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PR-Tipps - nicht zur Nachahmung empfohlen |
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Gott sei
Dank, endlich mal wieder ein Wall Painting!
neu Den Betreff der eMail weglassen, das macht neugierig! Mit allen Korrekturen verschicken neu Basta:"Das muss reichen" Gestaltung geht vor Versalien verwenden! Produktnamen aufzählen! Einfach behaupten! Kraftvoll langweilen! Nur keine Nachricht! Werbetexter aufgepasst! Die "Ist-eine"-Methode Über Leichen gehen! Infam - was heißt das schon? Nur keine Bescheidenheit! Produzenten-Standpunkt wichtig Mit Schrot schießen! Der Fortsetzungsroman Es gibt überhaupt keinen Schnee von gestern Nur nicht sparen! Fotos braucht die Bleiwüste Service? Nur nicht! Sie sitzen am längeren Hebel! Nur nichts personalisieren! Clematis: Das Statement vom Boss Und jetzt elektronisch Elektronisch - die zweite Variante Freunde durch Downloads Wollen Sie etwa die Konkurrenz informieren? Etwas Fernweh tut immer gut! Hymne um drei Ecken Holzhammer immer beliebter Katze im Redaktionssack Vom Veröffentlichen, wenn es nur ginge |
Dessous und andere
Instrumente. Eine wahllose Sammlung von todsicheren PR-Tipps nicht nur fürs Internet Von F.M.Albert, Düsseldorf Die Fachpresse liebt "Pressemitteilungen". Besonders wenn in den Texten 20mal der Firmenname in Großbuchstaben angeboten wird und vor allem, wenn das Ganze eher ein Werbebrief zu sein scheint. Es fehlt die eigentliche Nachricht, was ist neu und warum? Statt dessen das Hohe Lied auf die Firma. Häufig beendet mit der großzügigen Bemerkung "Abdruck frei, Beleg an....". Beigefügt sind mitunter hervorragende Werbefotos. Man kann die PR-Agentur nur beglückwünschen, daß ihr Kunde für die PR-Aussendung sicher gut bezahlt hat und dass einige Redaktionen Kapazität für weitere Recherchen freigemacht haben. Für die anderen war die Berichterstattung eine Zugabe für Inserenten. Der Kunde der Agentur erhält die Abdrucke in einer aufwendigen Belegsammlung, die Druckzeilen zu Anzeigenpreisen hochgerechnet. Und siehe da: PR ist auch noch viel billiger als Werbung! Der Kunde: "Ist die Agentur nicht goldrichtig?" Also: Weiter so! Und hier einige besonders nachahmenswerte Beispiele. |
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Gott sei
Dank, endlich mal wieder ein Wall Painting! In den Zenit aufsteigt Ihre Sonne nicht so leicht. Aber wir haben eine totsicheren Tipp, wie Sie nachhelfen können. Sie "machen" doch Public Relations? Große Unternehmen brauchen Sie als Kunden. Am besten einen Konzern, der weltweit tätig ist. Tochtergesellschaften muss er haben und bedeutende Marken. Damit alles so richtig unübersichtlich ist Auch für Sie, denn Sie möchten ja nicht alleine dastehen, irgendwer wird's "dann" schon gewesen sein. Nein Sie doch nicht! Also: Sie finden in der Fülle des Konzerngeschehens eine Story, bauen einen Beitrag daraus und platzieren den in einer Fachzeitschrift, und natürlich nennen Sie sich als Autor. Macht sich gut, nicht nur beim nationalen Kunden, sondern auch bei der großen Mutter. Ganz bestimmt! - Achtung: Was jetzt kommt ist wichtig. Während Sie gerade Korrektur lesen, fragt Sie einer um Hilfe, der gerade zu diesem Thema Bilder braucht. Sie haben die zwar auf dem Tisch, aber der Kerl soll ruhig warten bis Ihr eigener Beitrag gedruckt ist. Helfen Sie ihm erst, wenn er ihn bei seiner Konkurrenz gesehen hat. Aber keine Sorge, der liest überhaupt nichts. Und wenn er etwas liest, dann nur weil er es abschreiben will. Schreiben? - Er scannt! Aber - das ist erst Ihr Sahnehäubchen: Senden sie ihm später genau die bereits verbratenen Bilder samt genau dem selben Text, so als sei alles taufrisch. Sie können auch von mühsamer Bildbeschaffung und großem Einsatz schreiben. Das kommt immer an. Sie sind wirklich gut! |
corpus
delicti:endlich ein wall painting! |
Sagen
Sie doch mal: "Das muss reichen"
Da fragt Sie doch tatsächlich einer nach zusätzlichen Informationen zu Ihrem Text, den
Sie an Ihren Verteiler geschickt haben. Es ging um den Wiederaufbau nach einem Großbrand
vor Ort. Er fragt nach Abbildungen von Personen, die Sie in Ihrem Text erwähnt haben usw.
Womöglich gibt er Ihnen gar die Chance, Details aus Ihrem Programm darzustellen und auch
ein wenig über die Firma selbst zu berichten. Ganz schön lästig, nicht? Mailen Sie doch
einfach zurück: "Das muss reichen". Soll doch der Neugierige einmal begreifen,
was seine Rolle in dem PR-Spiel - so wie Sie es verstehen - ist: Ihre Information muss
reichen. Im Prinzip mailen Sie damit nichts anderes, als "Da Hund, friss!" - das
wollen Sie ja, oder? Sie wollen keinen Dialog, Sie wollen den Abdruck. Weiter so! Fallbeipiel ->
Gestaltung geht vor
Besonders wichtig ist die richtige Präsentation des Aussenders. Zuständigkeiten,
Telefon-, Fax- und eMail-Nummern des sachkundigen Ansprechpartners und diesen selbst
sollten Sie nicht unbedingt preisgeben. Es könnte ja zu unliebsamen Rückfragen kommen.
