot, blau, gelb, grün, orange oder violett. Diese kann man dann noch in einzelne Helligkeits- und Buntheitsabstufungen einteilen.

Es sind also drei Angaben nötig, um eine Farbe ausreichend zu beschreiben. Aus diesem Grund ist es nicht möglich, sämtliche Farben in einer Ebene logisch anzuordnen. Aber in einem dreidimensionalen Raum kann jeder möglichen Farbe ein ganz bestimmter Platz zugeordnet werden ("Farbraum").

Die am leichtesten verständliche Beschreibung eines "Farbortes" ist diejenige in Zylinderkoordinaten.

Basis ist hier der Farbkreis, auf dem jeder Buntton einem bestimmten Winkel entspricht. Die vertikale Achse ("Grauachse") ist hierbei das Maß für die Helligkeit einer Farbe. Diese nimmt von unten (Absolutschwarz) nach oben (Absolutweiß) zu. Von dieser Achse nach außen gehend nimmt die Buntheit einer Farbe zu. Die Lage dieser Buntheitsgeraden ist durch den Buntton (Winkel) festgelegt.

Nach diesem Prinzip ist das RAL Design System aufgebaut. Im Farbatlas ist der gesamte dem Architekten zur Verfügung stehende Farbraum in ausgewählten Farbmustern dargestellt. Die Bezeichnung der Farben gibt sowohl die Lage der Farbe im Atlas als auch im Farbraum an. Der zu Grunde liegende Farbraum ist der in Farbwissenschaft und Farbmetrik gebräuchliche, so daß das RAL Design System für alle den Bereich Farbe einschließenden Branchen als gemeinsame Basis dienen kann.

Licht

Erst die Anwesenheit von Licht läßt uns Farben überhaupt erkennen und unterscheiden. Die Erscheinung der Farbe ist von der Art des Lichts abhängig. Daher ist es ratsam, die Farbauswahl unter dem Licht zu überprüfen, dem die Farben später ausgesetzt sind.

Ganz wichtig ist dies, wenn verschiedene Teile gleicher Farbe kombiniert werden sollen. Denn meistens sind die Farben eben doch nicht gleich, sondern nur "bedingt gleich", das heißt, daß zwei Dinge bei einer Lichtart gleichfarbig aussehen, bei Lichtwechsel jedoch verschieden (Metamerie).

Farbwahl

Speziell in der Architektur ist es notwendig, die Farbgebung der Umgebung zu studieren und die Farbauswahl auf diese "Farbatmosphäre" abzustimmen.
ralFinder.jpg (22572 Byte) Der RAL-Farbfinder

Mit Hilfe des RAL Design Systems können die vorhandenen Farben festgestellt werden. Eine Farbmusterzusammenstellung hilft dann bei der Farbanalyse. Die gegebenen Farben zu analysieren, heißt, deren Zusammenhänge aufzudecken. Durch die Codierung des RAL Design Systems kann man sofort erkennen, ob die Farben in Buntton, in der Helligkeit oder in der Buntheit variieren. Die dazu zu kombinierenden Farben kann man entweder nach diesen Kriterien auswählen oder aber man setzt ganz bewußt Farbkontraste. Zur Entscheidung dieser Frage sollte man Aspekte wie die Bedeutung und Nutzung des Gebäudes und dessen Bezug zur Umgebung heranziehen. Ein Gebäude kann durch unterschiedliche Farbgebung sowohl in den Vordergrund als auch in den Hintergrund gestellt werden oder sich gleichrangig zwischen die Nachbargebäude einreihen.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, daß Helligkeitsunterschiede auffälliger sind als Bunttonunterschiede.

Unterschiede in Materialien, Strukturen und Funktionen können ebenfalls hervorgehoben oder minimiert werden.

Kontraste

An erster Stelle muß hier der Bunttonkontrast stehen, da auf ihn eigentlich nie verzichtet werden kann. Zusammenstellungen "Ton in Ton" wirken zwar harmonisch, aber vor allem langweilig, da der Gegenpol fehlt.

Der Bunttonkontrast unterstreicht die Verschiedenheit von Teilen, ein Unterschied in der Buntheit kann eine Rangordnung zum Ausdruck bringen, Helligkeitskontraste schließlich können verschiedene Raumtiefen deutlich machen.

