pf_812_bindemittel
Grundlagen Technik Bindemittel im Aufbau
Phänomen Farbe
Der Klassiker mit Zukunft
Wasserverdünnbare Alkydharze
Dr. Frank Lehmann, Britta Sommerfeld
Synthopol Chemie Dr. rer. Pol. Koch GmbH & Co. KG
Dr. Frank Lehmann, geb. am 22.10.1971, studierte Chemie an der Technischen Universität Dresden und promovierte 1999 am Institut für Polymerforschung Dresden e.V. auf dem Gebiet der Niedrigtemperaturhärtung von Polyurethanpulverlacken. Seit 2000 ist er bei der Synthopol Chemie, Buxtehude für die Entwicklung von Alkyd- und Polyesterharzen zuständig.
Britta Sommerfeld, geb. am 03.05.1971, studierte nach der Ausbildung zur Chemielaborantin von 1993-1997 Chemieingenieurwesen an der Fachhochschule Niederrhein mit dem Schwerpunkt Lacke- und Anstrichtechnik. Seit 1997 ist sie bei der Synthopol Chemie, Buxtehude in der Anwendungstechnischen Abteilung für den Bereich der Alkyd- und Polyesterharze zuständig.
"Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser;
aus Wasser ist alles,
und in das Wasser kehrt alles zurück."
(Thales, griechischer Philosoph ( 500 v. Chr.)
Es ist nicht mehr zu überprüfen, ob der berühmte griechische Philosoph bei seinem Ausspruch an die Lack- und Beschichtungsindustrie des beginnenden 21. Jahrhunderts dachte, aber der Trend zur Nutzung des Wassers als natürliches Lösemittel ist heute ausgeprägter denn je.
Die Entwicklungen auf dem Gebiet der Lacke und Lackharze werden von der Notwendigkeit, die Emission flüchtiger organischer Verbindungen - der sogenannten VOCs - (Abb.1) zu reduzieren bestimmt.
VOCs
...sind flüchtige organische Verbindungen mit einem Dampfdruck von mindestens 0.1 mbar...das Ozon wirkt in der Troposphäre als Treibhausgas
...stammen hauptsächlich aus der unvollständigen Verbrennung von Treibstoffen und der...lackverarbeitende Industrie hat einen Anteil von ca. 40 %
Abb. 1: Steckbrief flüchtiger organischer Verbindungen
Diese flüchtigen organischen Verbindungen verursachen in Kombination mit Stickoxiden (NOX) eine Zunahme des troposphärischen Ozons. So stieg dessen Konzentration in der freien Troposphäre über Europa von etwa 25 µg/m³ in der vorindustriellen Zeit auf heutige Jahresmittelwerte von etwa 90 µg/m³ an. Das Ozon, das im Sommer in Bodennähe sogar Konzentrationen von über 200 µg/m³ erreichen kann, wirkt toxisch auf Pflanzen, Tiere und Menschen und trägt erheblich zum Treibhauseffekt bei [Dt. Bundestag, Drucksache 12/8300].
Der größte Anteil der VOC-Emissionen entstammt heute der direkten Lösemittelanwendung, wobei die lackverarbeitende Industrie hieran einen Anteil von ca. 40 % hält. Diese Zahlen sind Beleg für die Notwendigkeit den Einsatz Emissions- bzw. VOC-armer Beschichtungssysteme zu forcieren.
Im März 1999 wurde vom Europäischen Parlament die Richtlinie Über die Begrenzung von Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen, die bei bestimmten Tätigkeiten und in bestimmten Anlagen bei der Verwendung organischer Lösemittel entstehen" verabschiedet und in diesem Jahr in nationales Recht umgesetzt. Neben allgemeinen Richtlinien zur Reduktion von Emissionen ist die wohl wichtigstes Neuerung die Ausweitung des Geltungsbereiches der Bestimmungen. Unterlagen bisher etwa 900 1000 Unternehmen mit genehmigungs-bedürftigen Anlagen dem Bundesimmissions-schutzgesetz, werden künftig etwa 15000 17000 Unternehmen zusätzlich unter die neue Lösemittelverordnung fallen. Gut zwei Drittel der Lösemittelemissionen stammen aus diesen bislang "nicht genehmigungspflichtigen Anlagen", wie sie typisch für kleine und mittelständige Unternehmen sind.