Dies sollten Sie etwas erschweren. Für die Textgestaltung gibt es ebenfalls einen Tipp,
der den Pressemann sofort davon überzeugt, dass Sie gründlich arbeiten. Schreiben Sie
engzeilig und lassen Sie auf keinen Fall einen Rand für Korrekturen. Nutzen Sie das volle
Format. Wenn dazu die Nachricht nicht ausreicht, können Sie Allgemeines über die Firma
und ihre anderen Produkte anfügen bis die Seite voll ist.
Versalien verwenden!
Die FIRMA....zeigt auf der K'98 in Halle .., Stand .. Datentechnik für intelligente
Logistik. Wenn es gilt, Ressourcen in der Logistik voll auszuschöpfen, bietet die FIRMA..
ganzheitliche, praxisgerechte Lösungen für alle verfahrenstechnischen Anwendungen
zwischen Wareneingang und Versand. Die FIRMA.. konzipiert und liefert Anlagen und Systeme
für maßgebliche Anwendungen und für rationelle Betriebsabläufe
... und so folgt
drei Seiten lang FIRMA auf FIRMA, MARKENNAME immer ordentlich
mit ® auf
MARKENNAME mit
® und danach der Vermerk "Abdruck frei"
mit dem Hinweis, wo sich die fleißige Redaktion Bilder aus dem
Internet downloaden kann und die
Bitte "Bei Abdruck Beleg erbeten" und: "Mit freundlichen Grüßen Ihr PRESSteam Tel: ..069.., Fax: ..." Keine Kundenanschrift.
Produktnamen aufzählen!
Auf der Frankfurter Automechanika zeigte die FIRMA ... ihre Produktpaletten: Das
"..-Paket", der Garant für höchste Qualitätsansprüche auf niedrigem
Lösemittelniveau mit dem Füller 399ayz, dem Einschichtlack Brand X (r), dem Basislack
Brand Y (r) und dem Klarlack HS 6S ... und so bitte eine Seite lang weiter mit der
Aufzählung aus Ihrem Werbeprospekt.
Einfach behaupten!
Die ...bv stellt das "xyz 1235+ Hyper.." vor: die perfekte
Kombination von Preis und Leistung. Ausgestattet mit einer Microprozessorsteuerung und
einem hochentwickelten Temperaturkontollsystem übertrifft das "xyz 1235+
Hyper.." den heutigen Standard und liefert exakte, reproduzierbare und wiederholbare
Testergebnisse. ... Ausgestattet mit einer bedienerfreundlichen.. ist das "xyz 1235+
Hyper.."usw. Um das alles nachzuprüfen, müßte der ordentliche Journalist ein
Testinstitut beschäftigen, schreibt er nicht einfach "Außer Verantwortung der
Redaktion" darunter. Dann wäre das allerdings eine unbezahlte PR-Anzeige.
Kraftvoll langweilen!
Beispiel: Die ...GmbH, einer der weltweit führenden Hersteller von ...., setzt einmal
mehr Maßstäbe in der XY-Technologie. Bei den völlig neu entwickelten (Aggregaten)
wurden Technik, Design, Konstruktion und Handhabung mit einer Vielzahl innovativer und
komfortabler Merkmale für die Praxis ausgestattet. Dabei stand - typisch für die ...GmbH
- ein ausgewogenes Preis-/Leistungsverhältnis im Vordergrund der Entwicklungsarbeit.
Nur keine Nachricht!
Die XY-GRUPPE ist einer der führenden Hersteller von ... Ihre Standorte sind weltweit
zertifiziert nach DIN ... Nicht nur die Produkte, sondern auch die anwendungstechnischen
Serviceleistungen werden in der Branche sehr geschätzt. Die Anwendungstechnische
Abteilung setzt sich zusammen aus qualifizierten Technikern, Chemikern, Ingenieuren und
Laboranten und verfügt über modernste, großzügig ausgestattete Laboratorien mit für
...-Anwender typischen Anlagen und Geräten... usw. Ein Text voller
Selbstverständlichkeiten, der aus einer Imagebroschüre zu stammen scheint. Ganz am
Schluß kommt schließlich doch die Nachricht: Die Firma kündigt tatsächlich eine
Imagebroschüre an.
Werbetexter aufgepasst!
Aus einem wohlformulierten Werbetext einen redaktionellen Beitrag zu machen ist für
jeden Redakteur eine anspruchsvolle Aufgabe. Zum besseren Verständnis lesen Sie doch
einmal das das Manuskript, das Anfang April 2000 per E-Mail die einschlägigen Redaktionen
erreichte.
Fallbeispiel ->
Die "Ist-eine"-Methode
Der SUPER X-OMAT ist ein universell einsetzbares Misch- und Dispergiergerät für
Labor- und Technikumsbetrieb. Die hervorragende Misch- und Dispergiergüte wird erreicht
durch ein sinnvolles Zusammenwirken von 3 voneinander unabhängigen Parametern...usw. Die
Beschreibung folgt dann der Beobachtungsgabe eines Schülers der aufmerksam zugehört hat.
Anderes Beispiel: Das komfortable Bedienpult ist in das formschöne Gehäuse des XYZ
integriert ... usw. Das dazugehörige Bild zeigt eine Totale (ohne Beleg dafür). Der
Journalist könnte das sowieso nicht nachprüfen, denkt der Aussender sicher.
Über Leichen gehen!
Wir liefern nur die Idee. Man kündige einen redaktionellen Beitrag an, schicke dann
den Text aus einer bereits veröffentlichten Anzeige und hoffe darauf, die damit
gefütterte Redaktion mache schon etwas daraus. Für den willigen Redakteur vielleicht
tödlich, aber gedruckt ist gedruckt.
Infam - was heißt das schon?
Niemand kann etwas daran ändern, wenn sein Produkt bei einem wissenschaftlichen
Vergleich mit anderen Erzeugnissen als das Beste abschneidet. An der Veröffentlichung
haben nicht nur die Autoren, sicher auch deren Doktorvater, die Fakultät Interesse.
