|
Berichte
über die Ausbildung in Firmen
BASF Coatings: |
von Bernd-Jürgen May, Leiter Personalentwicklung und Ausbildung bei der BASF Coatings AG in Münster
Als Teil der BASF-Gruppe, dem größten Chemieunternehmen der Welt, zählt BASF Coatings zu den weltweit bedeutendsten Unternehmen der Branche. Erfolgreich ist das Unternehmen durch seine klare Ausrichtung auf die Kunden in den Bereichen Fahrzeugserienlacke, Autoreparaturlacke und Industrielacke.
Die BASF Coatings braucht fachlich und persönlich kompetente Mitarbeiter, um zu den besten Lackherstellern der Welt zu gehören. Benötigt werden engagierte Mitarbeiter mit Eigenverantwortung und Selbständigkeit mit Spaß an der Arbeit. Die BASF Coatings entwickelte daher umfassende Aktivitäten in den Bereichen Ausbildung, Weiterbildung und Personalentwicklung.
Ausbildung
Die Ausbildung junger Menschen, für die BASF Coatings eine zentrale gesellschaftspolitische Aufgabe, ist eine wichtige Investition in die Zukunft. Mit einem weit gefächerten Ausbildungsangebot wird Schulabgängern die Chance zum Einstieg in einen interessanten und vielseitigen Beruf geboten. Auszubildende bei der BASF Coatings AG können sich auf viele anspruchsvolle Tätigkeiten in der Produktion, in den Werkstattbereichen, in den Laboratorien, in der Verwaltung sowie im Bereich Forschung und Entwicklung vorbereiten.
Sieben Ausbildungsberufe werden angeboten: Chemikanten, Chemiebetriebsjungwerker, Lacklaboranten, Mechatroniker, Industriemechaniker, Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik und Betriebswirte (VWA). In diesen Ausbildungsberufen beginnen jedes Jahr etwa 50 junge Leute ihre Ausbildung am Standort Münster. Insgesamt lernen derzeit ungefähr 160 Auszubildende einen Beruf. Jährlich werden auch 2 bis 3 Auszubildende für den Standort Würzburg ausgebildet. Für die Zeiten der Berufsschule und für erforderliche praktische Ausbildung sind die Würzburger Azubis in Münster.
Der Schwerpunkt der Ausbildung liegt in den chemie- und lackspezifischen Ausbildungsberufen Lacklaborant, Chemikant und Chemiebetriebsjungwerker. Jährlich beginnen 15 Lacklaboranten sowie circa 25 Chemikanten und Chemiebetriebsjungwerker ihre Ausbildung. Seit über 30 Jahren wird in diesen Berufen ausgebildet. Ein großer Teil der Mitarbeiter in Laboren und Betrieben sind hier ausgebildet worden und haben verantwortungsvolle Funktionen übernommen. Für diese Berufe werden innerbetrieblicher Unterricht und praktische Unterweisungen im Ausbildungsgebäude durchgeführt. Das Ausbildungsgebäude verfügt über Labore und ein Technikum.
Chemiebetriebsjungwerker ist ein 2-jähriger Ausbildungsberuf, der für eher praktische veranlagte junge Männer geeignet ist und auf eine Tätigkeit in der Produktion vorbereitet. Bei entsprechender Eignung kann die Ausbildung als Chemikant fortgesetzt werden. Gerade bei der Herstellung von Lacken gibt es viele Prozesse, die nicht ausgeprägte chemiespezifische Kenntnisse und Fertigkeiten verlangen. So ergeben sich auch für Chemiebetriebsjungwerker gute Entwicklungschancen.
Als kaufmännischer Beruf wird nur der Betriebswirt (VWA) ausgebildet. Voraussetzung ist das bestandene Abitur. Ein neuer Beruf, der erst seit 3 Jahren gesetzlich geregelt ist, ist der Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik.
Bisher wurden in der BASF Coatings AG Maler -und Lackierer mit Schwerpunkt Fahrzeuglackierung ausgebildet. Dies ist ein Handwerksberuf, der auf die Tätigkeit in Lackierwerkstätten vorbereitet und die Anforderungen an industrielle Applikationsverfahren nicht trifft. Die technischen und wirtschaftlichen Bedingungen in der Lackiertechnik haben sich heute gravierend verändert. Die industrielle Lackiertechnik hat sich in den letzten Jahren von der handwerklich geprägten Anstrichtechnik zur anlagengebundenen Fertigungstechnologie mit zahlreichen High-Technology-Merkmalen entwickelt. Ständig steigende Anforderungen an die Beschichtungsqualität und Anforderungen des Umweltschutzes bestimmten wesentlich die Entwicklung. Deshalb werden bei der Coatings Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik ausgebildet.
