Farb-Info 2007




 



 

Zum Thema der Veranstaltung
Programm der Jahrestagung 2007
Die Referenten

Mitveranstalter war die Hochschule der Medien, Stuttgart-Vaihingen
Prof. Dr. Christoph Häberle

Stuttgart: Erfolgreiche Farbinfo - Neuwahlen
Protokoll MV 2007
Abstracts der Farbinfo 2007
(unvollständig)
 














 
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V

Farbe und Identität

Vor wenigen Jahrzehnten galt es als ausgemacht, dass es im Bereich der Farbe keine festen Regeln geben könne, da historische, soziale und kulturelle Faktoren, auch kurzfristige Moden oder Umwelteinflüsse wie das Klima solche Regeln überlagern und außer Kraft setzen würden. Inzwischen haben Biologie und Gehirnforschung und hat auch die Globalisierung dafür gesorgt, dass von solchen Unterschieden kaum noch die Rede ist. Kameras, Filmmaterial, Drucktechnik, Videogeräte etc. werden in der Regel für die gesamte Welt entwickelt und man erhält die gleichen Produkte des Konsums in Hongkong, Johannesburg, Toronto oder Rom. Gleichwohl gibt es regionale Unterschiede, wo etwa eine Werbekampagne in Brasilien farbig anders gestaltet sein muss, um erfolgreich zu sein als in Norwegen. Es gibt darüber hinaus Farbstile bei Subkulturen, es gibt nationale und regionale Besonderheiten, besondere Traditionen und schließlich auch Identifikationsangebote etwa bei Sportvereinen, und Ländern, die zwar willkürlich, aber deswegen nicht unwirksam sind. Auch Haut-, Haar- und Augenfarbe, die als Anpassung an Umwelteinflüsse wie dem Sonnenstand entstanden sind, dürften nicht ohne Auswirkung auf die Farbpräferenzen sein. Es scheint, dass wir mit unserer Farbwahl mehr oder weniger bewusst auch eine Identität herstellen, die in Abgrenzung zu anderen Identitäten erfolgt und nur im Vergleich mit den ausgeschlossenen Optionen aussagekräftig ist
Anmeldung:
vorstand@deutsches-farbenzentrum.de

Programm

Donnerstag 27.9.07 (Abendvortrag)

  • 19.00 Prof. Dr. Christoph Häberle „Farben in Europa“

Sektion Rot
 
Sektion Grün
 

Freitag 28.9. 07,

  • 9.00 Begrüßung durch den Rektor der Hochschule für Medien, Prof. Dr. Alexander Roos, anschl. Prof. Dr. Christa Neumeyer "Farbe als Signal bei Tieren"

  • 9.45 Prof. Axel Venn "Kollektiv und Subkultur - woher die Farben kommen"

  • 10.30 Kaffeepause

  • 11.00 Prof. Axel Buether "Wirklichkeit und Identität im visuellen Raum"

  • 11.45 Dipl. Restaur. Albrecht Pohlmann „Farbenschwindel um 1900 – Widersprüche zwischen Farbname, Farbton und Farbmaterial“

  • 12.30 Mittagspause

  • 14.00 Dr. Franziska Uhlig „Entgrenzung des Pigments“

  • 14.45 Dr. des. Astrid Bextermöller „Farbige Neoninstallationen - Vom Farbraum zum Körper-Raum: auf dem Weg zu einer sinnes- und leibesorientierten Selbsterkenntnis“

  • 15.30 Kaffeepause/Postervorträge

  • 16.00 Dr. Marina Linares "Gibt es universelle Farbbedeutungen?"

  • 16.45 Dr. Andreas Schwarz "Haut und Haar – ein denkwürdiger Rückblick auf Methoden der Farbbestimmung am Menschen"

  • 19.00 Tagungsparty (in den Räumen der Hochschule der Medien)

 Samstag 29.9.07

  • 9.00 Prof. Dr. Karl Schawelka „Schwarz als Stammestracht der Intellektuellen“

  • 9.45 Dr. Karin Thönnissen „Von Purpur bis Indigo - Über das Färben von Textilien“

  • 10.30 Kaffeepause/Postervorträge

  • 11.00 Prof. Dr. Barbara Susczynska-Rapalska „Identity of Urban Space. Environmental colour in Cracow"

  • 11.45 Dr. Agata Kwiatkowska-Lubanska "Green attack. Colour in visual identity of ecological organizations, enterprises and design"

  • 12.30 Mittagspause

  • 14.00 Hannes Trüjen „painting placement - Zur Verortung von Malerei / Kunstprojekte von Hannes Trüjen“

  • 14. 45 Bertolt Hering „Regional landschaftliche Farbidentität erkennen und gestalten“

  • Kaffeepause/Postervorträge

  • 16.00 Verena M. Schindler „Grün - eine neue Identitätsfarbe in der

  • zeitgenössischen Architektur“

  • 16.45 Gertrud zur Wiesche „Ein sprachlicher Ausflug in die Farben ‚Rod, Krün, Plau’“

Freitag 28.9. 07n

  • 9.05 Prof. Markus Schlegel „Farbe + Emotion: Wohninnovationen der Zukunft.

  • Thesen zur Gestaltgebung einer zeitbezogenen Wohlfühlatmosphäre“

  • 9.50 Anna Hirschmüller „Die emotionale Wirkung von Farbattributen in Full-Scale Raummodellen“

  • 10.30 Kaffeepause

  • 11.00 Prof. Dr. Roland Greule „Emotionale Wirkung von farbiger LED-Beleuchtung im Innenraum“

  • 11.45 Dr. Thorsten Hansen “Wie unser Gedächtnis die Farbwahrnehmung beeinflußt”

  • 12.30 Mittagspause

  • 14.00 Prof. Dr. Hans Irtel „Farbe und Persönlichkeit - Was weiß die Psychologie darüber?“

  • 14.45 Klaus von Saalfeld "Nähe und Entfernung von Farb/Formbeziehungen - kein Gesetz in Sicht"

  • 15.30 Kaffeepause/Postervorträge

  • 16.00 Dr. Eva Lübbe „Die Identität der Farbe- Welche Größen verwenden wir zur Beschreibung einer Farbe?“

  • 16.45 Prof. Dr. Klaus Richter „Weltweite Farbidentität mit sechs Elementarfarben und
    Zusammenhang mit CIE-LMS-Farbsehpigmenten und CIELAB-Farbenraum“

Samstag 29.9.07

  • 9.00-12.30
    Workshop
    Leitung Prof. Dr. Klaus Richter/N:N.
    „Anwendung von DIN- und ISO/IEC-Prüfvorlagen für die Farbausgabe auf Druckern, Monitoren und Datenprojektoren bei unterschiedlichen Displayreflektionen des Raumlichtes“

  • 12.30 Mittagspause

  • 14.00 - Dr.-Ing. Cornelia Vandahl/Dipl. Ing. Karin Bieske "Welche Farbunterschiede kann der Mensch wahrnehmen?

  • 14.45 Prof. Bernd Frank/Prof. Dr. Marieluise Schaum

  • „Identität in grafischen Auftritten

  • – Bernd Frank: Theaterplakate

  • – Street Art“

  • 15.30 Kaffeepause

  • 16.00 Hans-Peter Mayer „Identität - oder identisch mit Farbe?“

  • 16.45 Susanne Wied „Wächst kein Günter Grass drüber ...“

 

 

Samstag 29.9.07

  • 19.00

  • Ernennung von Dr. Felix Miescher zum Ehrenmitglied.

  • Anschließend (in den Räumen der Hochschule der Medien Stuttgart)

  • Mitgliederversammlung des deutschen Farbenzentrums e.V. (Gäste willkommen)

 Sonntag 30.9.07

  • ab 9.00 Begleitprogram,

  • Besichtigung einiger interessanter Objekte in Stuttgart.