Werden mehr als fünf Tonnen Lösemittel verarbeitet, sind eine ganze Reihe von Auflagen zu erfüllen, die neben einer Deklarationspflicht und regelmäßigen amtlichen Messungen auch kostenintensive technische Maßnahmen wie Absaugeinrichtungen und thermische Nachverbrennungsanlagen beinhalten.
Die Alternative zur Reduktion der Emission flüchtiger organischer Verbindungen in die Umwelt durch nachgeschaltete technische Anlagen stellt die konseqente Verringerung des Einsatzes dieser Verbindungen dar.
Technologien zur nachhaltigen Reduktion von Lösemittelemissionen
Abb.2: Technologien zur nachhaltigen Reduktion von Lösemittelemissionen
In Abbildung 2 sind verschieden Technologien zur nachhaltigen Reduktion von Lösemittelemissionen dargestellt, wobei High- Solid-Harze und wasserverdünnbare Systeme am ehesten ohne spezielle apparative Anforderungen geeignet sind, klassische lösemittelbasierende Systeme zu ersetzen.
Wasser, aus ökoligischer Sicht das ideale Lösemittel, zeigt aber einige Besonderheiten, die bei wasserverdünnbaren Beschichtungen einen gegenüber klassischen lösemittelbasierenden Anwendungen erhöhten Formulierungsaufwand bedingen. Abbildung 3 zeigt eine Übersicht über die Vor-und Nachteile des Lösemittels Wasser.
Lösungsmittel Wasser
Vor- und Nachteile
+ reduzierter Lösemittelgehalt
+ Applikation erfordert keine speziellen Anlagen
+ ähnlicher Glanz und Verlauf wie herkömmliche lösemittelbasierende Harze
+ leichtere Reinigung
- Verdampfung des Wassers nur langsam und
abhängig von der Luftfeuchte
- Hohe Oberflächenspannung des Wassers kann zu Benetzungsproblemen
führen
Abb. 3: Vor- und Nachteile des Wassers als Lösungsmittel für Alkydharze
In den Entwicklungsabteilungen der Synthopol Chemie wurden in den vergangenen Jahren grosse Anstrengungen unternommen, mit den Synthalat W- und AEM- Typen qualitativ hochwertige wasserverdünnbare Alkydharze zur Verfügung zu stellen, von denen im Folgenden am Rande eines allgemeinen Überblicks über die verschiedenen Strategien zur Herstellung wasserverdünnbarer Systeme einige Produkte kurz vorgestellt werden sollen.
Wasserverdünnbare Alkydharze
Wasser, aus ökoligischer Sicht das ideale Lösemittel, löst Alkydharze erst nach Hydrophilierung über den Einbau neutralisierbarer Gruppen. Üblicherweise werden carboxyfunktionelle Harze mit Basen, wie beispielsweise Ammoniak, Triethylamin oder Dimethylethanolamin in speziellen Fällen auch mit Natronlauge neutralisiert.
Denkbar ist auch der Einbau von Aminogruppen, die mit entsprechenden Säuren neutralisiert werden
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Abb. 4: Formulierung wasserverdünnbarer Lackharze durch
Einbau neutralisierbarer funktioneller Gruppen
Durch Neutralisation entsteht eine Polyelektrolytlösung, die aufgrund der starken Streckung der Polymerketten sehr hohe Viskositäten zeigt, die nur relativ geringe FK von etwa 35-40 % zulässt.
Charakteristisch für diese wasserverdünnbaren Alkydharze der 1.Generation" ist das Auftreten einer als Wasserberg bezeichneten
Anomalie in der Verdünnungskurve wie sie in
Abbildung 4 (Kurve A) schematisch dargestellt ist. Diese Anomalie entsteht durch den Übergang von einer Wasserverteilung im Harz zu einer Harzverteilung in Wasser.
