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Zweiter Europäischer FarbDesignPreis EFP: Preise 2010-2011 vergebenFrammersbach - Unterstützt von RAL DLI, Caparol und Sikkens wurde jetzt der mit insgesamt 25.000 Euro dotierte Europäischen FarbDesignPreises 2010 – 2011 verliehen, Im Kloster Irsee wurden 10 vorbildliche Einreichungen mit Preisen bzw. Anerkennung ausgezeichnet. Auslober war Roland Aull vom Institut Farbe.Design.Therapie (Frammersbach). Er betonte, der Wettbewerb solle das Bewusstsein für Farbe als Gestaltungsmittel fördern, gleichzeitig wolle man auf das häufig noch ungenutzte Potenzial der Farbe zur Gestaltung von Produkten und Dienstleistungen aller Art aufmerksam machen. Besonderes Interesse bestehe daher an Arbeiten, bei denen die bewusst und gezielt herbeigeführte Farbwirkung im Vordergrund stehe. Insgesamt wurden 74 Arbeiten eingereicht. Darunter waren 7 Projekte mit wissenschaftlichem Charakter bzw. Einreichungen von Studierenden. Die Mehrzahl der Einreichungen kamen aus Deutschland (64), weitere Arbeiten stammten aus der Schweiz (4), den Niederlanden (3), Italien (1) und Luxemburg (1). Die Jurierung aller Einreichungen erfolgte schon Anfang September 2011 im Kloster Bronnbach. Zur Jury gehörten: Prof. Ulrich Bachmann (Zürich), Timo Rieke (Wien), Herbert Schönweger (Meran), Michael Schneider (Darmstadt), Thomas Weil (Rinnenthal), Prof. Frank R. Werner, (Schöppingen), der auch den Vorsitz der Jury inne hatte. Würdigungen 1. Preis Centrale Mazzoni von Gruppo Fonarchitetti (Venedig) »Farben auf der Wasseroberfläche, als tänzerische Bewegungen – als Reflektionen oder Spiegelungen – sind prägende Elemente des Stadtbilds von Venedig. Dieser Kontext ist Ausgangspunkt des faszinierenden Projekts Centrale Mazzoni der Gruppo Fonarchitetti, welches primär als Wohnhaus genutzt wird. Dem Baukonzept liegt die Idee zugrunde, im Kontrast zur massigen Architektur der 30iger Jahre, den neuen Baukörper aus Stahl, Holz und Glas in das alte, ziegelverblendete ehemalige Kraftwerk zu bauen. Als dominante Gestaltungselemente dieser leichten und lichten Strukturen dienen farbig-transparente, großflächige Glasplatten, welche im Innen- und Außenbereich angebracht sind. Je länger man die Fotos und Illustrationen betrachtet, desto mehr tritt die Vielschichtigkeit des Projekts zu Tage. Farbe wird in unterschiedlichsten Erscheinungsformen inszeniert, verwandelt, verzaubert: als transparentes Material, als projizierte Lichtflächen, als Reflektionen oder Spiegelungen. Zu entdecken sind immer wieder neue, überraschende Farb-Licht-Beziehungen – ein hellgrauer Boden wird durch starke Lichtprojektionen in blaue, rote und weiße Flächen umgewandelt – die farbigen Glasplatten bringen bei Tag Farbe in dezenten Abstufungen in die Innenräume und tragen diese in der Nacht in leuchtenden Farben nach Außen. Ein Foto mit Blick von der Terrasse der Centrale Mazzoni über die Dächer von Venedig, kombiniert mit einem Einblick in farbige Reflektionen im Treppenabgang, ruft Erinnerungen an die Tradition der venezianischen Malerei wach. Konzept und Ausführung überzeugen durch ihre hohe gestalterische Qualität im sensiblen Umgang mit Farbe, insbesondere in Bezug auf die beschriebene Kontextualisierung zu den vorgegebenen Innenund Außenraumsituationen sowie zum Stadtbild von Venedig.