 

 

Referentenliste


 - Dr. des. Astrid Bextermöller
Astrid.bextermoeller@t-online.de
„Farbige Neoninstallationen - Vom Farbraum zum Körper-Raum: auf dem Weg zu einer sinnes- und leibesorientierten Selbsterkenntnis“

- Prof. Axel Buether
buether@farbe-licht-raum.eu
"Wirklichkeit und Identität im visuellen Raum"

- Prof. Bernd Frank/Prof. Dr. Marieluise Schaum
schaumfrank@t-online.de
Beitrag Schaum/Frank
„Identität in grafischen Auftritten
– Bernd Frank – Theaterplakate
– Street Art“

- Prof. Dr. Roland Greule
greule@mt.haw-hamburg.de
„Emotionale Wirkung von farbiger LED-Beleuchtung im Innenraum“

- Prof. Dr. Christoph Häberle
c.haeberle@t-online.de
Farben in Europa

- Dr. Thorsten Hansen
Thorsten.Hansen@psychol.uni-giessen.de
„Wie unser Gedächtnis die Farbwahrnehmung beeinflußt“

- Bertolt Hering
mail@bertolt-hering.de
„Regional landschaftliche Farbidentität erkennen und gestalten“

- Anna Hirschmüller
anna.hirschmueller@web.de
Die emotionale Wirkung von Farbattributen in Full-Scale Raummodellen

- Prof. Dr. Hans Irtel
irtel@psychologie.uni-mannheim.de
„Experimentieren mit Farbe am PC“

- Dr. Agata Kwiatkowska-Lubanska
agata.lubanska@interia.pl
 "Green attack. Colour in visual identity of ecological organizations, enterprises and design"
 

- Dr. Marina Linares
mlinaresartlit@yahoo.com
"Gibt es universelle Farbbedeutungen?"

- Dr. Eva Lübbe
EvaLuebbe@aol.com
„Die Identität der Farbe- Welche Größen verwenden wir zur Beschreibung einer Farbe?“

- Hans Peter Mayer
info@hpm-color.de
„Identität - oder identisch mit Farbe?“

- Prof. Dr. Christa Neumeyer,
christa.neumeyer@uni-mainz.de
"Farbe als Signal bei Tieren"
 

- Dipl.-Gemälderestaurator Albrecht Pohlmann
al.pohlmann@web.de
„Farbenschwindel um 1900 – Widersprüche zwischen Farbname, Farbton und Farbmaterial“

- Prof. Dr. Klaus Richter
klaus.richter@bam.de
Vortrag: „Weltweite Farbidentität mit sechs Elementarfarben und Zusammenhang mit CIE-LMS-Farbsehpigmenten und CIELAB-Farbenraum“

Workshop: „Anwendung von DIN- und ISO/IEC-Pruefvorlagen für die Farbausgabe auf Druckern, Monitoren und Datenprojektoren bei unterschiedlichen Displayreflektionen des Raumlichtes“

- Klaus von Saalfeld
Hauptstr. 29, 64823 Groß-Umstadt
"Nähe und Entfernung von Farb/Form-beziehungen - kein Gesetz in Sicht"

- Prof. Dr. Karl Schawelka
karl.schawelka@gestaltung.uni-weimar.de
„Schwarz als Stammestracht der Intellektuellen“

- Verena M. Schindler
vmschindler@yahoo.com
„Grün - eine neue Identitätsfarbe in der
zeitgenössischen Architektur“

- Prof. Dipl.-Ing. Markus Schlegel
schlegel@tsp-design.de
„Farbe + Emotion: Wohninnovationen der Zukunft.- Thesen zur Gestaltgebung einer zeitbezogenen Wohlfühlatmosphäre“

- Gertrud Schulze zur Wiesche
bbrbszw@yahoo.de
„Ein sprachlicher Ausflug in die Farben ‚Rod, Krün, Plau’“

 - Dr. Andreas Schwarz
mail@dr-andreas-schwarz.de
"Haut und Haar – ein denkwürdiger Rückblick auf Methoden der Farbbestimmung am Menschen"

- Prof. Dr. Barbara Susczynska-Rapalska
magda@dtp.pl
Identity of Urban Space. Environmental colour in Cracow"

- Dr. Karin Thönnissen
karin.thoennissen@gestaltung.uni-weimar.de
„Von Purpur bis Indigo - Über das Färben von Textilien“

- Hannes Trüjen
hannes_truejen@web.de "
„painting placement - Zur Verortung von Malerei / Kunstprojekte von Hannes Trüjen“

- Dr. Franziska Uhlig
f.uhlig@franziska-uhlig.de
„Entgrenzung des Pigments“

- Dr.-Ing. Cornelia Vandahl
cornelia.vandahl@tu-ilmenau.de
"Welche Farbunterschiede kann der Mensch wahrnehmen?"

- Prof. Axel Venn
av.@axelvenn.de
"Kollektiv und Subkultur - woher die Farben kommen"

- Susanne Wied
susanne.wied@gmx.de
„Wächst kein Günter Grass drüber ... “


 

   

 

DFZ: Gelungene Tagung 2007 in Stuttgart – Neuer Vorstand

Stuttgart. Die Mitgliederversammlung des Deutschen Farbenzentrums (DFZ) wählte anlässlich der sehr erfolgreichen Jahrestagung „Farbinfo 2007“ in Stuttgart Ende des vergangenen Monats einen neuen Vorstand. Das Motto der Veranstaltung lautete „Farbe und Identität“. Prof. Axel Buethner, Halle, wurde zum 1. Vorsitzenden bestimmt. Buether, 1967 in Weimar geboren, ist gelernter Steinmetz und Steinbildhauer, studiert von 1992 – 1997 Architektur (Nebenfach Philosophie) an der TU Berlin, ist anschließend auf dem Gebiet „Architektur und Medien“ selbständig. 1999 – 2005 Wissenschaftlicher Assistent im Fachbereich Architektur, Brandenburgisch Technische Universität Cottbus, seit 2006 Professor an der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle (Bildnerische Grundlagen/ Farbe-Licht-Raum). Zum 2. Vorsitzenden (bisher Prof. Dr. Hans Irtel, Mannheim) gewählt wurde Dr. Andreas Schwarz, Essen. Der bekannte Autor nahmhafter Zeitschriften und Herausgeber des „Jahrbuchs „Farbe interdisziplinär 2006“ engagiert sich seit Jahren im DFZ und darüber hinaus für das Fachgebiet. Dr. Schwarz ist im Hauptberuf Lehrer für Kunst und Englisch am Städt. Mädchengymnasium Essen-Borbeck. Auch die Position der Schatzmeisterin (bisher Claudia Brinker) wurde neu besetzt: Susanne Wied, HPM, Berlin) wurde einstimmig gewählt. Neu ins Kuratorium gewählt wurden die aus dem Amt scheidenden Vorsitzenden Prof. Dr. Karl Schawelka (Kunst- und Kulturwissenschaften) und Prof. Dr. Hans Irtel (Wahrnehmung). Zu Kassenprüferinnen wurden bestimmt: Gertrud Schulze-zur-Wiesche und Dr. Anne-Marie Neser.

 

Protokoll der Mitgliederversammlung des Deutschen Farbenzentrums e.V. (DFZ)

am 29. 9. 2007 an der Hochschule der Medien, Stuttgart, Die Versammlung findet von 19.30 Uhr bis 21.20 Uhr statt. Anwesend sind 31 Mitglieder, 2 Gäste.

1. Berichte
Der Vorsitzende teilt mit, dass das Farbenzentrum an Bekanntheit gewinnt, was sich in zahlreichen Anfragen ausdrückt, vor allem von Presse und Fernsehen, unter anderem zur Archivnutzung. Im laufenden Jahr schieden als Mitarbeiter Frau Ziegler (Büro) und der Webseitenbetreuer aus. Auch Frau Brinker steht in Zukunft als Schatzmeisterin nicht mehr zur Verfügung. Die Mitgliederzahl entwickelt sich leicht positiv.