Durch den Einsatz von Colösemitteln kann dieser Effekt und ganz allgemein die Viskosität verringert werden (Kurve B). Der Colöser wirkt als amphiphiles Agens, das die Assoziation der Harzmoleküle verringert und somit zu einem Abflachen des Viskositätsberges beiträgt. Kurve C zeigt die Viskositäts-Festkörper-Beziehung einer reinen Lösung des Bindemittels im Colösemittel, wie sie von den klassischen lösemittelbasierenden Harzen bekannt ist.
Abb. 5.: Verdünnungskurven (A: Harz+Amin / B: Harz+Amin+Colöser / C: Harz + Colöser)
Als Colöser werden polare Lösemittel, die mit Wasser teilweise oder vollständig mischbar sind, eingesetzt. Bevorzugt Anwendung finden Monoalkylether von Ethylenglycol, Diethylenglycol und Propylenglycol, wie das Butylglycol sowie verschiedene Alkohole, wie iso- oder sec-Butanol. Colöser beeinflussen weiterhin so wichtige Eigenschaften wie Pigment- und Substratbenetzung, Trocknungsverlauf und Verfilmung.
Die Viskosität ist weiterhin vom Grad der Neutralisation und von der Art des Neutralisationsmittels abhängig, da viele Amine auch als Lösungsvermittler wirken. So werden beispielsweise nach Neutralisation mit Triethylamin niedrigviskosere Produkte erhalten als nach Neutralisation mit Dimethylethanolamin. Ammoniak dagegen wirkt kaum als Lösungsvermitttler.
Bei Auswahl des Neutralisationsmittels ist besondere Aufmerksamkeit den Trocknungsbedingungen und damit der Flüchtigkeit des Neutralisationsmittels zu widmen, da im Polymerfilm verbleibende Salzgruppen die Wasserbeständigkeit verschlechtern. Für lufttrocknende Beschichtungen werden Ammoniak bzw. leichter flüchtige Amine, wie Triethylamin und DMAMP eingesetz. Für ofentrocknende Beschichtungen bevorzugt DMEA und AMP.
Es sei aber darauf verwiesen, das in vielen Fällen auch nach längerer Trocknungszeit grössere Mengen Neutralisationsmittel im Film nachweisbar sind.
Synthese wasserlöslicher Alkydharze
Wasserlösliche Alkydharze werden heute hauptsächlich über eine zweistufiges Verfahren hergestellt. In der ersten Stufe wird das Harz zu niedrigen Säurezahlen gefahren, wobei ein höherer Hydroxylgruppengehalt kalkuliert wird. In der zweiten Stufe wird dann das Harz mit Polycarbonsäuren bzw. bevorzugt mit deren Anhydriden umgesetzt. Bei Verwendung der Säureanhydride kann diese Umsetzung bei Reaktionstemperaturen von 160-170 °C erfolgen, was eine Weiterkondensation des Harzes weitgehend ausschließt. Bevorzugten Einsatz findet das trifunktionelle Trimellitsäureanhydrid, da hiermit die gewünschte Säurezahl bei einem geringeren Verbrauch an Hydroxylgruppen erreichbar ist. Nach Zugabe des Colösemittels und Neutralisation ist das Harz mit Wasser verdünnbar.
Problematisch ist bei den wasserverdünnbaren Alkydharzen die geringe Verseifungsstabilität, was Änderungen in Molmasse, Viskosität und pH-Wert zur Folge hat. Dieser Effekt ist bei ortho-Phthalsäureharzen aufgrund des anchimerischen Effektes (Abb. 6), bei dem die der Estergruppe benachbarte Carboxylatgruppe die Esterspaltung über die Ausbildung eines Säureanhydrid-Intermediats katalysiert.
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Stabilere Produkte werden durch Substitution der ortho-Phthalsäure durch ihre Isomeren Terephthalsäure und Isophthalsäure sowie sterische Abschirmung der Estergruppen erhalten.
