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Uzin: CE-Zeichen bei Bodenspachtelmassen eingeführt

Autor: Dr. Johannis Tsalos, Leiter Produkttechnik,
Uzin Utz AG, 10.07.2006

Ulm, 10. Juli 2006 – Das „CE-Zeichen" (siehe Abb. 1) ist heute auf sehr vielen Produkten, die in Europa angeboten werden, zu finden – beispielsweise auf Spielzeug, Herzschrittmachern, Handys, Notebooks und vielem mehr. Dieses Kennzeichen signalisiert, dass ein Produkt – nach den Angaben des Herstellers oder Händlers – den grundlegenden Anforderungen der korrespondierenden harmonisierten europäischen Norm entspricht und im EU-Raum über die Grenzen hinweg frei gehandelt werden kann. Im Baubereich verbreitet sich das CE-Zeichen vor allem aufgrund der Bauproduktenrichtlinie und der Tatsache, dass nach und nach nationale durch europäische Normen abgelöst werden. Uzin ist der erste Hersteller, der nahezu sein gesamtes europäisches Bodenspachtelmassen-Sortiment mit CE-Zeichen ausweist.

Abb. 1: CE-Zeichen und Spachtelmassen

Verschiedene dramatische Brandunfälle in der Vergangenheit sorgen dafür, dass die Thematik „Brandverhalten von Baustoffen" vor allem in öffentlichen Gebäuden weiterhin aktuell bleibt. Bei Estrichen muss durch die neueste Regulierung, die europäische Estrichnorm DIN EN 13813, das Brandverhalten als besondere Eigenschaft angegeben werden. Wie bereits nach der Definitions-Norm DIN EN 13318 (Punkt 2.2) bekannt ist, werden von einem Estrich eine oder mehrere der drei Funktionen erfüllt:

  • eine vorgegebene Höhenlage zu erreichen
  • einen Bodenbelag aufzunehmen
  • unmittelbar genutzt zu werden

Da Spachtelmassen in der Regel mindestens eines der drei Merkmale erfüllen (siehe Abb. 2), könnten diese durchaus auch als Estriche verstanden werden. Gleichzeitig werden aber in der gleichen Norm unter Punkt 8.3 und 8.4 die Begriffe Ausgleichs- und Spachtelschicht definiert, weshalb die Definitions-Norm auf zwei unterschiedliche Weisen ausgelegt werden kann.

Abb. 2: Nachdem links durch Spachtelung eine vorgegebene Höhenlage erreicht wurde,
wurde rechts Linoleum verlegt

Die Uzin Utz AG hat sich entschieden, Spachtelmassen, basierend auf dem oben beschriebenen Punkt 2.2 der DIN EN 13318, als Estriche zu interpretieren. Dies hat zur Konsequenz, dass Uzin-Spachtelmassen unter die mandatierte harmonisierte Anforderungsnorm DIN EN 13813 für Estriche fallen und dementsprechend auch mit dem CE-Zeichen gekennzeichnet werden müssen. Da aber für Bauprodukte, die mit dem CE-Kennzeichen versehen sind, immer auch eine Aussage zum Brandverhalten gemacht werden muss und der organische Anteil in Spachtelmassen in der Regel größer als ein Prozent ist, wurden durch gezielte Entwicklungsaktivitäten nahezu alle Uzin-Spachtelmassen in den drei europäischen Produktionsstandorten Frankreich, Polen und Deutschland auf die entsprechenden Brandbewertungen eingestellt, um die aufwendigen externen Brandtests durch notifizierte Prüfinstitute erfolgreich zu bestehen (siehe Abb. 3).

Abb. 3: Ofen zur Brandprüfung von Spachtelmassen (rechts: Vorderansicht mit
zylindrischem Probenkäfig, links: Draufsicht des Ofeninneren)