« 2. Preis FarbLicht-Box von Dr. Marcus Pericin und Florian Bachmann (Zürich) »Die Relativität der Wahrnehmung ist schwer zu vermitteln. Denn unsere Art der Wahrnehmung verhindert geradezu, dass wir uns unse- rer eigenen Wahrnehmung bewusst werden. Dabei funktioniert gerade das Sehen über Inkonsistenzen und Ungereimtheiten, die wir im täglichen Leben gar nicht bemerken. Und die sogar sehr nützlich sind, um eine möglichst stabile Welt zu erzeugen, in der grüne Früchte verschwinden und rote Früchte ganz besonders hervortreten. Um die Lücke in der Vermittlung zu schließen – und um die vielfältigen Phänomene der Farbe als Teilnehmer experimentell zu erfahren, zu sammeln und zu verstehen – wurde jetzt eine ganz besondere Wunderkammer erfunden. Die FarbLicht-Box von Florian Bachmann und Dr. Marcus Pericin vom Farb-Licht-Zentrum der Zürcher Hochschule der Künste macht es möglich, die Prinzipien des Sehens, der Farbkontraste und der Lichtwirkung zu zeigen und experimentell anzuwenden. Die räumliche Inszenierung von Farbkombinationen und Farbkontrasten wird über den äußerst einfachen Aufbau der Box mit zwei dynamisch steuerbaren RGB-LED-Lichtquellen und einer Zwischenwand mit Fenster wunderbar umgesetzt. Die wichtigsten Kontrastphänomene, Hell-Dunkel Kontrast, Simultankontrast, farbige Schatten und Nachbilder sind dabei voreingestellt und können im weiteren über stufenlose RGBRegler individuell verändert werden. Der spielerische Umgang macht es dem Nutzer leicht, die komplexen Phänomene des Lichts und der Farbkontraste zu begreifen. Der Nutzer wird selbst Teilnehmer des Experimentes, denn letztendlich ist es der Beobachter selbst, der sich hier beobachtet. Selten wurden die Prinzipien der Farbe und des Lichtes in solcher Klarheit dargestellt und so anwenderfreundlich umgesetzt. Die Anwendungsmöglichkeiten sind dabei vielfältig, sie reichen von der Lehre und dem Unterricht, über Gestaltungsaufgaben bis zu medizinisch- therapeutischen Zwecken. Leider wurde von der Box bisher nur eine kleine Serie hergestellt, und man würde sich wünschen, dass es noch viel mehr werden.« 3. Preis Forschungs- und Entwicklungszentrum der Sedus Stoll AG in Waldshut- Tiengen von Laura Fogarasi-Ludloff und Jens Ludloff (Berlin) »Das neue Gebäude bildet das Gelenk zwischen dem intensivfarbigen 30m hohen Hochregallager von Sauerbruch Hutton (Berlin) und der sich anschließenden lockeren dörflichen Wohnbebauung. Die farbliche Antwort der Fassade auf Umgebung und Nutzung ist ein immaterielles schwebendes Weiß, ausgeführt mit einem weißen Überzug aus silikonbeschichteten Glasgewebe. Auch innen wirkt es, als atmosphärische Bereicherung konzipiert, für einen zentralen Entwicklungsund Forschungsplatz, der eine offene Zukunft, Leichtigkeit und Freiheit von materiellem Zwang ausstrahlen soll. Das Erdgeschoss dient als materielle Basis mit den Werkstätten für Neuentwicklung, gehalten in Betongrau, Ziegelrot und Anthrazit. Darüber öffnet sich ein hoher Raum, der offene Weite verspricht. Farbe wird hier als Bedeutungsträger eingesetzt. Über dem weichen nachgiebigen Kautschukboden als sinnliche, positiv erfahrbare Bewegungsebene, entfaltet sich der zeltartige ›Himmel‹ in hellem Blaugrau, verbunden und scheinbar schwerelos gehalten durch das von Außen nach Innen dringende immaterielle Weiß der textilbespannten Wände. Eine zentrale Aussage dieser Denkwerkstatt ist die gefaltete Decke. Sie vereint alle schon angesprochene Konzepte der Zukunftswerkstatt, wie Offenheit, Weite und Mut zu Neuem. Alle beim Bauen von großen Innenräumen sonst sichtbaren gestalterischen Probleme wie Stützen, Träger, Masse und Belichtung sind hier versponnen zu einem bewusst immateriellen Schwebezustand mit einer abhebender hellblauer Decke auf solider, roten Basis.