Schnell sprudeln Nachrichten von verschiedenen Absendern - sicher dann auch vom Testsieger
via Fachpresse. Natürlich leicht verändert (dabei die Überschrift nicht vergessen!).
Das ist eine große Hilfe für den Redakteur, der auf Originalaufsätze Wert legt. Wenn er
keine groben Fehler bemerkt, wird er nicht einmal recherchieren. Die ganze Aktion ist
besonders erfolgreich, wenn sie mit ziemlichem Tempo terminlich nach Schlußredaktion
gestaffelt wird. So kann nämlich vermieden werden, daß dem Redakteur die
Konkurrenzzeitschriften zu früh auf den Tisch kommen. Schade allerdings, daß es da eine
Anzeigenabteilung im Verlag gibt, die die unmittelbar bevorstehende Veröffentlichung
herausposaunt, um Inserenten für das Thema zu gewinnen. So werden nämlich auch die
Konkurrenten wach, die nicht zuvor schon rechtliche Schritte gegen die Autoren eingeleitet
haben, weil irgendetwas mit dem Test sowieso nicht gestimmt hat. Natürlich auch gegen die
Zeitschriften, die das ganze unbesehen als erste abgedruckt hatten. Infam, was heißt das
schon? Es gibt ja auch unter Windows einen Papierkorb.
Nur keine Bescheidenheit!
Und eine Agentur legt ihren Texten ein Antwortformular bei, auf dem angekreuzt werden
kann: "Wir möchten auch weiterhin Ihre interessanten Mitteilungen erhalten..".
Das "interessant" stimuliert jeden Redakteur gewaltig. Vor allem stärkt es das
eigene Selbstvertrauen der Agentur in ihrer Maxime, PR sei eine bessere Art von Werbung,
nichts anderes sollte man denn auch den Redaktionen schicken. Und nichts ist schließlich
glaubhafter als das, was so schwarz auf weiß in die Zeitung gerät.
Den Produzenten-Standpunkt
herausarbeiten
Seien Sie sich immer bewusst, dass Sie für Geld arbeiten und dass Ihr Chef nichts von PR
versteht. Wenn Sie in Ihrer Mitteilung nur Facts and Figures nennen und dabei ganz
sachlich bleiben, werden Sie im Hause auf Kopfschütteln stoßen. Sie müssen schon in die
Nachricht die Firmenphilosophie und etwas mehr als einen Hauch Eigenlob einfließen
lassen. Damit zeigen Sie zunächst einmal, dass Sie "dazu gehören" und sich in
der Begeisterung über Ihr Haus von niemandem übertreffen lassen. Dies gilt mehr noch
für die Details, die der Nachricht folgen. Und erst recht für das Fazit das Sie aus dem
Beschriebenen ziehen. Hier können Sie bereits von einem "traumhaften Ergebnis",
von "nicht zu übertreffenden Resultaten" schreiben und andere Superlative
verwenden. Je mehr sich Ihre Botschaft dem Ende nähert, sollten Sie Ihrer Phantasie
freien Lauf lassen. Stellen Sie sich dazu immer erneut die Frage, was gerne gehört wird.
Etwas in dieser Richtung wird sich gewiss in den Köpfen der Firmenelite festsetzen. Sie
sind Spitze. Und nur darauf kommt es an.
Mit Schrot schießen!
Das macht Image: Alles, was man hat, muß auf jeden Pressetisch, die schreibende Zunft
soll schließlich wissen, was man so alles macht. Dazu eignet sich besonders das tägliche
Fax, personalisiert, vollautomatisch nachts verschickt. Email ist weniger erfolgreich, der
Empfänger erkennt den Absender und löscht die Nachricht schon auf dem Server, bevor er
sie überhaupt liest. Ein tägliches Fax auf dem Tisch ist aber ein gnadenloser Hammer. Ob
es sich nun um Biotechnologie, Weltraumtechnik, eine Personalie aus dem Einkauf, eine
Akquisition in Südostasien oder eine Innovation für Kernkrafttechniker handelt. Das
müssen alle wissen. Zwischendurch natürlich auch etwas für die engere Zielgruppe. Auch
die Konkurrenz spendet immerhin 90% ihres Etats für vergoldete Schrotflinten.
Der Fortsetzungsroman
Eigentlich war alles schon in der ersten Mitteilung gesagt und positiv veröffentlicht
worden. Routinierte Strategen sollten jetzt vielleicht die Details beleuchten. Hat da
nicht kürzlich ein renommiertes Institut etwas geprüft, wurde ein wichtiger Kunde
gewonnen, feiert der Entwickler demnächst einen runden Geburtstag, gibt es neue
Lizenznehmer, Kooperationen, wie entwickeln sich Umsatz und Gewinn, Investitionen und: die
jüngste Hochrechnung der Marktanteile bitte nicht vergessen (sagt der Chef). Also
schreiben wir den Fortsetzungsroman, mit möglichst vielen bekannten Passagen, damit der
Journalist den Wiedererkennungswert hat. Ihn umwerben wir ja, weil wir kein Geld für
Werbung haben.
Es gibt überhaupt keinen Schnee
von gestern
Immer mal wieder rufen Presseleute an und wollen etwas Neues. Sie haben aber nichts
und überhaupt, Ihr Geschäft floriert auch so und außerdem sind Sie der wichtigste
Inserent. Wozu also Pressearbeit, soll doch die Neugier ihre Befriedigung im Verlagsarchiv
suchen! Schließlich finden Sie aber auch selbst - gar nicht so selten - ausgezeichnete
Berichte, die Jahr für Jahr ein und den selben alten Hut bejubeln. Machen Sie unbedingt
die Autoren im Hause darauf aufmerksam, daß Ehrlichkeit tödlich sein kann. Man muß
nicht sagen, wie oft und wo der Beitrag bereits so oder so gedruckt worden ist. Ein wenig
aktualisieren und eine neue Headline hilft fast immer. Nur nicht davon reden! Diese
Journalisten haben keine Zeit und große Löcher im Blatt.