2. Bestätigung des Protokolls
Das Protokoll der letzten Mitgliederversammlung wird einstimmig angenommen.

3. Bestätigung der Tagesordnung
Die vorgeschlagene Tagesordnung wird einstimmig angenommen.

4. Haushalt, Entlastung des Vorstandes
Die Kassenprüferinnen, Frau Schulze zur Wiesche und Frau Wied, erklären die vorgelegte Kassenführung für korrekt und stellen einen Antrag zur Entlastung des Vorstands für das Jahr 2006. Dieser wird ohne Gegenstimmen bei 2 Enthaltungen angenommen.
Zur Ausgaben-Einnahmen-Differenz von ca. 3.000,- € im genannten Zeitraum teilt der Vorsitzende mit, dass sie sich durch einen Überhang aus 2006 erkläre, sowie durch erforderliche Investitionen (neuer Rechner) und überdurchschnittlich hohe Ausgaben (Preisverleihung, Rahmenprogramm) zur Farb-Info in Dresden. Gleichwohl sei dies nicht bedrohlich, da ohnehin der Verein aus steuerrechtlichen Gründen über kein hohes Guthaben verfügen sollte und sich für 2007 wieder eine finanzielle Erholung abzeichne. Allgemein seien die Farb-Infos nicht kostendeckend. Da die Kosten für die Durchführung der laufenden Geschäfte rückläufig seien, könnten die Farb-Infos durch die für den Geschäftsbetrieb zur Verfügung stehenden Beträge subventioniert werden. Da die diesjährige Farb-Info darüber hinaus sehr kostenbewusst organisiert worden sei, hätten die Teilnahmegebühren gegenüber den Vorjahren gesenkt werden können.

5. Wahl des neuen Vorstands
Zur Wahlkommission werden bestimmt: Dr. Alexander Pohlmann, Frau Gisela Braune, Dr. Eva Lübbe.

Der 1. Vorsitzende, Prof. Dr. Karl Schawelka, erklärt, dass er nicht erneut kandidiert. Die Gründe dafür seien:

- Das DFZ benötige die verantwortliche Mitarbeit tatkräftiger junger Leute,
- seine eigene Gesundheit setze seinem Engagement deutliche Grenzen,
- seine beruflichen Verpflichtungen und Vorhaben (Forschung) ließen wenig zeitlichen Spielraum für ein
  weiteres Engagement als 1. Vorsitzender.

Er übergebe das DFZ in einem „gesunden Zustand", sowohl was Organisation, Mitgliederzahlen und Finanzen als auch das Klima und die Kooperation innerhalb des alten und neuen Vorstands angehe.

Als einziger Kandidat für das Amt des 1. Vorsitzenden wird Prof. Axel Buether vorgeschlagen. Herr Buether, 1967 in Weimar geboren, ist gelernter Steinmetz und Steinbildhauer, studiert von 1992 – 1997 Architektur (Nebenfach Philosophie) an der TU Berlin, ist anschließend auf dem Gebiet „Architektur und Medien" selbständig. 1999 – 2005 Wissenschaftlicher Assistent im Fachbereich Architektur, Brandenburgisch Technische Universität Cottbus,

seit 2006 Professor an der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle (Bildnerische Grundlagen/ Farbe-Licht-Raum).

Aufgaben (Ziele) seiner Tätigkeit als 1. Vorsitzender des DFZ sieht Prof. Buether u.a. im Verbessern der Öffentlichkeitsarbeit, im Verbessern der Kommunikationswege (Internetplattform, interne und externe Kommunikation) im Anregen einer Diskussion über die Gestalt zukünftiger Farb-Infos (z.B. größere, internationalere Tagungen im Wechsel mit kleineren, eher nationalen). Er hält eine Jahreszeitschrift des DFZ für erstrebenswert, die in hoher Qualität Beiträge veröffentlicht und Aktivitäten des DFZ abbildet. Herr Buether kann sich vorstellen, dass das DFZ aktiv Weiterbildungsangebote macht und plant eine Mitgliedererhebung zum Abfragen entsprechender Ressourcen. Herr Buether regt an, das Thema Sponsoring mit neuen Ideen und Strategien anzugehen.

Auf die Frage, ob er einen Zusammenschluss von DFZ und DfwG befürworte, führt er aus, dass ein Zusammenschluss dann wünschenswert sei, wenn er für beide Seiten Vorteile bringe. Das gelte für jede Form der Zusammenarbeit. Er persönlich habe Interesse daran, Vielfalt zu fördern und zu erhalten.

Die Frage, was ihn am Phänomen Farbe fasziniere, könne nicht in zwei Sätzen beantwortet werden, da sein persönliches Farb-Interesse zu vielschichtig sei. Beruflich habe Farbe bereits in seiner selbständigen Tätigkeit (arch+mind, Architektur und Medien) eine große Rolle gespielt, und als Hochschullehrer unterrichte und forsche er zu diesem Thema. Wichtig sei für ihn als DFZ-Vorstand vor allem die Vielfalt und der Austausch zum Thema Farbe.

Nach der Vorstellung und Befragung des Kandidaten erklärt Dr. Pohlmann als Mitglied der Wahlkommission das Wahlverfahren, das er auch leitet. Geheime Wahl wird von keinem Mitglied gewünscht. Die Versammlung wählt Prof. Buether einstimmig mit 1 Enthaltung zum 1. Vorsitzenden. Prof. Buether nimmt die Wahl an.

Als einziger Kandidat für den 2. Vorsitzenden (für welches Amt Prof. Dr. Hans Irtel nicht mehr kandidiert) wird Dr. Andreas Schwarz vorgeschlagen, der sich kurz vorstellt (im Hauptberuf Lehrer für Kunst und Englisch am Städt. Mädchengymnasium Essen-Borbeck). Im Zusammenhang mit seiner regen publizistischen Tätigkeit und Erfahrung (Schwerpunkt Farbsysteme, Farbharmonien) möchte er sich verantwortlich dafür einsetzen, eine jährlich erscheinende Zeitschrift des DFZ herauszugeben. Er hält eine solche Zeitschrift nicht nur inhaltlich, sondern auch wirtschaftlich für realisierbar. Diese Aufgabe – nicht administrative Funktionen - sieht er als die Hauptaufgabe in seinem Amt als 2. Vorsitzender an. Dr. Schwarz wird einstimmig bei einer Enthaltung zum 2. Vorsitzenden gewählt und nimmt die Wahl an. Er scheidet damit satzungsgemäß aus dem Kuratorium aus.

Da Frau Claudia Brinker ebenfalls nicht mehr zur Wiederwahl kandidiert, wird – als einzige Kandidatin – Frau Susanne Wied einstimmig (mit 1 Enthaltung) zur Schatzmeisterin gewählt. Als Kassenprüferinnen werden einstimmig (mit je 1 Enthaltung) von der Versammlung bestimmt: Frau Gertrud Schulze-zur-Wiesche und Frau Dr. Anne-Marie Neser.

6. Ergänzung des Kuratoriums
Prof. Axel Buether übernimmt den Vorsitz der Versammlung. Neu ins Kuratorium gewählt werden die aus dem Amt scheidenden Vorsitzenden Prof. Dr. Karl Schawelka (Kunst- und Kulturwissenschaften) und Prof. Dr. Hans Irtel (Wahrnehmung), jeweils einstimmig mit 1 Enthaltung.

7. Aussprache zur Zukunft des DFZ.
Prof. Buether stellt einen geplanten Mitgliederfragebogen vor, für den angeregt wird, weitere Fragen aufzunehmen. Er stellt das Thema „regionale Ansprechpartner" zur Diskussion, die u.a. regionale Informationen (z.B. zu Veranstaltungen) sammeln und für das DFZ aufbereiten.