« Nachwuchspreis Neue Hamburger Terrassen von Timo Forsbach und Verena Tillmann (Hannover) »Der Entwurf beschäftigt sich mit einer sehr differenzierten Freiraumgestaltung im Kontext neuer Wohnsiedlungen auf der Hamburger Elbinsel. Exemplarisch wurden fünf, teilweise bereits bebaute Baufelder ausgewählt, die sich um einen neu zu gestaltenden Quartiersplatz gruppieren. Neben diesem Platz galt die Aufmerksamkeit der Verfasser vor allem drei U-förmigen, existierenden Reihenhausbebauungen, deren private Innenhöfe sich direkt zu jenem öffentlichen Grünraum öffnen, der im Jahr 2013 integraler Bestandteil der internationalen Gartenschau sein wird. Letztere findet parallel zur internationalen Bauausstellung statt. Sowohl bei der Gestaltung des Quartierplatzes als auch bei der Auslegung der Innenhöfe haben die Verfasser auf die identitätsstiftende und symbolische Kraft der Farbe gesetzt. Für die Gartenhöfe wurde eine fein abgestufte Zonierung entwickelt, die auf intelligente Weise fließende Übergänge zwischen privaten, halböffentlichen und öffentlichen Bereichen herstellt. Die drei unmittelbar an das Gartenschaugelände angrenzenden Hofbereiche verfügen über eine Bepflanzung, welche auch von der Pflanzhöhe und der Oberflächengestaltung her sehr konsequent auf die genannte Zonierung reagiert. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal der Höfe ist jedoch deren farbige Identität. So werden die Höfe wechselweise ausschließlich mit weiss-, blau-, rot- oder gelbblühenden Pflanzen bestückt, für die jeweils ein fein austarierter Pflanzkalender entworfen wurde. Dieser garantiert eine ganzjährige Blüte mit einem Höhepunkt im Spätsommer. Der Quartiersplatz hingegen wird von den Verfassern als Hartplatz ausgewiesen, der durch höhengestaffelte Staudenbeete, Baumbestand und Platzmöblierungen zoniert wird. Über die Farben der Gartenhöfe , die auch hier in der Beetbepflanzung wieder aufscheint, sollen die Identitäten der Anwohner zusammengeführt werden. Insgesamt ist den Verfassern ein ebenso stimmiges wie stimmungsvolles Konzept gelungen, das mit relativ einfachen Mitteln eine ganz eindeutige farbliche Differenzierung und Akzentuierung erreicht. Darüber hinaus setzt der Entwurf sehr erfrischend auf die soziale Bedeutung von Bepflanzung und Farbgebung. Der Entwurfsansatz wirkt gleichermaßen unprätentiös wie selbstbewusst. All dies hat die Jury dazu bewogen, diese Arbeit einstimmig mit einem 1. Preis in der Gruppe ›Studentische Arbeiten‹ auszuzeichnen.« Anerkennungen · Einfache Vielfalt – der Farbnamenfächer« von Martina Löw (Ober- Ramstadt) · Sanierung der Sporthalle der Grundschule Weststadt in Ravensburg« von Wolff Stottele (Ravensburg) · Umbau eines Holzhauses am Mellensee« von Verena von Beckerath und Tim Heide (Berlin) · Kuggen for Chalmers University of Technology in Göteborg« von Prof. Gert Wingårdhs (Göteborg) · Erinnerungsort Topf und Söhne – die Ofenbauer von Auschwitz« von Jochem Kastner und Konstantin Pichler (Köln) · Entwicklung von Farbordnungskriterien am Beispiel des Natural Colour System (NCS)« von Ella Erlenbusch (Lingen/Ems)
Quelle: www.farbdesignpreis.com/presse.html Kontakt Roland
Aull
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