Beim Bunttonkontrast müssen nicht zwangsläufig Gegenfarben kombiniert werden, der reine Bunttonkontrast ist lediglich eine Variation des Bunttons unter Beibehaltung von Helligkeit und Buntheit. Je weiter jedoch die Farben voneinander entfernt sind, desto größer ist die erzeugte Spannung (Spezialfall: Kalt-Warm-Kontrast). 

Interessanter wird die Sache bei gleichzeitiger Variation mehrerer Farbeigenschaften. So ist z. B. eine Farbreihe steigender Helligkeit und gleichzeitiger Bunttonverschiebung denkbar. Hierbei gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, da man den Buntton in zwei Richtungen des Farbkreises variieren kann. Ergebnis können Farbreihen sein, die mit dem natürlichen Helligkeitsverlauf der Farben einhergehen oder diesem entgegenlaufen. Gelb ist die Farbe mit der größten Helligkeit, Blau mit der geringsten.

Bei der Farbherstellung macht sich diese natürliche Helligkeit darin bemerkbar, daß die Farben mit der höchsten Buntheit nur bei einer bestimmten, bunttonspezifischen Helligkeit erreicht werden.

Natürlich kann man Farbzusammenstellungen auch rein intuitiv vornehmen. Ist man sich aber bestimmter Sachverhalte im Zusammenspiel von Farben bewußt, kann man gezielter vorgehen und kommt so schneller zu einem brauchbaren Ergebnis.

Das RAL Design System

Eines sollte klar sein, das RAL Design System gibt keine Anleitung zur Farbgestaltung. Diese Aufgabe und Verantwortung liegt in der Hand des Architekten. Damit aber diese, durchaus nicht einfache, Aufgabe gelöst werden kann, hat man das RAL Design System als Hilfsmittel. Bleibt man in dem vom RAL Design System vorgegebenen Farbraum, so ist gewährleistet, daß die ausgewählten Farben auch tatsächlich realisierbar sind. Man vermeidet so Planungen, die in einer Sackgasse enden.

Dadurch, daß im RAL Design System Buntton, Helligkeit und Buntheit jeder Farbe bekannte Größen sind, kann man zu einer oder mehreren Basisfarben weitere Farben kombinieren. Diese können untereinander harmonieren oder kontrastieren, wie es die besonderern Umstände eines individuellen Projektes erfordern.

Wie arbeitet man mit dem RAL Design System?

Wenn man ein Farbsystem zur Hand nimmt, dann hat man meist schon eine erste Vorstellung von der festzulegenden Farbe. Das System soll helfen, die Farbentscheidung zu konkretisieren und an Hand von Farbmustern zu überprüfen oder sie einem anderen unmißverständlich mitzuteilen.

Das RAL Design System bietet eine einfache und schnelle Möglichkeit, passende Farben zu finden.

Die Basis des Systems bildet der Atlas. Er zeigt alle 1688 Systemfarben als original Lackmuster, angeordnet in der das System kennzeichnenden logischen Weise nach Buntton, Helligkeit und Buntheit.

Ausgangspunkt bei der Farbauswahl ist der Farbenkreis, der in jedem Atlas als erste Seite enthalten ist (Der Prospekt zeigt ihn in grober Annäherung.).

Die Nummern des in Frage kommenden Farbbereichs geben die Seiten im Atlas an, auf denen die entsprechenden Bunttöne dargestellt sind.

Möchte man z.B. ein Grün auswählen, so schlägt man die Seite 160 auf, betrachtet diese und vergleicht sie sowohl mit der vorhergehenden Seite als auch mit der nachfolgenden. Man erkennt, daß der Buntton einerseits nach Gelb, andererseits nach Blau hin variiert. Entscheidet man sich nun für eine der Seite 160 benachbarten Seite, sollte man diese wiederum mit den jeweiligen Nachbarseiten vergleichen, um den Buntton endgültig festlegen zu können.

Als nächstes wählt man aus der entsprechenden Seite das richtige Farbmuster aus. Hierbei ist wichtig zu wissen, daß die Helligkeit von unten nach oben und die Buntheit von links nach rechts zunimmt. Hat man nun das Gefühl, die ideale Farbe liege genau zwischen zwei im Atlas enthaltenen Farbmustern, so kann man diese imaginäre Farbe nach dem gleichen Schema benennen, wie es bei den vorhandenen Mustern der Fall ist.