Bei der BASF Coatings werden die Lehrlinge nach ihrer dreijährigen Ausbildung als Anwendungstechniker eingesetzt – eine Tätigkeit mit hohen Anforderungen. Denn das Münsteraner Unternehmen liefert nicht nur Lacke, der Kunde kauft die komplette Lackierung. Anwendungstechniker sind daher oft im Außendienst unterwegs: Gibt es Probleme mit einer Beschichtungsanlage, reisen sie zu Kunden in ganz Europa, beurteilen den Prozeßablauf und schlagen Lösungen vor. Hersteller von Felgen, Fahrradrahmen oder Heizkörpern beziehen ihre Lacke ebenso aus Münster wie namhafte Automobilproduzenten. „Der Verfahrensmechaniker ist immer erster Ansprechpartner vor Ort. Daher legt BASF Coatings besonders großen Wert auf die Persönlichkeit der Bewerber – handwerkliches Geschick sowie Gefühl für Material und Farbe werden bei den Münsteranern vorausgesetzt.
Da in der Umgebung von Münster noch weitere Unternehmen Bedarf an dieser Ausbildung haben – wenn auch mit unterschiedlichen Beschichtungstechniken vom LKW-Anhängerbau bis zur Herstellung von Badewannen – hat man in gemeinsamer Initiative mit der Berufsschule erreicht, daß eine der ersten Fachklassen für Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik an einer Berufsschule (VfB) eingerichtet worden sind. Das hat den Vorteil, daß die Lehrinhalte dieses Ausbildungsberufes vermittelt werden können. Mischklassen mit anderen Ausbildungsberufen werden vermieden, so dass die VfB qualifiziert und mit viel Engagement der Berufsschullehrer unterrichtet werden.
BASF Coatings
übernimmt auch Teile der Prüfungsvorbereitung und des innerbetrieblichen
Unterrichts für andere Unternehmen, insbesondere für andere Lackhersteller aus
der Umgebung von Münster aber auch von weiter entfernt ansässigen Unternehmen,
die ihre
Azubis auch zur Berufsschule nach Münster schicken. In der Berufsschule in
Münster werden im ersten Ausbildungsjahr 33 Lacklaboranten unterrichtet. Die
relativ hohe Zahl zeigt, daß sich in Münster ein Schwerpunkt der
Lacklaborantenausbildung (oben) befindet.
Die Bewerbersituation im Umkreis von Münster ist relativ schwierig. Im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland gibt es keinen Mangel an Ausbildungsplätzen. Zudem ist Münster eine Verwaltungsstadt mit zahlreichen öffentlichen Einrichtungen, Banken und Versicherungen, so dass Ausbildungsplätze im Bereich industrieller Fertigung bei jugendlichen Bewerbern unbeliebt sind. Ein großer Teil der auszubildenden Chemikanten und Chemiebetriebsjungwerker kommt heute aus dem Raum Hamm, wo aufgrund der Strukturveränderungen nicht genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen. Begünstigt wird unser Standort durch die direkte Bahnverbindung nach Hamm – wichtig für junge Leute, die noch nicht über Führerschein und Auto verfügen.
Wichtig für die Ausbildung ist, daß sie sich immer aktuell an den Anforderungen und Veränderungen in der betrieblichen Realität orientiert. Die Einführung von Gruppenarbeit und Methoden der Prozessoptimierung haben die Tätigkeit in den Produktionsbetrieben in den letzten Jahren deutlich verändert. Persönliche Fähigkeiten wie Eigenverantwortung und Selbständigkeit werden heute bereits im ersten Ausbildungsjahr gefördert. Die jungen Azubus lernen frühzeitig Methoden der Prozessoptimierung. Diese Methoden werden schon in der Ausbildung in Form von Workshops oder kleinen Projekten vermittelt. Unter dem Stichwort „Mesoko“ (Methodische und soziale Kompetenz) wurden bereits vor mehreren Jahren mehrere Aktivitäten initiiert, um diese Fähigkeiten zu fördern. Einführungsseminare, Veranstaltungen zur Suchtprävention mit Grafitti-Aktion, Seminare zu Grundlagen des Lernens und Workshops zu Methoden der Prozeßoptimierung runden das Ausbildungsangebot ab.