Um den Wunsch einzelner Mitglieder nach einer allen Mitgliedern zugänglichen Mitgliederliste zu befriedigen, müssen datenschutzrechtliche Aspekte berücksichtigt werden, was im Zusammenhang mit der Mitgliederbefragung („ich stimme der Verbreitung persönlicher Daten zu/nicht zu") geschehen könnte. Im Bezug auf die Internetplattform besteht die Option, neben einem allgemein zugänglichen auch einen geschützten Mitgliederbereich einzurichten.

Prof. Buether regt an, bezüglich des von einzelnen Mitgliedern geäußerte Wunsches, das DFZ möge „einen Preis ausschreiben", sich Gedanken zu machen, welcher Art dieser Preis sein solle, und wer als Förderer eines solchen Preises in Betracht käme. Herr Prof. Schawelka weist auf Probleme hin, die im Zusammenhang mit der Auslobung eines Preises durch das DFZ in der Vergangenheit aufgetreten sind (Finanzierung, mangelnde Teilnehmerresonanz und Kooperation mit Institutionen).

8. Sonstiges
Prof. Buether berichtet von Vorgesprächen für eine Farb-Info in Halle, die noch nicht zu greifbaren Ergebnissen geführt haben. Der Veranstaltungsort der nächsten Farb-Info stehe nicht fest, er könne beispielsweise auch Berlin sein. Als Tagungsthema könne er sich denken „Farbe in der Bildung".

Martin Benad
Protokollführer
01.10.2007

 

 

Kurfassungen einiger Vorträge
(wird bei Vorliegen weiterer Texte gerne ergänzt)

Axel Buether
Roland Greule
Thorsten Hansen
Bertolt Hering
Anna Hirschmüller
Marina Linares
Eva Lübbe
Hans-Peter Maier
Albrecht Pohlmann
Klaus Richter
Marieluise Schaum
Karl Schawelka
Markus Schlegel
Gertrud Schulze zur Wiesche
Hannes Trüjen
Karin Bieske und Cornelia Vandahl
Axel Venn
Susanne Wied


 

 

Axel Buether, Halle,
buether@farbe-licht-raum.eu
Wirklichkeit und Identität im visuellen Raum
Jede Farbe existiert in einem subjektiven Bedeutungsraum, dessen Erlebnisgehalt auf die Erinnerung an vergangene Ereignisse zurückgeht, so dass die Beziehungen innerhalb der Umwelterscheinungen aus Farbe und Licht immer vor dem Hintergrund der topographischen, klimatischen, kulturellen und sozialen Hintergrundbedingungen des Einzelnen oder der Gemeinschaft betrachtet werden müssen. Der visuelle Sinn schafft eine Verbindung zwischen Mensch und Umwelt, auf die sich jedes Individuum mit dem Erwerb der Sehfähigkeit bedingungslos einlassen muss, da sein Überleben in vielen Situationen von der Funktion dieser Sinnesbeziehung abhängt. Beim gesunden Kind sind die physiologischen Vorraussetzungen für den Erwerb der Sehfähigkeit bereits mit der Geburt entwickelt, wogegen die Konstruktion der visuellen Repräsentation des eigenen Lebensraums erst nach mehreren Jahren so weit fortgeschritten ist, dass es sich selbstständig im Landschafts- und Stadtraum bewegen kann. Der operierte Blindgeborene dagegen muss im Prozess der Entwicklung seiner Sehfähigkeit auf alle gewohnten Orientierungs- und Identifikationsleistungen verzichten, was einen Verlust der eigenen Identität und der des gewohnten Lebensraums zur Folge hat. Die Preisgabe seiner gewohnten Welt, die ihm bisher ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität vermittelt hat, führt bei vielen operierten Blindgeborenen zu einem Sinn- und Bedeutungsverlust, der sie in vielen Situationen hilflos und unselbstständig agieren lässt und in der Folge oft schwere Depressionen auslöst. Besonders der Zeitraum, an dem der Tastsinn in seiner Funktion als Leitsinn durch den visuellen Sinn abgelöst wurde, führte bei operierten Blindgeborenen oft zu einer großen Verunsicherung, da der Wegfall des Taststockes nicht nur einen Informationsverlust bedeutet, sondern auch alle Strategien zur Exploration der Umwelt hinfällig werden lässt. Selbst die Sprache des Blindgeborenen verliert plötzlich viel von ihrer Verständlichkeit, denn viele Begriffe ändern ihren Bedeutungsgehalt, da sie nun in Referenz zu der zuvor völlig unbekannten visuellen Welt stehen. Nicht selten verweigern operierte Blindgeborene die visuelle Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt und flüchten sich zurück in den Stand der Blindheit, der ihnen die vertraute Repräsentation ihres Lebensraums zurück gibt, worauf sich ihre Sicherheit, ihr Selbstvertrauen und das damit verbundene Lebensgefühl wieder einstellt: „...dass seine Tochter jedes Mal die Augen schließt, wenn sie im Hause herumgehen will, besonders wenn sie an eine Treppe kommt, und dass sie sich nie behaglicher und zufriedener fühlt, als wenn sie sich durch das Schließen der Augenlider in den vorherigen Zustand vollkommener Blindheit versetzt."

Roland Greule, Hamburg,
greule@mt.haw-hamburg.de
Emotionale Wirkung von farbiger LED-Beleuchtung im Innenraum
Durch den Einsatz von LEDBeleuchtung besteht die Möglichkeit das Licht zeitlich, örtlich als auch farblich zu verändern. Diese Entwicklung ist sowohl in Flugzeugkabinen, in Innenräumen von Kraftfahrzeugen sowie in Büroräumen zu erkennen. Da die Wahrnehmung von Farben auch immer mit Emotionen und Stimmungen verbunden ist, müssen bei den dynamischen Lichtszenarien auch die psychologischen Aspekte berücksichtigt werden, da der Fluggast, der Fahrer als auch der Mitarbeiter ein Urteil über die ihn umgebende Lichtsituation, nicht nur durch perzeptive Prozesse evaluiert, sondern das Urteil wird auch immer durch emotionale Bewertungen wesentlich beeinflusst. In dieser Arbeit sollen die Grundlagen der Emotionen, der Emotionsmodelle als auch Ausschnitte aus bisher untersuchten Anwendungsbereichen im Innenraum vorgestellt und analysiert werden. Verwendet wurde dabei das Emotionsmodell des amerikanischen Psychologen Mehrabian der zusammen mit seinem Mitarbeiter J. A. Russell, ein dreidimensionales Emotionsmodell (PAD-Modell) entwickelt hat, das die menschlichen Emotionen durch eine Kombination aus den drei Parametern Pleasure, Arousal und Dominance beschreibt. Auf der Basis dieses PAD-Modells und einem davon abgeleiteten nonverbalen Modell (Self- Assessement-Manikin, SAM) von Lang, sollen neuere Untersuchungen mit farbiger LED-Beleuchtung präsentiert und diskutiert werden. Beschrieben werden dabei Versuchsaufbau, Versuchsablauf und Versuchsergebnisse.

Thorsten Hansen, Gießen,
Thorsten.Hansen@psychol.unigiessen. de
Memory modulates color appearance under varying illumination
Recently we have shown that the perceived color of familiar objects is biased towards the typical color of the object (Hansen, Olkkonen, Walter, & Gegenfurtner 2006, Nature Neuroscience 9, 1367-1368). In order to potentially contribute to color constancy, the observed top-down bias needs to be robust against illumination changes. Here we investigate whether this bias occurs under different illuminations. Observers adjusted the color of fruit and vegetable images displayed on a CRT monitor either to their typical color or to an achromatic color. In addition, observers made the achromatic settings with homogeneous discs and 1/f noise patches. Settings were made under neutral illumination and under four other illuminations taken from the cardinal axes of DKL color space. Observers' general settings were shifted close to the chromaticity of the illumination, showing good color constancy. Under all illuminations, we found a bias in the fruit achromatic settings in the opposite direction of the typical settings. This finding supports the hypothesis that the observed effect may serve as an additional mechanism for color constancy by pushing the color appearance of familiar objects towards their typical color regardless of the chromaticity of the illumination.