Nur nicht sparen!
Presseaussendungen gehören in einen richtig großen Umschlag, damit auch deutlich
wird, daß uns die Sache etwas wert ist. Es stimmt übrigens nicht, daß Umschläge im
Sekretariat verschwinden. Der Redakteur sammelt selbst Briefmarken. Und wenn nicht, ein
Drei-DM-Freistempel sieht immer noch besser aus, als 1,10 für einen normalen Brief, der
auch reichen könnte, oder noch weniger für Infopost. Die Inhalte sind zwar bei allen
Empfängern gleich, das wissen aber die wenigsten. Außerdem liegt ja der persönlich
adressierte Brief bei, man darf nur nicht vergessen, auch die Anrede mit "Sehr
geehrte Damen und Herren" schmücken. Ach ja, auch die Datenbank müßte auch mal
komfortabler werden.
Fotos braucht die Bleiwüste
Was wäre eine Zeitschrift ohne Abbildungen? Nichts braucht der Redakteur so sehr, wie
Fotos, seine Leser sind Augenmenschen. Sie sehen zuerst die raffiniert fotografierte Dose,
lesen dann erst die Headline, danach entscheiden sie rein emotional, ob sie auch der Text
interessiert. War da kürzlich ein Eyecatcher in einem Prospekt? Genau so etwas sollte es
sein. Das Bild hat dann den entsprechenden Wiedererkennungswert, so soll begleitende PR
sein. Wenn man so nicht fündig wird, sind Amateurfotos mitunter auch erfolgreich. Sie
zeigen zwar neben dem Image des Produktes auch dessen Anwendung und völlig überflüssige
Personen, qualitativ sind sie unzureichend und außerdem.. kommt das Ganze ja doch
Schwarz/Weiß. Vielleicht.
Service? Nur nicht!
Wie man die Fachpresse so richtig
angemacht. Unsere Empfehlung: Wählen Sie die richtige Agentur (foto- und texterfahren),
geben Sie ihr ein heißes Thema, z.B. aus dem Dunstkreis Umwelt und sorgen Sie dafür,
dass die Agentur der Absender ist. Warten Sie in Ruhe ab, was passiert. Fallbeispiel: Eine
Frankfurter Presseagentur verschickt - datiert "im August 2000" - eine
längere Botschaft, die auf die Meyer Werft, Papenpurg, zurück zu gehen scheint. Bei
Erhalt versucht man zu recherchieren. Und um das so richtig spannend zu machen, verweigert
sich die erfahrene Agentur. Sie arbeite streng firmenneutral für einen Industrieverband,
der habe das Thema samt Bild schon zuvor veröffentlicht. Nein, man werde nicht helfen,
sagt die Agentur kategorisch, die Fragen nach den Beteiligten und mehr Technik könne man
ja der Werft selbst stellen. In Zeitnot bringt der Journalist das Ganze unter ferner
liefen", auch deshalb, weil die Innovation so neu auch wieder nicht war. So alt
wie das Antifouling-Desaster vor Tsushima allerdings auch nicht.
Sie sitzen
am längeren Hebel!
PR ist nicht etwa Bringschuld, sie kann auch Spaß machen und zeigen, wo es lang
geht. Von diesem Podest herunter sollten Sie Pressepolitik machen. Denken Sie immer daran,
dass Sie die Informationen haben und nur Sie alleine können bestimmen, wer diesen Nektar
schlürfen soll. Zu Fragen neugieriger Journalisten können Sie ruhig auch mal nein sagen.
Die Jungs brauchen Zuckerbrot und Peitsche. Und Sie alleine managen den Circus. Nehmen wir
an, Ihre Firma ist Marktführer, ein Konkurrent kreiert etwas, was Sie nicht haben und
auch nicht können. Ihre Experten zweifeln notgedrungen die fremde Innovation an. Sie
selbst spielen auf der PR-Klaviatur, lancieren Fachbeiträge ihrer Koryphäen,
veranstalten Fachtagungen, Expertengespräche und moderieren das Ganze via Fachpresse. Die
funktioniert (!) erwartungsgemäß je nach Abhängigkeit von Ihrer Werbung. Folgsam oder
"audiatur et altera pars", also neutral. Die Neutralen sollten Sie gehörig
spüren lassen, wie hässlich Sie diese Renitenz finden. Erfüllen Sie keinerlei Wünsche,
geben Sie keine Hilfe bei Zusatzfragen, Fotos von Ihren handelnden Personen gehören nicht
in solche Medien. Sagen Sie einfach "die haben wir nicht". Zwar wird Ihnen
niemand glauben, dass Sie keinen Fotografen beim Expertengespräch hatten. Aber genau das
schafft ja das disziplinierende Gefühl der unbedingten Abhängigkeit. Sie alleine öffnen
die Pforten zur Glückseligkeit. So schaffen Sie sich Freunde für morgen! Und die
brauchen Sie doch?
Nur nichts
personalisieren!
Journalisten mögen keine Personen. Auch keine noch so künstlerischen Portraits oder
aktuellen Gruppenfotos, die einen Bezug zur Story haben. Sie wissen, daß Personen, die
herausgestellt werden, meist nur Nachteile davon haben. Vielleicht wecken Sie das
Interesse von Headhuntern, was Ihre Geschäftsleitung freut. Man sollte deshalb niemals
Namen nennen, schon gar nicht auf der Rückseite der Fotos, das könnte die
Identifizierung der Delinquenten erleichtern. Man kann sicher sein, daß der Redakteur
eine phantasievolle Bildunterschrift dichtet oder das Bild einfach wegwirft. Denken Sie
ständig an die innerbetriebliche Wirkung Ihres Tuns. Wenn Sie unter Personalia über
einen Verkaufsleiter berichten, der gerade in seiner Kirche zum Diakon geweiht worden ist,
interessiert dieses persönliche Schlaglicht seine Kunden gewiss. Vielleicht auch einen
Teil der Presse. Ihr Chef wird sich allerdings fragen, ob Sie (und der Betreffende) zu
wenig zu tun haben. Noch besser für Sie wäre es, wenn dieser Mann gleichzeitig bereits
auf der Abschussliste Ihrer Personalabteilung stehen würde. Und die wollen Sie doch
bestimmt auch gegen sich haben.