Auch wenn das Prinzip nicht neu ist, können auf diesem Weg trotz aller angesprochenen Schwierigkeiten Harze entwickelt werden, die geeignet sind, in modernen Beschichtungssystemen klassische lösemittelbasierende Harze zu ersetzen. In Tabelle 1 sind die Kenndaten und die wichtigsten Einsatzgebiete des Synthalat W30 aufgeführt. Das Synthalat W30 ist ein Beispiel für ein universell einsetzbares wasserverdünnbares Alkydharz, das neben dem Einsatz für hochglänzende Decklacke mit guter Wasserfestigkeit und Filmmechanik insbesondere auch für Grundierungen mit sehr gutem Korrosionsschutz zu empfehlen ist. Nach entsprechender Rezeptierung können mit diesem Harz Salzsprühbeständigkeiten von 300 - 400 Stunden erreicht werden.
Synthalat W 30 75% sec. Butanol / Butylglykol (2:1) |
|
Ölgehalt |
30% |
Säurezahl |
37-40 |
Neutralisationsmittel |
Ammoniak oder Amine |
Anwendung: luft- und ofentrocknende wasserverdünnbare Grundfarben und Decklacke, gute Härte und Elastizität, ausgezeichnete Rostschutz- und Schwitzwasserbeständigkeit |
|
Tab. 1: Eigenschaften und Anwendungen des wasserverdünnbaren Alkydharzes Synthalat W30
Modifizierte wassermischbare Alkydharze
Wasserverdünnbare Alkydharze sind prinzipiell den gleichen Modifikationen zugänglich wie klassische lösemittelbasierende Harze. So kann durch Acrylmodifizierung eine Verbesserung der Trocknung, der Witterungs-beständigkeit sowie der Filmmechanik erreicht werden.
Eine spezielle Synthesemethode führt zu selbstemulgierenden modifizierten Alkydharzen, die aus einem hydrophoben Teil, dem eigentlichen Alkyd-Segment, und einem hydrophilen Polymer-Segment aufgebaut sind. Diese Harze bilden Emulsionen in denen die hydrophilen Molkülsegmente den hydrophoben Teil einhüllen und eine Kern-Schale- bzw. Core-Shell-Struktur ausbilden (Abb. 7).

Die Herstellung erfolgt über die separate Synthese von hydrophobem Alkyd- und hydrophilem Polymersegment. Zunächst wird ein Copolymerisat aus trocknenden Fettsäuren, Methacrylsäure und Methacrylsäureestern sowie ein niedermolekulares Alkydharz mit sehr niedriger Säurezahl und erhöhtem Hydroxylgehalt synthetisiert.
Anschliessend erfolgt die Kondensation von Alkyd- und Polymersegment. Durch die Wahl entsprechender Reaktionsbedingungen erfolgt die Kondensation weitgehend über die primären Carboxylgruppen der einpolymerisierten Fettsäuren, sodass sich die Copolymerketten nach Neutralisation frei in Richtung Wasserphase ausrichten können.
Diese Technologie schafft einen großen Gestaltungsspielraum. Während die Polymerhülle für Rheologie und die Wechselwirkung mit Pigmenten, Additiven und dem Substrat verantwortlich ist, bestimmt das hydrophobe Alkydsegment die Filmbildung, die Aushärtung sowie die Filmbeständigkeit.
Die Verseifungsstabilität wird erhöht, da der direkte Kontakt zwischen Alkydsegment und Wasser verringert wird.
Der Emulsionscharakter bedingt weiterhin, dass der Wasserberg" beim Verdünnen nur noch schwach bis nicht mehr ausgeprägt ist sowie geringere Viskositäten erhalten werden. Entsprechend sind mit diesen Harzen höhere Festkörper und geringere Colösemittelgehalte erhältlich.