Bertolt Hering, Hamburg,
mail@bertolt-hering.de
Regional landschaftliche Farbidentität erkennen und gestalten
Bewusst erschlossene regional landschaftliche Farbidentität ist die Alternative zu industrieller Uniformierung und Globalisierung. Um sie zu erkennen, bedarf es einer vieldimensionalen Erhebung von Farbdaten:
1. Potenzielle natürliche Farbbestände (potenziell natürlicher Vegetation) weisen Pendelbewegungen um den Gelbbereich im Jahresrhythmus auf (Methode: Pflanzensoziologische Erfassung und Farbphänologie in Naturschutzgebieten).
2. Großenteils historische Farbbestände artenreicher Kulturlandschaft waren insbesondere durch die Blütenfülle des Graslandes und Nischenbildung auch farblich vielfältig (Methode der Erfassung: Pflanzensoziologische Erfassung und Farbphänologie in extensiv wirtschaftenden Mischbetrieben bzw. landwirtschaftlichen Extensivierungsprojekten).
3. Farbbestände historischer und traditioneller Baukörper (Methode:Bauhistorisches Studium, Probenentnahme, -sammlung und Farbbestimmung insbesondere von ortsnah gewonnenem natürlichem Bau- und Färbematerial (Vergängliches Material, Ortstsein und Pigmente).
4. Neben diesen drei Quellen regional landschaftlicher Farbidentität muss als Ist-Zustand auch Art und Ausmaß der industriellen Uniformierung erfasst werden: Die „Vergrünung" intensiv bewirtschafteten Agrarlands ebenso wie die „Vergrauung" versiegelter und stark bebauter Bereiche der Zivilisationslandschaft.
Die Methode der Farbbetrachtung sollte auch hier mit der oben gewählten übereinstimmen und eine objektbezogene Darstellung (Reflektanz, Eigenfarbe) bevorzugen, die sich ohne weitere Übersetzungsschritte in baustoffliche Farbentscheidungen umsetzen lässt (Bemusterung bei typischen Tageslichtsituationen). Eine solche Erfassung eines komplexen Farbbildes einer ganzen Region dient der Bewusstwerdung (analytische Phase nach M. Cler) von Bedeutungen und Rollen, die Farben in einer Region gespielt haben. Zu der Palette des Bestandes können in kreativen Findungen (synthetische Phase nach M. Cler) nicht nur Farben verloren gegangener Landschaft und ehemals bedeutsamer Baustoffe wieder hinzugefügt werden, eine ganz neue alternative Palette (Farbsammlung) kann aus den oben genannten Bezügen entwickelt werden. Eine solche Farbsammlung wirkt in der Region, wenn es verwaltungstechnisch möglich ist (Gestaltunsgsatzung), sie baulich umzusetzen, identitätsstiftend.

Anna Hirschmüller, Universität Mannheim,
anna.hirschmueller@web.de
Die emotionale Wirkung von Farbattributen in Full-Scale Raummodellen
Die Wirkung eines Raumes wird wesentlich durch seine Farbgestaltung bestimmt. Deshalb wird hier die emotionale Wirkung verschiedener Aspekte der farblichen Gestaltung untersucht. Gemeinsam mit dem Institute International Trendscouting der HAWK Hildesheim wird dieser Frage im Rahmen eines Feldexperiments nachgegangen. Konkret werden die Fragen untersucht, wie die Farbintensität (Chroma & Lightness) und wie der Farbton (Hue) die emotionale Wirkung beeinflussen. Hierzu sind verschiedene betretbare Raummodelle mit einer Grundfläche von 1 m
2 und 2 m Höhe gestaltet worden, die sich in die Farbbereiche violett, blau, grün, gelb, orange und rot einordnen lassen. Jedes Modell besteht aus vertikal angeordneten Farbstreifen und enthält ausschließlich Farben einer engen Farbgruppe. Für die Untersuchung der Intensitätsfrage werden Raummodelle verwendet, deren Farbtongruppe in den Boxen vergleichbar ist, deren Intensität jedoch auf drei Stufen (hoch, mittel und gering) variiert wird. So entstehen beispielsweise drei rote Raummodelle, eines das als Modell mit hoher Intensität eingestuft wird, eines das als Modell mittlerer Intensität und eines das als Modell mit geringer Intensität eingeordnet wird. Zur Untersuchung der emotionalen Wirkung der engen Farbtongruppen werden für jeden der sechs Farbbereiche drei Raummodelle – alle mit hoher Intensität – gestaltet, wobei jeweils ein Raummodell den neutral wirkenden Bereich eines Farbbereichs und zwei Raummodelle eine in die jeweils angrenzenden Farbbereiche driftende Farbtongruppe repräsentieren. Beispielsweise wird innerhalb des Farbbereichs rot ein rot-neutrales, ein rot-gelbstichiges sowie ein rotblaustichiges Raummodell gestaltet. Emotionen als zentrale menschliche Empfindungen können mit dem Self- Assessment Manikin von Peter J. Lang (vgl. Bradley & Lang, 1994) erfasst werden. Diese Skala basiert auf einem dreidimensionalen Emotionskonzept und hat sich in anderen Untersuchungen zur Erfassung der emotionalen Wirkung bewährt. Daher findet diese Skala auch in der vorliegenden Studie Verwendung. Die Ergebnisse der statistischen Datenanalyse sprechen für unsere Hypothesen. Sowohl die Intensität als auch die Farbtongruppe haben einen differentiellen Einfluss auf die emotionale Wirkung eines Raumes.

Marina Linares, Köln,
mlinaresartlit@yahoo.com
Gibt es universelle Farbbedeutungen?
Farben kommen nicht nur allen Dingen als Eigenschaften zu und sind damit allgemeines Phänomen unserer visuellen Wahrnehmung, sondern sie fungieren auch in unserer Umwelt gezielt als Ausdrucksmittel. Schon im Tierreich gibt es Signalfarben und Menschen aller Kulturen haben Farben als Farbstoffe oder ausgewählte Materialien bestimmter Färbung bewusst in verschiedensten Funktionszusammenhängen eingesetzt. Innerhalb dieser Funktionen erhalten Farben eine Bedeutung, sei es formal-syntaktisch oder sinnhaft-semantisch: Eine Farbe kann einfach nur unterscheidbares Merkmal einer Reihe von Gegenständen sein, kann als formalästhetisches Element Teil einer Struktur bilden, kann bestimmte Emotionen oder Assoziationen auslösen und sogar per Konvention als festgelegtes Symbol agieren. Farben haben also vielfältige Bedeutungen und besitzen in bestimmten funktionalen Zusammenhängen sprachähnlichen Charakter. Ist die ‚Sprache der Farben’ Teil des jeweiligen Sprachsystems, eines Kulturkreises oder universell zu verstehen, so wie sie auch von allen Menschen gesehen wird? Dieser Frage geht der Vortrag nach, indem er zuerst die verschiedenen Bedeutungsmöglichkeiten von Farben aufzeigt, den funktionellen bzw. kulturellen Hintergrund verdeutlicht und darauf aufbauend diejenigen Momente herausarbeitet, die allen Sprachsystemen bzw. -kulturen zugrunde liegen. Es wird zu klären und anschließend zu diskutieren sein, inwieweit die ‚Sprache der Farben’ innerhalb einer Kultur per Konvention geprägt oder von universeller Gültigkeit ist und inwieweit sie eine der verbalen Sprache vergleichbare Bedeutungsübermittlung überhaupt leisten kann.

