pf_510_9912
Umwelt Arbeitssicherheit
Phänomen Farbe 1.12.1999
BGCh: Pulver-Verpuffung
BGCh: Mehr Berufserkrankungen
Bauer: Reste retten
Uni Erlangen: Wirkung von Phthalaten
VCI: Öko-Bilanzen
Phänomen Farbe 1.12.1999: Bei der Herstellung von Pulverlacken wurde in einer Firma festgestellt, dass der abgemischte Farbton zu hell war. Die Produktion wurde deshalb gestoppt und der bisher gefertigte Pulverlack in Big-Bags abgefüllt. Um den Pulverlack auf den richtigen Farbton abzutönen, sollten jeweils drei Viertel eines Big-Bag-Inhalts mit der Fehlmischung und ein Viertel eines Big-Bags mit Basismaterial in einem Mischcontainer gemischt werden.
Der Mitarbeiter hängte also einen Big-Bag mit der Fehlcharge mit einem Hebezeug über den Befülltrichter des Mischcontainers. Er erdete den Fülltrichter und den Mischcontainer, den Big-Bag konnte er aufgrund seiner Bauart nicht erden.
Nachdem die vorgesehene Menge Pulverlack aus dem Big-Bag in den Mischcontainer geflossen war, mußte der Ausfluß am Big-Bag sofort gestoppt werden .Dazu zog der Mitarbeiter die Verschluß-Kunststoff-Kordel am unteren Auslaufstutzen des Big-Bags schnell zu. In diesem Augenblick erfolgte eine Verpuffung. Der Mitarbeiter, der den Big-Bag mit der Kordel geschlossen hatte, erlitt Brandverletzungen an den Unterarmen. Eine weitere Verpuffung oder ein Brand blieben aus. Die Zündung fand im Bereich zwischen Auslaufstutzen des Big-Bag und dem Füllstutzen des Mischcontainers statt, was auch der am Fülltrichter aufgeschmolzene Pulverlack bestätigt.
Durch den herausströmenden Pulverlack war ein explosionsfähiges Staub-Luft-Gemisch entstanden. Die Zündung war höchstwahrscheinlich eine Folge des Potenzialausgleichs zwischen der Hand des geerdeten Bedienungsmitarbeiters und dem nicht erdbaren und durch hohe Ausströmgeschwindigkeit aufgeladenen Auslaufstutzen bzw. dem unteren Teil des Big-Bags. Die hohe Aufladung des Big-Bags erfolgte dabei vermutlich auf der isolierenden Innenbeschichtung.
Um zukünftig ähnliche Vorkommnisse zu verhindern, werden vor Ort sämtliche Anlagenteile geerdet, und zwar durch fest verschraubte Erdungskabel bzw. geprüfte Erdungssteckverbindungen oder Erdungskontaktstellen. Durch regelmäßige Messungen der elektrischen Widerstände wird die Wirksamkeit der Erdungsmaßnahmen geprüft. Außerdem werden Pulverlacke zukünftig nur noch in leitfähige Container oder in elektrostatisch ableitfähige Big-Bags abgefüllt. Bei derartigen Big-Bags vermeidet Mikro-Perforation jede Art zündfähiger elektrostatischer Ladung an der Wand des Big-Bags und leitet auch die Schüttgutaufladung gefahrlos ab. Voraussetzung ist, dass der Big-Bag beim Befüllen und Entleeren über seine leitfähigen Trageschlaufen geerdet ist.
Für die weitere Zukunft soll eine staubfreie Umfüllung in geschlossenem, geerdetem System installiert werden, das alle Abfüllvorgänge, auch für eventuelle Fehlchargen, gefahrlos durchführt. (Ze)
Phänomen Farbe 1.12.1999: Nach Angaben der Berufsgenossenschaften sind Hautkrankheiten die häufigste Berufskrankheit. In der gewerblichen Wirtschaft zählt fast jede dritte Berufskrankheit zu dieser Gruppe. Sehr häufig sind auch Hörschäden wegen Lärm, in 26% der bestätigten Fälle aller beruflich bedingten Erkrankungen lautet die Diagnose auf Schwerhörigkeit. Stark zugenommen haben danach auch Erkrankungen wegen Asbest. Der Anteil an den registrierten Erkrankungen stieg im vergangenen Jahr auf 13%. Bei den Todesfällen ist Asbest sogar die häufigste Ursache. 1998 starben 888 Versicherte an den Folgen einer asbestverursachten Berufskrankheit. Insgesamt wurden 1.933 Todesfälle registriert. 1998 standen 77.000 Versicherungsfälle zur Entscheidung an, bei 26.500 bestätigte sich der Verdacht einer berufsbedingten Erkrankung.