Clematis: Das Statement vom Boss
Trotz der Abneigung der Presse gegenüber Fotos, muß man mitunter darüber
nachdenken, wie man seinen Text etwas bedeutsamer, vielleicht auch etwas voluminöser
machen könnte. Das ist vor allem innerbetrieblich wichtig, diesen Verteiler muß man im
Auge haben, oft ist er größer und wichtiger als die übrige Zielgruppe. Dazu eignet sich
ein persönliches Statement vom Boss sehr gut, "Clematis" heißt die Kurzformel:
Je länger, je lieber! Sie legitimiert das Ganze so richtig und trifft in's Herz des
Altvorderen. "Nichts dagegen einzuwenden," meint hierzu ein gestandener PR-Mann,
"solange die CEO-Aussagen etwas Wichtiges zum Thema beizutragen haben. Die vielleicht
fachlich bessere Aussage des Entwicklungsleiters oder Projektleiters könnte ja womöglich
Anrufe von Headhuntern provozieren und außerdem: Wer ist hier eigentlich der Chef?"
Mit Bild natürlich!
Und jetzt elektronisch
Wunderschöne Erlebnissse können Sie haben, wenn Sie die Leidenschaft der schreibende
n Zunft für Elektronisches nutzen: DownLoads aus Ihrer HomePage, Disketten, CD's, Emails.
Das sind die neuen Dessous für Ihre Botschaften. Niemand widersteht dem Reiz dieser
Medien. Internet ist der letzte Schrei. PR ist schießlich eine Hol- nicht etwa
Bringschuld. Sie müssen nur wissen, daß man dem Empfänger so anspruchsvolle Arbeiten
wie das Einlegen von Datenträgern, das Abholen von Mails, das Lesen vom Monitor und das
Sichern von Dateien nicht ganz so leicht machen sollte. Sie müssen Körper und Geist des
Journalisten trainieren. Am Besten: Sie bieten im Mac-Format an, damit verschaffen Sie dem
User etwas Bewegung, er konsultiert seinen Grafiker. Auch ganz gut: Sie geben Ihrer
Nachricht ein druckreifes Format, mit Fettstellungen, unterschiedlichen Schriftgrößen
und -arten, Einrückungen, Tabellen usw., das gibt der Botschaft das besondere Volumen,
kostet ordentlich Geld, schult die grauen Zellen, schafft Abwechslung und einige
Erfolgserlebnisse beim Umformatieren. Vielleicht halten Sie mit dieser Arbeit den Dichter
davon ab, danach auch noch den Text zu bearbeiten. Versenden Sie deshalb niemals schlichte
Dateien, die sich mit jedem Textprogramm lesen lassen. Senden Sie Ihre Boschaft auch
keineswegs als Anlage zur eMail, bauen Sie sie getrost in Ihre Mail ein, das wird Ihren
Text garantiert schwerer lesbar machen und damit besondere Aufmerksamkeit wecken.
Vergessen Sie vor allem nicht, Bilddateien richtig zu verschlüsseln, je exotischer das
Format, um so besser. Zum Schluß: Es kann natürlich passieren, daß man Ihr Dokument gar
nicht erst öffnet, weil man Angst vor Viren hat. Das ist zwar unwahrscheinlich, wer denkt
schon so weit?. Zur Sicherheit drucken Sie deshalb die Warnung auf's Diskettenetikett
"Benutzung auf eigene Gefahr". Sie befinden sich damit in guter Gesellschaft.
Namen möchten wir nicht nennen, aber: Ein angedrohter Systemabsturz ist besonders
spektakulär. Wer könnte dieser Verlockung widerstehen?
Elektronisch die zweite
Variante
Wenn Sie dem Journalisten entgegen den vorherigen Empfehlungen eine
besondere Freude machen möchten, können Sie ihm eine Anlage zur e-Mail spendieren. Aber
auch bei dieser Variante sollte man zuerst an den eigenen Arbeitsaufwand denken. Also
zuerst mal in die Verzeichnisse des PC schauen. Gibt es nicht vielleicht ein vorhandenes
Dokument für diese Anlage? Z.B. das neueste Merkblatt zum Thema? Für den Anwender eine
große Hilfe ist sowas für jede Redaktion ein gefundenes Fressen. Sie hat damit die volle
dichterische Freiheit, weil die klare Gliederung und die Vollständigkeit aller
erforderlichen Details solcher technischen Unterlagen für jeden, der schreibt, eine
Fundgrube ist und so richtig Arbeit macht. Denken Sie aber vor allem an sich selbst. Ein
freundliches Anschreiben an alle Empfänger Sehr geehrte Redaktion!" (nur keine
persönliche Anrede, bitte) und dann das Merkblatt als Anlage, damit haben Sie den ganzen
Ärger in ein paar Minuten vom Hals. Und: Ihr PC erledigt des Nachts die 100 Adressen.
Gold wert, dieser Tip!
Freunde schafft man sich durch
Downloads
Auch so ein unschlagberer Tipp ist folgende Methode, sich nicht nur selbst in den
Papierkorb zu zwängen, sondern auch seine Firma im Abfall so richtig glänzen zu lassen.
Beherzigen Sie dazu drei leicht zu befolgenden Grundsätze. Schicken Sie möglichst viel
bereits veröffentlichtes Material, schreiben Sie eine Begleitnotiz in bester Werbemanier.
Kein Fachjournalist wird aber damit schon zufrieden sein. Er hält als guter Christ noch
seine andere Backe hin, auf die Sie einschlagen können. Beschreiben Sie also zum Schluss
Ihr Angebot etwa so: "Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Abtippen dieser Meldung
können Sie sich sparen! Die zugehörige Word-Datei sowie eine Abbildung der Drucksache
(in druckfertiger Auflösung) zum Herunterladen im Internet finden Sie unter www..."