Eva Lübbe, Leipzig,
EvaLuebbe@aol.com
Die Identität der Farbe- Welche Größen verwenden wir zur Beschreibung einer Farbe?
In der Umgangssprache begnügen wir uns zur Beschreibung einer Farbe meist mit zwei Begriffen; Diese beiden Begriffe genügen oft, da man sich häufig den Vergleich mit einem allgemein bekannten Gegenstand zunutze macht, wie zum Beispiel „Zitronen-Gelb". Dagegen ist z. B. „Hellblau" eine etwas unbefriedigende Beschreibung. Die Farbmetrik benötigt unter gegebenen Beleuchtungsbedingungen drei Größen. Sollten diese drei Größen Farbton, Helligkeit und Buntheit oder Farbton, Helligkeit und Sättigung sein? In den letzten Jahren hat sich auch bei den Gestaltern die Verwendung der Größe Buntheit, wie sie mit den Farbmessgeräten messbar ist, in zunehmendem Maße eingeführt. Nur sind viele Gestalter mit den Zahlenwerten nicht zufrieden, insbesondere sind sie über die besonders große Buntheit von Gelb erstaunt. Im Anschluss an die Betrachtung der zahlreichen Farbräume zur letzten Tagung ist es gelungen, eine Formel zur Berechnung der Farbsättigung aus Buntheit und Helligkeit zu finden.

S Sättigung
C Chroma, Buntheit
L Lightness, Helligkeit
Diese Formel führt zum LSh- Farbraum und beseitigt die starke Unsymmetrie des LCh- Farbraumes und damit die großen Werte von Gelb. Des Weiteren stellt sich die Frage, ob die Definition der Buntheit, wie sie von der Farbmetrik verwendet mit dem Begriff der Buntheit, wie er von den Gestaltern gemeint wird, übereinstimmt.

Hans-Peter Maier, Arriate/Ronda,
info@hpm-color.de
Identität - oder identisch mit Farbe?
Schon für den Begriff „Identität" gibt es die verschiedensten Übersetzungen... und je nach Sprachgebrauch möglicherweise einen doch unterschiedlichen Sinn... bei Goethe - Dieselbigkeit... im Duden - Übereinstimmung, Gleichheit, Wesensgleichheit... in anderen Wörterbüchern für identisch-übereinstimmend, gleichartig, analog... Dann haben aber auch noch die meisten Menschen eine Vor-stellung von Farbe, die sich -vor- die Wirklichkeit von Farbe, damit auch vor die eigene Identität stellt... wo doch eigentlich jeder wissen sollte, dass die richtige Repräsentativfarbe die Eigenwirkung um ein Vieles erhöht und die Ausgleichsfarbe das richtige Wohlbefinden verstärkt...Dazu einige Beispiele...

Albrecht Pohlmann, Stiftung Moritzburg ,
Kunstmuseum des Landes Sachsen Anhalt, Halle
al.pohlmann@web.de
Farbenschwindel um 1900 - Widersprüche zwischen Farbname, Farbton und Farbmaterial
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bezeichneten Farbnamen wie Zinnober oder Ultramarin noch verläßlich einen Farbton und das zugehörige Farbmaterial. Neuentwickelte Pigmente wie etwa das Schweinfurter Grün traten zwar bereits unter zahlreichen Fantasienamen auf, aber ihre Menge blieb überschaubar, Streckung und Verfälschung von Farbmitteln hielten sich in Grenzen. Dies änderte sich radikal mit dem Aufschwung der Teerfarbenindustrie, deren Produkte bald nicht mehr nur der Textilfärberei dienten, sondern massiv auf den Markt der Anstrich- und Künstlerfarben drängten. Künstliche Farbstoffe wurden zur „Schönung", zur Verfälschung und zur Produktion von Pigmenten verwendet, die mit den sie bezeichnenden Namen nicht mehr das Material, sondern nur noch den Farbton gemein hatten. Und selbst dies änderte sich häufig schnell, weil viele der frühen Teerfarbstoffe lichtunecht waren. Als Meisterwerke gefeierte Bilder dieser Zeit veränderten nach wenigen Jahren bereits ihr Aussehen. Streng gewahrte Betriebsgeheimnisse der Hersteller und Materialunkenntnis vieler Maler verschärften die Zustände noch. Künstler wie Kulturpolitiker empfanden die Situation als krisenhaft. In München wurde 1886 die „Deutsche Gesellschaft zur Beförderung rationeller Malverfahren" gegeründet, Kunstakademien, Museen und Hochschulen richteten Labore für Materialuntersuchungen ein. Diese Anwälte der Anwender führten erbitterte Kämpfe gegen eine Farbenindustrie, die sich gerade auf die Umwälzungen der zweiten wissenschaftlich-technischen Revolution einzustellen begann. Manche der Diskussionen, wie die um Kennzeichnungspflicht und genaue Angabe der Inhaltsstoffe, erinnern an heutige Forderungen der Verbraucherschützer. Der Konflikt veranlaßte die Farbhersteller immerhin, Produkte wie Markteinführungsstrategien zu verbessern um letztendlich Sieger zu bleiben. Die gezeigten Bildbeispiele entstammen der Sammlung der Stiftung Moritzburg, dem Kunstmuseum des Landes Sachsen- Anhalt.

Klaus Richter, BAM und TU Berlin,
klaus.richter@bam.de
Weltweite Farbidentität mit sechs Elementarfarben und Zusammenhang mit CIE-LMSFarbsehpigmenten und CIELABFarbenraum
Kürzlich wurden die drei Empfindlichkeiten der weltweit gleichen Zapfensehpigmente LMS in CIE 170- 1:2006 veröffentlicht. Die drei Buchstaben beschreiben die maximalen Rezeptorempfindlichkeiten in der Nähe von 565nm, 540nm und 440nm im langwelligen (L= long), mittelwelligen (M= medium) und kurzwelligen (S= short) Spektralbereich. Die gegenwärtige Farbsehforschung möchte die sechs Elementarfarben Rot, Gelb, Grün, Blau sowie Weiß und Schwarz aus diesen Empfindlichkeiten berechnen und erklären können. Der Vortrag ist ein Beitrag zur Lösung dieses Problems. Eine Farbidentität liegt z. B. vor, wenn eine Farbe durch gleichen relativen Buntton von zwei benachbarten Elementarfarben und gleiche relative Schwarzheit n* und relative Buntheit c* beschrieben wird. Dieses Prinzip ist vom schwedischen Natürlichen Farbsystem (NCS) bekannt. Eine Farbkennzeichnung mit zum Beispiel dem Buntton g50b (Grün mit visuell 50% Blau), der relativen Schwarzheit n*=0,3 und der relativen Buntheit c*=0,5 enthält den Vergleich mit den Elementarfarben Grün und Blau sowie Weiß und Schwarz. Zwei der drei relativen Koordinaten rgb*=(0,2 0,7 0,45) der Informationstechnik lassen sich aus der relativen Schwarzheit n* und der relativen Buntheit c* leicht berechnen, z. B. g* = 1 - n* = 0,7 und r* = g* - c* = 0,7 - 0,5 = 0,2. Ein Farbsehmodell verbindet die Koordinaten LMS der Zapfensehpigmente mit den sechs Elementarfarben, den drei Farbmerkmalen Buntton, relative Schwarzheit n* und relative Buntheit c*, den rgb*-Farbdaten der Informationstechnik sowie den CIELAB-Koordinaten. Aus einer Vielzahl von Farbmerkmalen mit jeweils drei Koordinaten, z. B. die linear zusammenhängenden nce*, rgb* oder lab*, können je nach Anwendung drei ausgewählt werden und führen zu weltweit identischen Farben.