Phänomen Farbe 1.12.1999: Die Bauer GmbH, Südlohn, stellt eine neue Lösung vor, die die Problematik der Restentleerung von Fässern lösen und die damit verbundenen Kosten vermeiden helfen soll. Der Entwicklung lag die Aufgabe zugrunde, eine preisgünstige, mechanische Vorrichtung zu schaffen, um auch Restmengen zu sammeln. Mit dem neuen Fass-Restentleerer Typ MR kann das mit Restmengen versehene Faß gesichert so geschwenkt werden, dass die Flüssigkeiten über eine Tropfwanne in ein weiteres Faß oder Gebinde ablaufen können. Dabei ist die manuelle Schwenkbarkeit des Faß-Restentleerens auf max. 30 kg beschränkt. Die Innovation ist standardmäßig verzinkt und die integrierte Auffangwanne mit einer bundesweit gültigen Bauartzulassung und einem Auffangvolumen von 220 l wird lackiert oder verzinkt geliefert. Als Zubehör bietet die Firma einen Faß-Schlüssel an, mit dem ¾" und 2" Spunddeckel problemlos geöffnet werden können.
Uni Erlangen: Wirkung von Phthalaten
Phänomen Farbe 1.12.1999: An der Universität Erlangen-Nürnberg arbeiten derzeit zwei Arbeitsgruppen unter Förderung der deutschen Forschungsgemeinschaft an der Beantwortung der Frage, wie gefährlich Weichmacher für den Menschen sind. Jährlich gelangen etwa 100.000 t Di(ethylhexyl)phthalat mit Produktion und Weiterverarbeitung in die Umwelt, hinzukommen weitere 200.000 t, die durch die Deponierung von phthalathaltigen Abfällen emittiert werden. In der Außenluft schwankt der Phthalatgehalt zwischen 3 ng/m³ über dem Nordatlantik und 130 ng in größeren Städten. Für Gewässer liegt der Wert um den Faktor 1000 höher: 0,7 mg/l im Meerwasser, 10 mg in Binnengewässern. Das Beratergremium für umweltrelevante Altstoffe der Gesellschaft Deutscher Chemiker will erforschen, welche Phthalatmengen die Menschen aufnehmen. Das DFG-Projekt "Belastung des Menschen durch Phthalate" soll einen wesentlichen Beitrag zur Antwort auf diese Frage liefern. Neben der Untersuchung beruflich exponierter Personen liegt der Schwerpunkt darauf, die Phthalatbelastung der Allgemeinbevölkerung zu bestimmen.
Die Exposition sagt noch nichts über die Gesundheitsgefährdung aus, hier liegen wenige gesicherte Ergebnisse vor. Größere Mengen Phthalate machen Leber- und Nierenschäden möglich. Ein krebserzeugendes Potenzial und hormonähnliche Wirkungen hat man bisher nur im Tierversuch beobachtet, und auch nur dann, wenn relativ hohe Dosen verabreicht wurden. Zugleich wurde dabei festgestellt, dass Phthalate die Östrogen-Produktion hemmen.
Phänomen Farbe 1.12.1999: Ökobilanzen sind ein freiwilliges Element der unternehmerischen Produktveranwortung und kein staatliches Steuerungsinstrument. Diese Meinung vertrat Dr. Wilfried Sahm, Hauptgeschäftsführer des VCI, auf einer Tagung der Stiftung Arbeit und Umwelt Anfang September in Hannover. Außerdem sei in den letzten Jahren deutlich geworden, dass von Ökobilanzen keine umfassenden ökologischen Produktbewertungen erwartet werden können.
Obwohl in der Regel erhebliche Probleme bei der Erfassung oder der Verarbeitung der Daten für Ökobilanzen auftreten und vor allem die Ergebnisse häufig unterschiedlich bewertet werden, habe die chemische Industrie in Teilbereichen der Betrieblichen Praxis positive Erfahrungen gemacht, betonte Sahm. So habe sich das Instrument zum Beispiel bewährt, um die Energie- und Ressourceneffizienz von Produkten zu analysieren. Das Auffinden von zusätzlichen Wegen für die Abfallminderung oder die Verringerung von Emissionen stehe dabei häufig im Vordergrund. Hier mache die systematische Betrachtung über den gesamten Lebensweg eines Produktes Sinn.
Sahm unterstrich, dass für eine faire Bewertung von Produkten der chemischen Industrie auch ihre Gebrauchsphase berücksichtigen werden müsse. Spezifische ökologische und ökonomische Vorteile zeigten sich häufig erst in diesem Abschnitt des Lebenszyklus. Schwefelhexalfluorid ist zum Beispiel ein besonders wirksames Isolier- und Löschmittel für elektrische Schaltanlagen. Emissionen des Stoffes besitzen allerdings ein beträchtliches Treibhauspotenzial. Sollen Ökobilanzen nicht nur zur unternehmensinternen Optimierung von Produkten und Verfahren eingesetzt werden, sondern auch zur Information der Öffentlichkeit oder sogar als Grundlage für politische Entscheidungfindungen dienen, sind aus Sicht des VCI unbedingt strikte Verfahrensregeln einzuhalten "Offenheit, Fairneß, Transparenz und Ausgewogenheit" seien dabei ebenso unerläßlich, so Sahm, wie die rechtzeitige Einbindung Betroffener und eine differenzierte Darstellung de Ergebnisse.
Wertvolle Hinweise gibt in solchen Fällen der ISO-Normenreihe zu Ökobilanzen Die chemische Industrie hat früh den Wert derartiger Regeln erkannt und intensiv am internationalen Normungsprozeß bei ISO mitgearbeitet.