(aktuelles Beispiel vom 12.1.2001)
Wollen Sie etwa die Konkurrenz
informieren?
Niemand sollte denken, die Konkurrenz lese keine Zeitschriften. Deshalb empfiehlt es
sich, die Presse erst dann zu informieren, wenn die Kunden durch eine massive Direct Mail
alles wissen und Sie schon kraftvoll akquirieren. Die ganze Pipeline muß intakt sein.
Zuvor sollte natürlich auch die interne Kommunikation funktionieren, aber ganz
vorsichtig! Die Presse kann kaum Schaden anrichten. Sie liest ja keine Anzeigen. Und: Da
Zeitschriften sowieso einen ziemlichen Vorlauf haben, kann man sicher sein, daß niemand
sonst in den ersten zwei Monaten von der geheimen Kommandosache erfährt. War die ein
Flop, kriegen Sie dann vielleicht nach zwei Jahren auch mal 2.000 Anfragen, obwohl es das
betreffende Produkt längst nicht mehr gibt.
Etwas Fernweh tut immer gut!
Tipp für völlig Ratlose, die auch dem letzten Fachberater schon in
die Spalten geholfen haben. Wenn gar nichts mehr hilft, gibt es immer noch die eine oder
andere neue Auslandsvertretung. Warum nicht einmal Singapore oder Lima oder oder .. Wer
schon gezwungen ist, monatlich mindestens eine Pressemeldung herauszubringen, ist mit
dieser Lösung gut bedient. Einerseits weist das Internationaliität fürs Image nach,
andererseits, welcher Journalist ist nicht sofort minded, wenn ihn das Fernweh packt. Der
eine oder andere wird darüber vergessen, was seine deutschen Leser interessiert. Immerhin
poliert er mit dieser nur scheinbar überflüssigen Botschaft am Image seines eigenen
Blattes herum. Sie helfen Ihm also.
Hymne um drei Ecken
Besonders reizvoll sind für Journalisten Berichte
über Marketingaktionen, Zeilen, die kaum Fakten enthalten, dafür aber nett zu lesen
sind. Es gibt Berichte dieser Art, die der Redakteur zwar erhält, die aber gar nicht für
ihn geschrieben sind, sondern für eine Zielgruppe ganz anderer Art. Sie sitzt meist im
eigenen Hause und muss für die geleistete Arbeit gelobt werden. Sie wissen, dass schon
die Deklaration eines sochen Aufsatzes als "Pressemitteilung" bei den
Beteiligten eine ungeheure Wirkung hat. Wenn Sie so etwas tatsächlich an die Presse
schicken, haben Sie das Verständnis der schreibenden Zunft auf Ihrer Seite. Jeder weiß,
was gemeint ist und unterstützt Ihre Absicht großzügig. Zumindest notgedrungen, wenn
Sie gleichzeitig Anzeigenkunde sind. Wenn also Ihre Verkaufsmannschaft vier Monate lang
auf "Roadshow" war, bei der Eröffnungsveranstaltung im hohen Norden 700 Gäste
in ihren Bann zog und in den vier Monaten danach gerade einmal auf schlichte 2.500
Besucher kam, sollten Sie das ohne Scham berichten. Es stützt einerseits Ihre
Glaubwürdigkeit und verstärkt noch das Mitgefühl der Kollegen von der anderen Seite des
Schreibtisches. Im Hause weiß man ohnehin von der Pleite, die
"Pressemitteilung" heilt aber garantiert die schwärende Wunde. Wählen Sie dazu
Formulierungen wie diese: "Überall fand die Show lobende und anerkennende Worte, sie
war ein voller Erfolg, eine Erfolgsstory. Routiniert führte der Moderator durch das
abwechslungsreiche Programm, manches Herz schlug höher, wenn er mit seiner samtigen
Stimme den speziell für die Roadshow komponierten Song auf der Bühne sang. Derweil
genoß man an der exotischen Cocktailbar einen Drink. Alle hatten danach nur noch Augen
für das mitreißende Spektakel der brasilianischen Tänzerinnen." Und davon
beflügelt lassen Sie dann noch jeden Teilnehmer an einem Wettbewerb ein Modellauto
gewinnen und loben Ihre Mitarbeiter nicht nur für Ihre fachliche Kompetenz sondern auch
für ihre Entertainementqualitäten. Sie haben bisher ja nichts wirklich gesagt, Sie
können dann zum Schluss also ruhig schreiben, jeder, der die Show gesehen habe, wisse
schon, wovon die Rede sei. (wörtliche Zitate aus einer-Notiz vom 13.10.2000 aus Bonn).
Holzhammer
immer beliebter
Man soll ja keine Gelegenheit auslassen, immer wieder in die gleiche Kerbe zu hauen.
Denken sich die Strategen. Denn wenn man schon eine Botschaft verschickt, warum das nicht
dazu nutzen, das immer wieder in den großen Zusammenhang zu stellen? Ihnen kann das nur
recht sein. Denn nachdem Sie bereits alles Erdenkliche zum eigentlichen Thema geschrieben
haben, zwingt Sie so ein übergeordnetes Reglement, jeder Mitteilung das Eine oder Andere
anzufügen. Ihre Meldung erhält die höheren Weihen und ein beachtliches Volumen.
Erklärende Hinweise, wer Ihre Firma eigentlich ist, was sie sonst noch herstellt, wie sie
im Markt positioniert ist usw. usw. Dem sind Sie mehrfach verpflichtet, wenn die
Hierarchie gleich mehrere Abschnitte dieser standardisierten Prosa verlangt. Merken Sie
sich eines, zuerst kommt dann der Textbaustein, der die Abteilung, die den Gegenstand
Ihrer Arbeit hervorgebracht hat. Als zweites fügen Sie den allgemeinen Text über Ihre
Firma generell an. Erst dann kommen weitere Bausteine, beispielsweise über den Konzern,
zu dem Ihre Firma gehört. Wenn Sie darauf nicht achten, könnte der Empfänger
frühzeitig mit dem Lesen aufhören. Denn der will ja eigentlich nur die Nachricht und
nichts sonst. Ein passendes Fallbeispiel gefällig?