Workshop
Klaus Richter, BAM und TU Berlin,
klaus.richter@bam.de
Anwendung von DIN- und ISO/IECPruefvorlagen für die Farbausgabe auf Druckern, Monitoren und Datenprojektoren bei unterschiedlichen Displayreflektionen des Raumlichtes
Es werden grundlegende Kenntnisse über Farbe, Farbmerkmale, Farbsysteme und die Farbinformationstechnik vermittelt, die zum großen Teil auch in einem Buch vom Autor mit 500 Farbbildern behandelt werden, das im Workshop erhältlich ist. Die Normenreihen DIN 33866-1 bis 5:2000, ISO/IEC 15775:1999, ISO/IEC TR 19797:2004, ISO/IEC TR 24705:2005 und ISO/FDIS 9241-306 sowie ein Normentwurf DIN 33872-1 bis -6:2007(im Druck) enthalten analoge und digitale Prüfvorlagen für die Ein- und Ausgabe von Farben mit JA/NEIN-Fragen zur Farbausgabe auf der letzten Seite, siehe http://www.ps.bam.de/33872. Im Workshop werden Ausgaben von digitalen PS- und PDF-Prüfvorlagen auf Farbdruckern, Monitoren und Datenprojektoren visuell beurteilt und farbmetrisch gekennzeichnet. Es werden unter anderem die gleichabständige Ausgabestufung, die gleiche Ausgabe für äquivalente Farbdaten, die Farbglättung und die Elementarbuntton- Übereinstimmung geprüft. Im CIELAB-Farbsystem werden die Bunttonwinkel der vier bunten Elementarfarben durch die CIETestfarben Nr. 9 bis 12 von CIE 13.3 definiert. Diese Elementarfarben Rot, Gelb, Grün und Blau besitzen die CIELAB-Bunttonwinkel 25, 92, 162 und 272 Grad. Viele Benutzer wünschen in der Informationstechnologie für die rgb- Eingabewerte (1,0,0) (0,1,0) und (0,0,1) die geräteunabhängige Ausgabe der Elementarfarb-Bunttöne Rot, Grün und Blau mit den obigen Bunttonwinkeln auf jedem Farbausgabegerät. Im Workshop wird unter anderem mit DIN- und ISO/IEC-Prüfvorlagen die "relative affine Farbwiedergabe" in Bezug die Elementarfarben visuell beurteilt und farbmetrisch gekennzeichnet. Verfahren zur Verbesserung der Ausgabe in Hinblick auf dieses Ziel werden vorgestellt. Die affinen Farbausgaben liefern den gleichen Buntton auf jedem Ausgabegerät und erhalten die relative Buntheit c* und die relative Schwarzheit n* auf jedem Ausgabegerät.

Marieluise Schaum, Berlin,
schaumfrank@t-online.de
Bernd Frank, Hildesheim,
schaumfrank@t-online.de
Identität in grafischen Auftritten - Bernd Frank Theaterplakate und Street Art
Mit der wiedererkennbaren individuellen Handschrift, die in seinen Plakaten sichtbar wird, erzielt Bernd Frank Präsenz in der Öffentlichkeit. Die Exemplare zeigen demonstrativ, dass das Werbemittel lebt und Wirkung zeigt. Für die ungebrochene Beliebtheit des Mediums Plakat spricht auch die Tatsache, dass das über 30 Jahre reichende Plakatschaffen Bernd Franks für die Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz sowie für andere Theater und Musikgruppen gerade erst in drei zusammenhängenden Ausstellungen präsentiert werden konnte und sein gestalterisches Niveau unter Beweis stellte. Die Stückplakate für das Theater brachten einprägsam ihr identitätstiftendes Potential zur Geltung. Mit den spektakulären Plakaten für die Berliner Volksbühne, die über lange Zeiträume komplett mit deren Erscheinungsbild gleichgesetzt und fast zum Synomym für diese Spielstätte wurden, gelang es Bernd Frank, auf sein Theater aufmerksam zu machen. Die Handhabung von Form und Farbe, Schrift, Bild und Zeichen stellte tradierte Positionen klassischer Gestaltung in Frage. Abstrakte, fotografisch-abbildende und typografische Elemente in unkonventioneller Komposition zu Collagen gefügt, erzielten im jeweiligen Stückplakat eine zugespitzte neue Aussage. Dominantes Schwarz-Weiß akzentuiert durch Rot als Signalfarbe unterstützten in expressiver Wirkung zusammen mit absichtsvoll eingesetzten Fehlern die Wiedererkennbarkeit der Plakate, die sich von heutiger übersättigtperfekter Werbewelt als so bezeichnete Rohkost absetzt. Vor allem der ideenreiche Umgang mit dem rechtwinkligen V, dem damaligen Signet der Volksbühne in jedem Plakat neu, in origineller Art eingesetzt machten die Exponate im besten Sinne zu Beispielen des Corporate Identity dieses Theaters. Integriert in den jährlichen Wettbewerb 100 beste Plakate trafen zahlreiche Arbeiten Bernd Franks auf Mitstreiter und Fans, wenn sie im Niveauvergleich des DDR-Kulturplakats ihre Besonderheit zur Geltung brachten. Einige dieser Plakate werden während der Farb- Info als Originale gezeigt und in Bezug auf das Konferenz-Thema kommentiert. Wenn wir im Vergleich dazu Street Art als Ausdruck von Gruppenidentität vorstellen, ist die junge vitale Kunstszene gemeint, die zwar ihre Wurzeln in der Graffitikunst der frühen Achziger Jahre hat, während sonst die Künstler von heute mit Graffiti der alten Schule nur noch wenig zu tun haben. Gemeint sind Banksy, der geheime Star der Street-Art-Szene (art 4/07) oder JR and BLU, Künstler des Street-Art-Festival, das im Sommer 07 Berlin Kreuzberg in eine Open-Air- Galerie verwandelte. Die Auseinandersetzung mit Stadtarchitekturen und die kreative, nicht immer legale Aneignung des Stadtraums trifft zwar auf Street Art generell zu, wie auch die Tatsache weitgehend gewahrter Anonymität der Autoren, aber die angewandten Strategien sind vielgestaltig und das formale Erscheinungsbild gleicht in seiner Vielfalt der aktuellen Kunst. Als Trend tritt seit geraumer Zeit eine neue Gegenständlichkeit hervor, die es erlaubt, die altbekannten einfachen Graffiti und Tags als Umweltverschmutzung abzutun und sich doch den ironisch verformten figürlichen Szenarien verbunden zu fühlen, die neuerdings den Stadtraum bevölkern. Mit Distanz zum Alten und Nähe zu den meist grafisch orientierten kleinen und großen Aufklebern und Stancils, die so erfindungsreich mit Witz und Ironie daherkommen, dass man sich ihrer Kreativität kaum entziehen kann, hat diese Erscheinungsform der Street Art eine neue Plattform zur Identifikation geschaffen, zu der die Farbe ihren Beitrag leistet. Man könnte sie lieben, die skurilen, respektlosen Zeichen, die eine Bildmacht entfalten, die sie nahe an gestalterisch neue Positionen einer jungen Avantgarde in der aktuellen Kunstszene heranrücken, deren poetische, philosophische oder politisch motivierte Botschaften als Exponate die großen Gegenwartskunst-Ausstellungen Biennale di Venezia und Dokumenta 12 erobern konnten. Perjovschis Zeichnungen auf den Eingangswänden der Arsenale in Venedig werden Ihnen in Erinnerung sein.