Dadurch wurde nicht nur die entwicklungstechnische Voraussetzung für die umgesetzte CE-Kennzeichnung nahezu aller Uzin-Spachtelmassen geschaffen. Man konnte zudem die externen Brandprüfungen größtenteils mit dem bestmöglichen Resultat nach der europäischen Anforderungsnorm DIN EN 13501-1 (Klassifizierung von Bauprodukten und Bauarten zu ihrem Brandverhalten) bestehen. Das heißt, dass durch eine spezielle Formulierungstechnik die große Mehrheit der Uzin-Spachtelmassen die beste Brandklasse A1fl erreicht, was gleichbedeutend ist mit „liefert in keiner Brandphase einen Beitrag". Die besonders hochvergüteten Uzin-Spachtelmassen NC 172 und NC 175 erfüllen die zweitbeste Klasse A2fl-s1 (siehe Tab. 1). Die Produkte, die nach dieser Klasse eingestuft werden, widerstehen unter repräsentativen Anwendungsbedingungen und Bodenuntergründen der Beanspruchung durch einen Wärmestrom und leisten keinen wesentlichen Beitrag zur Brandlast und dem Brandanstieg bei Vollbrand. Selbstverständlich bezieht sich die Aussage zum jeweiligen Brandverhalten ausschließlich auf die entsprechende Spachtelmasse sowie ggf. deren geprüften Verbund und beinhaltet keine Beurteilung anderer evtl. mitverwendeteter brennbarer Schichten.

Tab. 1: Klassifizierung der Uzin-Spachtelmassen (Standort Ulm) bzgl. des Brandverhaltens nach DIN EN 13501-1

Uzin-Spachtelmasse

Basis

Charakteristik

Brandverhalten *)1

Zusatzkriterien

NC 110

CaSO4

selbstverlaufend

A1fl

-

NC 115

CaSO4 (faserverstärkt)

selbstverlaufend

A1fl

-

NC 118

CaSO4

standfest

A1fl

-

NC 145

zementär

selbstverlaufend

A1fl

-

NC 150 S

zementär

selbstverlaufend

A1fl

-

NC 160

zementär

selbstverlaufend

A1fl

-

NC 170

zementär

selbstverlaufend

A1fl

-

NC 174

zementär

selbstverlaufend

A1fl

-

NC 195

zementär

selbstverlaufend

A1fl

-

FM 50 Turbo

zementär

selbstverlaufend

A1fl

-

NC 175

zementär (faserverstärkt)

selbstverlaufend

A2fl

Rauchentwicklung: s1 (beste Klasse)

NC 172

zementär

selbstverlaufend, schnell

A2fl

Rauchentwicklung: s1 (beste Klasse)

NC 395

zementär

Gefällespachtelmasse

A1fl

-

NC 182

zementär

standfest, schnell

A1fl

-

NC 350

zementär

standfest, schnell

A1fl

-

NC 365

zementär

standfest, schnell

A1fl

-

*)1 Der A1fl- bzw. A2fl-Einteilung liegen die Prüfverfahren DIN EN ISO 1182 (Nichtbrennbarkeit) und DIN EN ISO 1716 (Wärmepotential) bzw. DIN EN ISO 9239-1 (Bestrahlung) zugrunde sowie DIN EN 13238 (Konditionierungsverfahren und allgemeine Regeln für die Auswahl von Trägerplatten).

Art und Menge der organischen Inhaltstoffe (z. B. Dispersionspulver oder Cellulosederivate) beeinflussen naturgemäß die Einstufung in die einzelnen Brandklassen. Die organischen Inhaltsstoffe können je nach Art und Menge durch hohe Temperaturen zersetzt werden. Die Zersetzungsprodukte werden dann entweder durch Fremdflamme, oder bei genügend hoher Temperatur, durch Selbstzündung zum Brennen gebracht. Die thermische Zersetzung von organischen Polymeren ist ein Prozess, der sich aus einer Vielzahl von Schritten zusammensetzt und sich deshalb quantitativ nur für reine Polymere unter definierten Bedingungen beschreiben lässt. Bei der Vielzahl der in Spachtelmassen eingesetzten Rohstoffe, die auch in kleinsten Mengen auf die Zersetzung einwirken können, ist deshalb nur eine qualitative Beschreibung des Prozesses möglich. In der Regel werden die organischen Molekülverbindungen aufgebrochen, und es entstehen im ersten Schritt hauptsächlich gasförmige Zwischenprodukte, die brennbar oder nicht brennbar sind. Die brennbaren Gase mischen sich mit dem Sauerstoff der Luft und können bei hoher Konzentration entweder durch Fremdflamme oder bei hoher Temperatur durch Eigenentzündung verbrennen. Ob und wie die Zündung von statten geht, ist vom Sauerstoffangebot, der Umgebungstemperatur und natürlich der Spachtelmassen-Matrix (Zement-Polymer) abhängig. Uzin ist es hier gelungen, die Voraussetzungen zu schaffen, dass die kunststoffvergüteten Uzin-Spachtelmassen mehrheitlich die höchsten Anforderungen der besten Klasse der korrespondierenden Norm DIN EN 13501-1 erfüllen. In Tab. 2 sind die verschiedenen europäischen Klassen und deren vergleichende Zuordnung zu den bauaufsichtlchen Benennungen der nationalen DIN 4102-1 aufgeführt.