Katze im
Redaktionssack
Die Katze im Sack ist manchmal die Nachricht selbst. Zwar hat sie der Redakteur nicht
gekauft und er darf sie auch nicht ertränken. Im Gegenteil: Er soll sie einfach unbesehen
hervor holen und als Objekt der Begierde einem staunenden Publikum vorführen. Wem sich
bei diesem Ansinnen der Magen umdreht, ist selbst schuld. Er wird die Zusammenhänge
zwischen PR und Marketing noch begreifen. Die Regel heißt nicht einfach: "Vogel
friss oder stirb!" Nein, nein. Sie heißt - siehe Franz Werfel. Mehr noch: Vertrauen
ist doch besser als Kontrolle. Wir haben einen Markenhersteller darauf hin getestet. Dyrup
Deutschland GmbH, Mönchengladbach, hatte einen Bondex Grünbelag-Entferner
herausgebracht. Dörfner & Partner, Düsseldorf, war der Aussender der Auslobung im
Auftrag des Herstellers. Es handelte sich um ein Konzentrat auf Basis quaternärer
Ammoniumverbindungen. Das wollten wir ausprobieren, sollten wir etwa einfach abschreiben,
was die Agentur da absonderte? Nein, sagte die Agentur, dazu könnten wir kein Muster
erhalten, die Logistik der Firma sei darauf nicht eingerichtet. Das Konzept ist
schlüssig, weil Agenturen im Allgemeinen Informationen von ihren Kunden kritiklos
übernehmen, blocken sie die Nachprüfung durch Redaktion ab. Also packen Sie die Katze
genauso in den Sack. Es wird sie niemand so richtig präsentieren.
Mit
allen Korrekturen verschicken - ganz einfach
Entfernen Sie interne Korrekturen auf gar
keinen Fall aus Ihren Manuskripten. Die kann ja so wie so niemand lesen. Denkste! Tücken
des Mediums lassen sich exzellent nutzen, wenn Sie die letzte interne
Word-Version Ihrer
Nachricht unverändert an eine eMail anhängen. Wer die Anlage nämlich kopiert und in ein
neues Dokument einfügt, kann alle internen Korrekturen lesen und dann auch kommentieren.
Eine Möglichkeit für Sie, einem Aufschrei ihrer Abhängigkeit von den internen Zwängen
freien Lauf zu lassen. Aber auch, die Unternehmensphilosophie wider Willen auszuleuchten.
Auch sich selbst gehörig zu outen. Ein Beispiel (einige der mit verschickten Streichungen
und Bemerkungen sind rot markiert):
"Degussa: Biozid-Akivitäten veräußert Parsipany, New Jersey, USA Zum
1. Januar 2002 hat der Geschäftsbereich Coatings & Colorants der Degussa AG,
Düsseldorf, seine Biozid-Aktivitäten an International Specialty Products, Inc. (ISP)
mit Sitz in Wayne, New Jersey, verkauft. Die Transaktion In die Transaktion eingeschlossen sind die umfasst die Produkte allseits bekannten Fungitroll®-Fungizide,
Nuosept®-Konservierungsmittel, Nuocide®-Fungizide
und, und Algizide und sowie sowie Biotrend®-Biozide sowie die mit den. Betroffen sind ferner die Produktionsanlagen in Leaside, Ontario,/Kanada. und das Key Management sowie die Mitarbeiter von Produktion
und Kundendienst. [klingt das nicht
sehr seltsam; so als ob wir Menschen "verkaufen" ??? Kann man diese Passage
nicht weglassen?]
Robert Morlino, Senior Vice President und
General Manager des Geschäftsgebiets Colorants/ Biocides, erklärte: "Das
Biozid-Geschäft passte nicht [mehr] in die langfristigen strategischen Ziele des Geschäftsbereichs
Coatings & Colorants. Durch diese Veräußerung können wir uns nun voll auf die
Expansion unseres Colorants-Geschäfts durch internes Wachstum und Zukäufe
konzentrieren." Während einer kurzen Übergangszeit werden bestimmte Aufgaben des
Geschäftszweigs wie Vertrieb, Handelsvertretungen und Kundendienst
weiterhin von Degussa im Namen von ISP wahrgenommen."
Den Betreff der eMail weglassen! Besonders große Neugierde weckt Ihre eMail, wenn Sie schlicht und einfach eine Seite im Internet angeben und andeuten, dass dort etwas für den Redakteur bereit liegt. Sie sollten ihn dazu keineswegs persönlich ansprechen, er könnte ja das Gefühl bekommen, Sie wollten ihn unter Druck setzen. Unpersönliche Mails schaffen zudem keine Gewissenskonflikte beim Löschen. Anmerken sollte man noch, dass die Anrede "Sehr geehrte Damen und Herren" eine besondere Raffinesse ist. Sie erhöht das Selbstwertgefühl des Redakteurs erheblich. Sie wirft auch ein gutes Licht auf Sie, weil Sie ehrlich genug sind, zuzugeben, dass Sie niemand weh tun wollen, und, dass Sie ein sparsamer Mensch sind, der kein Geld für überflüssige Informationen zum Fenster hinaus wirft. Jedenfalls spenden Sie dem Empfänger mit Ihrer rätselhaften Botschaft so etwas wie die Vorfreude auf die Weihnachtsbescherung. Zumindest beim ersten Mal. Und wenn es dabei bleibt, ist Ihr Verteiler ja groß genug. Was soll der eine oder andere Flop? Irgendwann ist bei jedem Empfänger wieder das erste Mal. Und dann funktioniert es wieder. Abstinenz stumpft ab. Sie können darauf vertrauen, dass gerade die als SPAM selektierte eMail pflichtbewusste Empfänger alleine schon deshalb auf "öffnen" klicken lässt, weil Ihr Firmenname globale Bedeutung hat. Und wenn einmal alle Stricke reißen, rufen Sie die Redaktion der "Bäckerblume" an, die hat eine Millionenauflage.