Die BASF Coatings verfügt über drei hauptamtliche Ausbilder, eine Ausbilderin in Teilzeit und in den Laboren und Betrieben viele Ausbildungsbeauftragte, die die Azubis vor Ort praktisch unterweisen.
Die Suche nach geeigneten Auszubildenden beschränkt sich schon lange nicht mehr auf das Schalten von Stellenanzeigen. Vielmehr wird die Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft geföredert, Kooperation in der Lehrerausbildung abgeschlossen. Dazu gibt es eine Partnerschaft mit einem Gymnasium für eine dauerhafte Zusammenarbeit und viele weitere kleinere Aktivitäten.
„Brücke zum Beruf“ heißt eine Aktion im Rahmen der Initiative zur Beschäftigung in Zusammenarbeit mit der Hauptschule Hiltrup und dem Verein Jugendhilfe direkt. Schulabgänger ohne Abschlußzeugnis oder ehemalige Schüler, die keinen Ausbildungsplatz bekommen haben, werden in ein einjähriges Praktikum aufgenommen; Ziel ist, sie für einen Ausbildungsberuf, vorzugsweise Chemiebetriebsjungwerker, vorzubereiten. Zusätzlich besuchen sie die Berufsschule und erhalten eine sozialpädagogische Betreuung.
Viele anspruchsvolle Tätigkeiten in der Produktion, in den Werkstattbereichen, in den Laboratorien, im kaufmännischen Bereich sowie in Forschung und Entwicklung stehen bei BASF Coatings engagierten Mitarbeitern als Herausforderung offen. Fachliche Qualifikation, Flexibilität und Spaß an Teamarbeit sollten die Interessenten ebenso mitbringen wie eine ordentliche Portion Kreativität und Eigeninitiative. Hier wird die Ausbildung junger Leute nicht nur als Sicherung des eigenen qualifizierten Nachwuchses, sondern auch als wichtigen gesellschaftspolitischen Beitrag gesehen.
Weiterbildung
Auf eine Weiterbildung und Weiter-Qualifizierung seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter legt BASF Coatings großen Wert. Es gibt ein eigenes Weiterbildungsprogramm im Intranet zu technischen Themen wie zum Beispiel Farbmetrik, Rheologie, Applikationstechnik, Aus der Praxis – für die Praxis, Pigmente; Führung und Zusammenarbeit, Arbeitstechniken und Kommunikation, Gesundheit, Umwelt und Sicherheit, Datenverarbeitung für PC-Standardsoftware und SAP-Anwendungen sowie natürlich Sprachkurse. Zum Seminarkatalog der BASF AG und zu anderen externen Schulungsangeboten für alle Mitarbeiter hat jeder Zugriff. Im Jahr 2001 nahmen an in- und externen Seminaren 3.065 Mitarbeiter an insgesamt 5.413 Seminartagen teil. Die BASF Coatings veranstaltete selber 304 Seminare.
Die Weiterbildung für jeden Mitarbeiter ist fest verankert. Zum Beispiel im jährlichen Leistungs- und Entwicklungsgespräch werden die persönlichen Entwicklungsmaßnahmen besprochen und für das kommende Jahr geplant. Dazu gehören natürlich im wesentlichen Schulungen und Seminare. Ziel ist, daß alle Mitarbeiter die Qualifikationen erlangen, die sie heute oder morgen für ihre Tätigkeit benötigen.
BASF Coatings hat ferner ein Programm für Förderkandidaten aufgelegt. In dem Programm werden ausgewählte Mitarbeiter aller europäischen Gesellschaften in gemeinsamen Veranstaltungen in ihren Managementfähigkeiten entwickelt.
Zur Zeit läuft zum dritten Mal ein Kurs, der auf die Externenprüfung zu Chemikanten vorbereitet. Betriebsfremd ausgebildete Mitarbeiter aus der Produktion haben die Gelegenheit, einen Berufsabschluß in einem chemietypischen zu erwerben und so die Voraussetzungen für ihre berufliche Entwicklung in der BASF Coatings zu verbessern. Gefördert wird in abgestufter Form die Fortbildung von Mitarbeitern, wenn im Unternehmer ein hoher Bedarf an der erworbenen Qualifikation erkennbar ist.

Zum Autor:
Bernd-Jürgen May, Dipl.-Kfm, ist Leiter Personalentwicklung und Ausbildung bei der BASF Coatings AG in Münster. Nach seinem Eintritt 1980 war er zunächst 10 Jahre in der Informatikabteilung tätig. Seit 1990 Leiter Personalentwicklung, ab 1996 auch Ausbildungsleiter, als Compass-Koordinator zuständig für die Abstimmung und Verfolgung aller Aktivitäten zur Unternehmenskultur.
von Dr. Hans Streitberger,
Leiter der Einheit Corporate Industry Management der BASF Coatings AG, Münster.