Tab. 2: Vergleich der Klassifizierung des Brandverhaltens nach DIN EN 13501-1 und DIN 4102-1

Bauaufsichtliche Benennung

Europäische Klasse nach DIN EN 13501-1

Klasse nach DIN 4102-1

nicht brennbar

A1fl

A1

nicht brennbar

A2fl -s1

A2

schwer entfllammbar

Cfl -s1

B1

normal entflammbar

Efl

B2

leicht entflammbar

Ffl

B3

Uzin war im Jahre 2005 bereits der erste Hersteller, der seine Spachtelmassen in 13 Druckfestigkeits- und Biegezugfestigkeitsklassen in Anlehnung an DIN EN 13813 eingruppiert hat und diese Festigkeitsklassen (C für Druckfestigkeit und F für Biegezugfestigkeit) direkt in den entsprechenden technischen Produktdatenblättern und auf den Gebinden durch ein selbstkreiertes unternehmsinternes Qualitätssiegel (Kreissymbol) für den Planer und Verarbeiter eindeutig kenntlich gemacht hat (siehe Abb. 4).

Abb. 4: Festigkeitsklassen-Symbol auf Uzin-Spachtelmassen

Durch den nun vollzogenen zweiten Schritt und die CE-Klassifizierung des nahezu kompletten europäischen Spachtelmassen-Sortiments, ist es gelungen ein zusätzliches Differenzierungsmerkmal zu schaffen. In Abb. 5 sind beispielhaft die CE-Klassifizierungen der zementären (Abk.: CT) Spachtelmassen Uzin NC 170 und Uzin NC 172 visualisiert.

Abb. 5: CE-Kennzeichnung von Uzin NC 170 (A1fl) und Uzin NC 172 (A2fl-s1)

Das CE-Kennzeichen entspricht der Richtlinie 93/68/EG und ist auf dem entsprechenden Spachtelmassen-Sack sowie auf dem jeweiligen technischen Produktdatenblatt platziert. Die Konformität der CE-gekennzeichneten Spachtelmassen und deren abgebildeten Kennwerten mit den Anforderungen der harmonisierten europäischen Norm DIN EN 13813 wird generell durch interne und externe Prüfungen nachgewiesen, dokumentiert und bestätigt. Die Grundlage für die von Uzin bereitgestellte Konformitätserklärung liefert eine kontinuierliche statistische Analyse und Beurteilung der erhaltenen Prüfergebnisse. Förderlich ist vor allem, dass Uzin 1994 auch hier das erste

Unternehmen der Branche war, das sich nach ISO 9001 zertifizieren ließ und ein entsprechendes Qualitätsmanagement einführte, welches nun auch bei der Erfüllung der Grundvoraussetzungen zur CE-Kennzeichnung zum Tragen kommt. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Uzin Utz AG der erste Hersteller von Verlegewerkstoffen ist, der nicht nur wie bisher die Festigkeitsklassen (siehe Abb. 4) in Form eines Kreissymbols auf seinen Spachtelmassen ausweist, sondern nun konsequenterweise im zweiten Schritt auch seine Spachtelmassen nach der Definition DIN EN 13318 als Estriche kennzeichnet. Dies hat zur Konsequenz, dass Uzin-Spachtelmassen das CE-Zeichen tragen und somit auch Angaben über das Brandverhalten machen. Durch die neu eingeführte Kennzeichnung kann sich der Praktiker sehr schnell auf einen Blick vom hohen Qualitätsniveau und der individuell abgrenzenden Klasseneinteilung der Uzin-Spachtelmassen überzeugen. Gleichzeitig wird durch das obligatorische CE-Überwachungssystem die Einhaltung der Qualitätskonstanz erhöht und eine einzigartige bisher im Markt noch nicht dagewesene Transparenz erreicht.

Bilder Uzin, Ulm (Autor)