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Presseinfo
Graffitis
und solche die es sein wollen -
ein 200 Mrd.-DM-Geschäft
Renommierte Galerien zeigen sie wie andere Bilder auch - losgelöst aus ihrem
Zusammenhang - als Kunst: So richtig brave Sprayer verwirklichen sich auf eigens dafür
freigegebenen Flächen. Manche jungen Leute finden gar Sponsoren für ihren
Farbverbrauch. In Monheim bei Düsseldorf spielte eine Raffinerie mit dem Gedanken, einige
hundert Meter Mauer für Graffitis bereit zu stellen, In der Tat: Einige Sprayer mögen
es, wenn sie aus der Illegalität heraustreten sollen. Aber meist ist dann der eigentliche
Reiz, sein ureigenes Signet zu veröffentlichen, für den ambitionierten
"Writer" dahin. Er braucht die permanente Gefahr, (bei Nacht und Nebel!)
entdeckt zu werden. Er genießt die Anerkennung der Szene, die sich darin manifestiert,
daß sein Tagging, sein Bombing, niemals zerstört wird . Er ist ständig auf der Jagd
nach freien Flächen, je mehr je lieber. Überall muß sein Zeichen sein. Schließlich
wird er zum "King". Seine Tags leben ewig, wenn die Farbe hält und ihm sonst
niemand in die Quere kommt. Vor allem wenn er für seine Fortentwicklung Flächen braucht,
die größere Bilder (Pieces) aufnehmen können. Hier werden dann Tags in
unterschiedlichen Styles (Wild, Bubble, Blockbuster) variiert, alles was das
"Blackbook" an Skizzen hergibt. Dazu kommen die sog. Characters (eigene Symbole
und Figuren).
Zwei Welten: Das hat allerdings nichts mit dem Beschreiben von Haustüren, Fenstern,
Sockelflächen usw. zu tun. Wenn kürzlich bekannt wurde, daß z.B. in einer Großstadt
wie Berlin jährlich 200 Mio. DM nötig sind, um echte Schmierereien zu beseitigen, so ist
dies schon erschreckend. Rechnet man die Kosten für diese Arbeiten mit 200 DM pro m², so
müssen also alleine in Berlin eine Mio. m² jährlich renoviert werden, in ganz
Deutschland könnten es 35 Mio. m² sein, weltweit mehr als 1.250 Mio. m², also 200 Mrd.
DM? Was für ein Geschäft!
Wenn nicht auf der anderen Seite die Beschaffungs- Kriminalität wäre, denn der eine oder
andere "Anwender" nutzt seine Sprays, ohne vorher zu bezahlen.