Die Bezeichnung der Farben ist nichts anderes als die Angabe des Bunttons, der Helligkeit und der Buntheit (Hue H, Lightness L, Chroma C).

Auf der letzten Atlasseite (zum Herausklappen) ist rechts die Graureihe mit Helligkeiten von 15 bis 90 dargstellt. Außerdem sind hier noch einmal die Farben jeder zweiten Atlasseite mit der minimalen Buntheit 05 diesen Grauabstufungen zugeordnet.

Um ausgewählte Farben zu einer Palette zusammenzustellen und beurteilen zu können, wurden die Farbfächer des RAL Design Systems entwickelt.

Diese enthalten dieselben 1688 Farben wie der Atlas. Der Farbenkreis wurde in acht Bereiche aufgeteilt, für die es jeweils einen Farbenfächer gibt. Jeder Buntton eines Bereiches beginnt mit der Farbe geringster Helligkeit und geringster Buntheit. Die darauffolgenden Farben haben ansteigende Buntheit. Dann folgt die Farbe mit der nächsthöheren Helligkeit und ihre Buntheitsvarianten, usw. Das letzte Farbmuster eines bestimmten Bunttons hat also höchste Buntheit bei maximaler Helligkeit.

Die Farbmuster in DIN A6 beziehungsweise in DIN A4 geben aufgrund ihres Formates die beste Möglichkeit, die ausgewählten Farben abschließend zu beurteilen. Außerdem können diese Einzelbögen auch zur Bemusterung verwendet werden.

Ein praktischer und preiswerter Übersichtsfarbfächer ist der RAL Farbfinder. Darin enthalten sind alle RAL Design Farben. Der Fächer hat ein handliches Format und wird in einer praktischen Schutzhülle geliefert, ideal für die Arbeit vor Ort.

RAL digital

Da speziell im Architektur- und Designbereich mit CAD- und Grafikprogrammen gearbeitet wird, war es nur logisch, auch für dieses Medium RAL-Farben zur Verfügung zu stellen. Somit erhält der Gestalter die Möglichkeit, mit einem herstellerunabhängigen Farbsystem seine Entwürfe auf Bildschirm und Papier zu colorieren.

Damit die ausgewählten Farben in Anwenderprogramme übertragen werden können, wurde das Programm RAL digital entwickelt.

Die RAL-Farben können nach der Installation als Farbpalette auf dem Bildschirm aufgerufen werden. So kann sofort auf die RAL-Farben zugegriffen werden. Ein Mausklick auf die gewünschte RAL-Nummer genügt, um Objekte und Entwürfe in den ausgewählten RAL-Farben zu präsentieren.

Die zweite Generation der Software RAL digital erleichtert die Arbeit mit RAL-Farben am Computer noch mehr.

Die RAL-Farben werden direkt in gebräuchliche Programme integriert. Es stehen dort die klassischen wie auch die RAL Design Farben zur Verfügung - insgesamt fast 1900 Farben.

Durch selektive Ansteuerung können die Farben für Bildschirm oder Drucker optimiert dargestellt werden. Die ständig aktualisierte Liste der unterstützten Softwareprogramme und Ausgabegeräte kann bein RAL angefordert werden.

Ergänzend sind auf der CD-ROM noch weitere hilfreiche Programme, die den Umgang mit Farben erleichtern. Der digitale Farbatlas zum Beispiel veranschaulicht den Aufbau des RAL Design Systems, ermöglicht einen guten Überblick über die Farbnuancen und vereinfacht die Farbauswahl. Die Programme "Rechnerische Harmonie" und "Visuelle Farbstimmung" dienen der Erstellung von Farbkompositionen.

Bezugsquelle: Sämtliche RAL-Farbvorlagen sowie RAL digital kann man direkt beim RAL in Sankt Augustin bestellen.

RAL
Siegburger Str. 39
53757 Sankt Augustin
Tel. 02241716 05-0
Fax 02241/16 05 16
E-Mail: RAL-Institut@t-online.de
Internet: www.RAL-Colours.de