Phänomen Farbe 15.3.2002. Ende 2000 hat die BASF Coatings eine Initiative gestartet, um den Standort Deutschland für die Lackindustrie durch Verbesserung der Ausbildung von Fachkräften attraktiv zu halten.
Die Situation: Die weltweit größten Lackfirmen sitzen nach Jahren der weltweiten Konsolidierung hauptsächlich in USA mit der Ausnahme von Akzo, ICI, BASF Coatings AG und der Atofina-Gruppe. Deutschland ist eine Exportnation auch für Lacke : Über 28 Prozent der Lackproduktion wird ins Ausland veräußert. Dies erfordert hohe Qualität und Wettbewerbsfähigkeit getragen von starker Innovationskraft, die zu immer neuen Produkten, Verfahren und Anwendungen führt und die Umweltverträglichkeit beständig verbessert. Dieser Fortschritt lässt sich nicht ohne gut für diese Anforderungen ausgebildete Nachwuchskräfte erreichen, die eine entsprechende Ausbildung vornehmlich an den Fachhochschulen erfahren. Die Universitäten nehmen sich dieser technischen Herausforderungen in nur untergeordnetem Maße an.
Hinzu kommt, dass das Image der Lacke in der Bevölkerung unbedeutend und eher abhängig von dem Vertrauen in die Wirtschaft generell ist, wie eine Studie des Deutschen Lackinstitutes aus dem Jahre 2001 herausfand. Schließlich war das Interesse an technischen Studiengängen in den vergangenen Jahren so niedrig geworden, dass ein ernsthaftes Problem mit dem Fachkräftebedarf entstanden ist. Dies wird wie heute absehbar noch etwa bis zum Jahre 2003 dauern. Das bedeutet, dass auf jeden Absolventen der Fachhochschulen der Fachrichtung Lack mehr als 4 Angebote aus der Industrie vorliegen.
Nach unserer Auffassung ergeben sich dadurch drei wichtige Ansatzpunkte, um das Umfeld in Deutschland für die Lackindustrie zu verbessern
Interesse an dem
Fachgebiet an den Fachhochschulen und vorab in den Schulen zu erhöhen
Das Image der Lackindustrie schärfer heraus zuarbeiten und zu verbessern
Die BASF Coatings als attraktiven Arbeitgeber mit weltweiter Ausrichtung bekannt
zu machen.
Alle Zielsetzungen greifen ineinander, wenngleich die anzusprechenden Gruppen unterschiedlich sind.
Die BASF Coatings hat zunächst die Kontakte zu den 3 wichtigen Fachhochschulen Niederrhein, Esslingen und Paderborn verstärkt, die entweder einen Studiengang für Lacktechnologie innerhalb des Fachbereiches Chemie oder selbständig anbieten. Durch Referate vor Ort wurde versucht, das Interesse der Studenten an der Lackiertechnologie zu steigern, die sich im Regelstudium befanden und ihre Entscheidung für das Fachgebiet noch vor sich hatten. Gleichzeitig haben wir die BASF Coatings dargestellt, unsere Anforderungen an Nachwuchskräften erläutert und schließlich durch Werksbesichtigungen an unserem größten Standort in Münster und von Lackanwendern wie der Automobilindustrie die komplexen Anforderungen lebendig den Interessenten vor Augen geführt.
Ein sehr wichtiger Baustein für die Vertrauensbildung zum Fachgebiet als auch der BASF Coatings sind die im Studium der Fachhochschulen vorgesehenen Praktika und Diplomarbeiten. Etwa 30-40 Arbeiten pro Jahr werden von unseren verschiedenen technischen Abteilungen in der Produktentwicklung, Applikation und Produktion betreut. Daneben unterstützen wir die Fachhochschulen in ihren Werbekampagnen an den Schulen und lassen diese auch in unseren Werken für die weitere Ausbildung werben. Darüber hinaus haben wir den Internetauftritt in den Punkten Stellenangebote, Möglichkeiten für Praktikum und Diplomarbeiten präzisiert, da erfahrungsgemäß viele der Studenten Kontakte über dieses Medium aufbauen. Begleitet wurde das Paket durch unsere Anzeigenkampagne "Triple Customer Focus", die zu einem hohen Bekanntheitsgrad unseres Unternehmens beigetragen hat.