Vom Veröffentlichen im WWW, wenn es denn ginge - Es gehört viel Vertrauen dazu, ein kostbares Gut einem anderen anzuvertrauen. Genau das tut jeder Webmaster, wenn er seinen "Provider" kürt. Arbeiten sie bei so einem Dienstleister? Gar bei T-Kom? Dann sitzen Sie also als treuer Dienstleister des Dienstleisters derzeit verunsichert vom neuen Chef, der ihr Unternehmen flott machen wird. Und die Kunden spüren es, dass Sie verunsichert sind. Als erstes hat der Chef gesagt: "Kosten runter, Service verbessern, wettbewerbsfähiger werden!" - Der neue Telekom-Vorstandschef heißt René Obermann und die Telekom-Mitarbeiter sollten den heilsamen Abschied vom Träumen nehmen, schrieb die "Börsenzeitung". Auch als Kunde des Providers begann man derweil von vergangenen T-Online-Zeiten zu träumen. Denn nach Obermanns Aufruf ging für den einen oder vielleicht auch anderen Webmaster überhaupt nichts mehr. Vielleicht nur für MS Frontpage-Fans, wir wissen es nicht. Wir bekennen nur, dass wir Frontpage-Anwender sind. Und, dass wir bis zum 16.02.2007 sehr unglücklich waren (und vielleicht auch noch eine Weile bleiben).
Im vergangenen Jahr übernahm T-Kom Websites von T-Online auf ihre eigenen Server. Darunter auch diese Domain: www.colour-europe.de. Nach problemlosen Jahren mit T-Online begann eine Serie fortwährender Einblicke in eine heillos verwirrte Welt. Der Server des Providers war zwei Monate lang nicht in der Lage, mit uns zusammenzuarbeiten. Mal konnten neue Nachrichten veröffentlicht werden, mal nicht und manchmal gab es uns auch auf diesem Server nicht oder war gerade "beschäftigt". Der Hinweis auf Verluste durch unterbleibende rechtzeitige Veröffentlichung von Nachrichten interessierte die Hotline(s) nicht. Wenn es dann nach einem oder mehreren Tagen funktionierte, dann gelang es auch nur einmal. Und die Schleife des Misserfolgs begann von vorn. Gestern nun - nach zwei Monaten ununterbrochenen Reklamationen "hat das Technik-Team beschlossen, mit MS-Frontpage-Webseiten auf einen anderen Server umzuziehen". Beschlossen! Schon die Wortwahl deutet auf excellente Kundenorientierung.
Es sind Erlebnisse aus der Welt preussischer Beamten, die man haben kann, wenn man diese "Hotlines" kontaktet. Das System schützt sich mit verschiedenen Filtern und notfalls auch mit bewusst falschen Angaben. Am Anfang steht die Bearbeitungsnummer, die am nächsten Tag neu vergeben werden muss. Das bedeutet für den Kunden, neue Identifizierung, detaillierte Schilderung des Problems und Hinweise auf vorangegangene Vorgänge sind völlig zwecklos, Sie sprechen mit einem neuen Kontakt in dieser "Zentrale", nicht nur das existenzbedrohende Problem erneut detailliert schildern müssen. Wer auch dran ist, er/sie tippt auch alles wieder in's System und wenn man dann auch noch Pausenmusik usw. erträgt, beginnt die Abfrage beim Techniker aus unbekannten Gründen von vorne. Sie müssen einen langen Atem haben, bis Sie im lLauf der Zeit so etwas wie ein "bunter Hund" sind. Dann bekommen Sie einen persönlichen Ansprechpartner. Der offenbart Ihnen vielleicht - war bei uns so - seine e-mail-Adresse. Und von da ab haben Sie vielleicht Glück.
Wenn nicht, ruft man - war bei uns zunächst so - vielleicht die Abt. Öffentlichkeitsarbeit in Bonn an, ein Pressesprecher, der Fragen zum bisher Erlittenen beantworten könnte, ist gerade nicht am Platz, er wird zurückrufen. Tut er aber nicht. Sie erinnern an den Vorgang. Ja, hören Sie, sie werden einen Rückruf erhalten. Und dann meldet sich tatsächlich ein Herr Bandemer, stellt eine Konferenzschaltung zu einem Herrn From(m)holz her, der "Pressesprecher" ist. Aber das erfahren Sie erst nach einigen späteren Anrufen. Beide Herren hören sich Ihre Beschwerden an. Ja, sie kümmern sich um Ihre Reklamation. Und Herr Bandemer gibt Ihnen seine Telefonnummer "wenn wieder mal etwas sein sollte, bitte an mich direkt!" Da das schon am nächsten Tag ist, rufen Sie 0800 3302425, angeblich seine Nummer, an. Nein, sagt die freundliche Stimme, Herrn Bandemer kenne sie nicht, dies sei die Technische Hotline. Sie sind tollkühn und rufen wieder bei der Bonner PR an, nein, Herr Bandemer können Sie nicht sprechen. Dann vielleicht jemand in der Abteilung des Herrn Bandemer? Nein diese "Beschwerdestelle" des Herrn Bandemer sei eine interne Einrichtung. Ja dann bitte Herrn "From(m)holz". Nein, sagt die freundliche Stimme, hier Im Rheinland ist Karneval .... aber rufen Sie doch einmal die Pressestelle von T-Online an. "Ah!" sagen Sie dann und wählen dummerweise auch noch 06151 6802210 und nach dem umständlichem Versuch, sich zu identifizieren, sagt doch die Dame in Darmstadt, sie sind gar kein Kunde.