Tabelle 2 enthält eine Auswahl wasserverdünnbarer modifizierter Alkydharze , die in verschiedenen auch sehr speziellen Anwendungsbereichen ihre Stärken ausspielen können. Das Synthalat W46 und Synthalat W48 wurden speziell für den Decklackbereich entwickelt und zeichnen sich durch sehr gute Trocknungseigenschaften und sehr frühe Wasserfestigkeit aus, wobei das Synthalat W48 für besonders vergilbungsarme Beschichtungen zu empfehlen ist.
Das Synthalate W50 undW52 sind insbesondere für Grundierungen mit schneller Trocknung, guter Wasserfestigkeit guter Filmhärte geeignet. Das Synthalat W52 zeigt zudem eine gute Zinkphosphatverträglichkeit.
Produkt / Lieferform |
Ölgehalt |
Anwendung |
Synthalat W 46 40% BG/NH3/ Wasser |
46% |
wasserverdünnbare Decklacke; sehr gute Wasserbeständigkeit, gute Glanzhaltung; z.B. Landmaschinen, Kfz-Teile |
Synthalat W 48 35% BG/NH3/ Wasser |
42% |
vergilbungsarme wasserverd. Decklacke; sehr gute Wasserbeständigkeit, z.B. für Landmaschinen |
Synthalat W 50 38% BG/NH3/ Wasser |
43% |
wasserverd. Grundfarben sehr gute Wasser-beständigkeit, Grundanstrich für Landmaschinen |
Synthalat W 52 38% BG/NH3/ TEA/ Wasser |
38% |
Zinkphosphatverträglich, sehr gute Wasser- beständigkeit Grundanstrich für Landmaschinen |
Tab. 2: Übersicht über Eigenschaften und Anwendungen verschiedener wasserverdünnbare modifizierte Alkydharze
Extern emulgierte Alkydharze
Die Emulgierung hydrophober Harze in Wasser kann auch mit Hilfe grenzflächenaktiver Substanzen erfolgen, die zwischen hydrophober Harz- und hydrophiler Wasser-Phase vermitteln. Die Emulgatoren besitzen einen amphiphilen Molekülaufbau und ermöglichen durch die Herabsetzung der Grenzflächenspannung Öl in Wasser- (O/W) bzw. Wasser in Öl- (W/O) Emulsionen
Zur Abschätzung der Eignung von Emulgatoren kann der HLB-Wert (Hydrophilic Lipophilic Balance) herangezogen werden, der das Verhältnis der Stärke des hydrophilen zur Stärke des hydrophoben Anteils im Molekül ausdrückt.
Die Klassifizierung der Emulgatoren erfolgt auf einer
Skala von HLB-Werten von 0 20. HLB-Werte <10 kennzeichnen eher lipophile
Moleküle, die sich bevorzugt in der Ölphase einer Emulsion lösen und eher
W/O-Emulsionen bilden. Emulgatoren mit HLB-Werten >10 sind hydrophile Emulgatoren.
Diese besitzen eine größere Wasserlöslichkeit und bilden bevorzugt O/W-Emulsionen.
Meist werden heute nichtionische sowie anionische Emulgatoren eingesetzt (Abb.x).
Nichtionische Emulgatoren stabilisieren die Emulsionstropfen über sterische Abschirmung.
Sie sind stabil gegen Salze, zeigen aber eine gewisse Empfindlichkeit gegen erhöhte
Temperaturen. Durch ionische Emulgatoren elektrostatisch stabilisierte Emulsionen sind in
der Umkehrung dagegen wenig empfindlich gegen Temperaturerhöhungen, werden aber durch
Elektrolyte beeinflusst.
Grundstruktur nichtionischer und ionischer Emulgatoren
Ionische Emulgatoren
(bevorzugt Sulfate und Sulfonate)
R-(O-CH2-CH2-)X OSO3-
R-(O-CH2-CH2-)X SO3-
Nichtionische Emulgatoren
R-(O-CH2-CH2-)Y OH
R = Alkyl- bzw. Aryl-
X = 10-30
Y = 10-50
Abb. 8: Schematischer Aufbau von Emulgatoren zur externen Emulgierung von Alkydharzen
In bezug auf den Emulgiervorgang sei an dieser stelle nur kurz auf zwei mögliche Emulgiertechniken hingewiesen. Zum einen kann eine direkte Emulgierung erfolgen, bei der das Harz direkt in die wässrige Phase einemulgiert wird. Der zweite Weg ist das Phasen-Inversions-Verfahren. Hier wird das Wasser in das Harz unter Ausbildung einer W/O- Emulsion einemulgiert, die nach Erreichen des Phaseninversionspunktes, der ähnlich der bei wasserdünnbaren Alkydharzen beschriebenen Viskositätsanomalie mit einem Viskositätsmaximum verbunden ist, in eine O/W- Emulsion umschlägt, wobei nach diesem Verfahren eine gleichmässigere Grössenverteilung der Harztröpfchen erreicht werden soll.
Um ausreichend stabile Emulsionen zu erhalten, ist eine sehr feine Harzverteilung notwendig. Dies wird erreicht durch Herabsetzung der Grenzflächenspannung, d.h. durch den entsprechenden Einsatz von Emulgatoren und gegebenenfalls Neutralisationsmitteln, durch Erhöhung der zur Emulgierung eingebrachten Schehrkräfte sowie die Absenkung der Viskosität des zu emulgierenden Harzes. Hierzu können gegebenenfalls auch Lösemittel zum Einsatz kommen.
Der besondere Vorteil solcher Alkydharzemulsionen liegt jedoch in der Möglichkeit VOC-freie Beschichtungssysteme zu formulieren. Es können zudem höhere Feststoffgehalte von ca. 50-60% erhalten werden, was zu einer Verbesserung der Fülle beiträgt.
Die Emulgatoren führen allgemein zu einer Verringerung der Trocknungsgeschwindigkeit und zu einer geringeren Härteausbildung der Filme gegenüber lösemittelhaltigen Lacken. Durch Variation beispielsweise des Ölgehaltes kann hier aber ein gewisser Ausgleich erfolgen.
Mit dem Synthalat AEM 440 steht dem Markt eine schnelltrocknende mittelölige Alkydharzemulsion zur Verfügung, die zwar für den Holzbereich konzipiert ist aber auch im Bereich des Korrosionsschutzes sehr ansprechende Ergebnisse zeigt. Neben einer guten Wasserfestigkeit zeigt das Synthalat AEM 440 eine vergleichsweise sehr gute Filmhärteentwicklung. In Tabelle 3 sind die wichtigsten Eigenschaften des Synthalat AEM 440 kurz zusammengefasst.
Synthalat AEM 440 50% demin. Wasser |
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Lösemittel- und aminfrei |
|
Ölgehalt |
44% |
pH-Wert (DIN ISO 976) |
6,5-7,5 |
Anwendung: wasserverdünnbare Maler- und Industrielacke mit guter Füllkraft und hohem Glanz, guter Lufttrocknung und Wasser-festigkeit |
|
Tab. 3: Eigenschaften und Anwendungen der Alkydharzemulsion Synthalat AEM 440
Fazit
Es ist sicher nicht ganz einfach zukünftige Entwicklungen auf dem Bindemittelmarkt im Detail zu prognostizieren. Sicher ist jedoch, dass die klassischen lösemittelbasierenden Anwendungen immer stärkeren restriktiven Maßnahmen von gesetzgeberischer Seite unterliegen und stark an Bedeutung verlieren werden.
Wasserverdünnbare Alkydharze haben in den vergangenen Jahren erhebliche Verbesserungen erfahren und sind heute in vielen Anwendungsbereichen in der Lage lösemittelbasierende Harze ohne Abstriche an der Qualität der Beschichtungen zu ersetzen. Ein wichtiger Punkt soll abschließend noch genannt werden.
In Zeiten knapper werdender Resourcen an fossilen Rohstoffen kann das Alkydharz für sich in Anspruch nehmen, als einzige bedeutende Bindemittelklasse zu einem grossen Anteil auf natürlichen nachwachsenden Rohstoffen zu basieren.