Karl Schawelka, Weimar,
karl.schawelka@gestaltung.uniweimar. de
Schwarz als Stammestracht der Intellektuellen
Mindestens seit den Existenzialisten der Nachkriegszeit lässt sich bei den Intellektuellen im westlichen Kulturkreis eine Vorliebe für die Farbe Schwarz in ihrer Kleidung ausmachen. Selbst die Brillen à la Corbu haben daran Teil. Der Trend hat mehrere Moden überstanden und scheint ungebrochen anzuhalten, da Schwarz so etwas wie eine gesellschaftliche Sonderrolle und einen Ausstieg aus der jährlich wechselnden Mode mit ihren Farbdiktaten signalisiert. Nun waren oder sind die Intellektuellen nicht die einzige Subkultur, die sich auf Schwarz als Kleiderfarbe kapriziert. Erstmals historisch fassbar als Abgrenzung einer Elite ist dies am burgundischen Hof im 15. Jahrhundert, wo Philipp der Gute freiwillig auf das Privileg verzichtete, sich durch teuere und auffällige Farben in Szene zu setzen. In der Folge haben auch die (jeweils männlichen) Patrizier in Venedig, der spanische Hof, dann die reichen calvinistischen Bürger der Niederlande ihre Vornehmheit durch schwarze Kleidung signalisiert. Es scheint, dass angesichts einer gewissen Inflation an Buntheit die (raffinierte) Einfachheit sich der wenig aufälligen Nicht-Farbe Schwarz bedient, um gerade durch ostentativen Farbverzicht aufzufallen. Im neunzehnten Jahrhundert wird schließlich Schwarz zur Farbe der bürgerlichen männlichen Macht. Neben Anarchisten und Faschisten im 20. Jahrhundert zeigt heute vor allem die Jugendkultur eine Vorliebe für Schwarz, wie die Lederjacken der verschiedenen Subkulturen erweisen. Können angesichts dieser Vielfalt unterschiedlichster Gebrauchsweisen überhaupt Gemeinsamkeiten ausgemacht werden? Gibt es vom klerikalen Schwarz der diversen Mönchsorden eine Traditionslinie zu den Intellektuellen? Sind die Konnotationen von Tod und Gefahr oder gar vom Bösen von Belang für das Schwarz der Intellektuellen?

Markus Schlegel, Hildesheim,
schlegel@tsp-design.de
Farbe - Licht - Raum: Wohninnovationen der Zukunft. Thesen zur Gestaltgebung einer zeitbezogenen Wohlfühlatmosphäre
Funktionale, ästhetisch- oder imageorientierte Gestaltungsoptionen reichen nicht mehr aus. Denn betrachtet man rein die ästhetischen, indikativen oder symbolischen Bezüge und Informationen von Farbnuancen, existieren zum Beispiel bei größeren heterogenen Nutzergruppen keine kollektiv übergeordneten Bedeutungsmuster bzw. stilistischen Beurteilungsausagen. Allerdings lassen sich übergeordnete emotionale Wirkungen und Wertungen unterschiedlicher Farbnuancen auf den Betrachter nachweisen. Eine Studie des Institute international Trendscouting der HAWK Hildesheim vom April 2006/2007 untermauert diese These. In dem Beitrag, der anlässlich der Veranstaltung FarbInfo in Stuttgart stattfindet, geht es um die Darstellung neuester Studien der Farbforschung und den Transfer wissenschaftlicher Arbeiten in das angewandte Design. Das Themenfeld Wohn-Innovationen der Zukunft wird anwendungsbezogen für eine praxistaugliche und marketingorientierte Anwendung in Beratung und Gestaltgebung dargestellt.

Gertrud Schulze zur Wiesche, Berlin-Lichterfelde,
bbrbszw@yahoo.de
Ein sprachlicher Ausflug in die Farben „rod", „krün", „plau" „rod" rot, röter, röteste – auch roter, roteste rote Bete, rote Grütze, der rote Faden, rotes Tuch, die Rote Armee, der rote Fluss, bei Rot, Rothaut, Rotlicht, man sieht rot, rote Socke, in die roten Zahlen kommen, aus den roten Zahlen kommen.
„krün" das Grün – wachsend, sprießend, grasfarben grüne Minna, grüne Welle, grüne Witwe, jemanden nicht grün sein, dasselbe in grün, grüner Daumen, über den grünen Klee loben, ach du grüne Neune, vom grünen Tisch aus, ins Grüne. „plau" Blau – Farbempfindung, die durch additive Farbmischung von Grün und Violett bzw. durch subtraktive Mischung von Blaugrün und Purpur hervorgerufen wird. Blaubart, blaue Blume, blauer Peter, blauer Reiter, blaues Blut, Blaufichte, Bläulinge, Blaumeise, Blaupause, Blauschimmel, Blaustrumpf, blauer Brief, blauer Montag, die blaue Stunde, ins Blaue hinein. Aufzählungen von Begriffen, Sprüchen, Idioms unvollständig, nicht wissenschaftlich geordnet, sondern irgendwie aneinandergereiht. Einige, wenige Begriffe, Sprüche, Idioms, habe ich sicher zufällig, jedoch sicher sehr persönlich ausgewählt und bin ihnen nachgegangen. Ich lade Sie ein zu einem Spaziergang, um mit mir in die vielseitige Sprache der Farben rotgrün- blau einzutauchen.

Hannes Trüjen, Stuttgart,
hannes_truejen@web.de
painting placement - Zur Verortung von Malerei Identität ist ein Prozess.
Farbe und Malerei bleiben ohne ihre Verortung ein Ort der Potenzialität. Der Entscheidungsprozess ob, wo und wie Malerei und Farbe platziert wird, schafft Identität. Mit dem Projekt painting placement gebe ich Nutzern die Möglichkeit sich in diesem Prozess hinein zu begeben. Die situative Anwendung von Motiv und Farbe im Kontext gibt nicht nur dem Raum Charakter, sondern die Auseinandersetzung formt auch den Gestalter. Mein Vortrag zeigt Beispiele auf dieser Suche nach Orten für Farbe und Malerei und wie durch diese Räume gestaltet werden. Painting placement bietet eine Strategie für Kommunikation und Partizipation in Kunst, Architektur und Design. „Painting placement" ist ein neues ortsspezifisches Konzept von Architekturmalerei. Einzelne Motive werden zunächst auf eine Trägerfolie gemalt und dann zu selbstklebenden Malereien weiterverarbeitet . Die selbstklebenden Motive können auf Wänden, Möbeln oder anderen Gegenständen von den Erwerbern/Besitzern von painting placement appliziert werden. Erst mit der aktiven Teilhabe und Verortung der Malerei durch den Nutzer ist der Prozess von painting placement abgeschlossen.

Karin Bieske und Cornelia Vandahl, Ilmenau,
cornelia.vandahl@tu-ilmenau.de
Welche Farbunterschiede kann der Mensch wahrnehmen?
Dynamische Beleuchtungskonzepte setzten die Kenntnis über mögliche Steuerkonzepte voraus. Die wesentlichen Parameter dabei sind neben dem Beleuchtungsniveau die spektrale und räumliche Lichtverteilung. Durch die Dynamisierung der Beleuchtungsanlage sind Auswirkungen sowohl auf die visuelle Wahrnehmung als auch auf biologische Prozesse und die emotionale Lichtwirkung zu erwarten. Schwerpunkt dieses Beitrags ist die visuelle Wahrnehmung von Farbunterschieden, die durch Variationen in der Lichtfarbe hervorgerufen werden. Für ausgewählte Farbtemperaturen wurde die Lichtfarbe bei konstantem Beleuchtungsniveau ausgehend von einem Bezugspunkt entlang des Planckschen Kurvenzugs und der Juddschen Geraden mit steigender Sprungweite variiert. Probanden bewerteten die sprunghaften Lichtfarbenveränderungen nach den Kriterien „gerade erkannt", „sicher gesehen" und „störend empfunden". Basierend auf diesen Erkenntnissen sind Aussagen zu Vorgaben für die zeitliche Lichtfarbenvariation möglich. Ähnliche Untersuchungen zur Bestimmung von Schwellen- und Toleranzwerten wurden auf leuchtenden Oberflächen, beim Vergleich zweier Leuchten und bezüglich der Bildung von farbigen Schatten durchgeführt. Damit sind Aussagen zum Erscheinungsbild dynamischer Beleuchtungssysteme möglich. Im Rahmen von Laboruntersuchungen wurde weiterhin der Zusammenhang zwischen Beleuchtungsniveau (300 lx bis 1000 lx) und Lichtfarbe (3000 K bis 8100 K) untersucht. Dabei zeigte sich, dass es keinen signifikanten Zusammenhang zwischen der Beleuchtungsstärke und der bevorzugten Lichtfarbe gibt, die Wahl der gewünschten Lichtfarbe jedoch stark von den Ausgangsbedingungen beeinflusst wird. Folglich lässt sich die bevorzugte Lichtfarbe nicht eindeutig definieren und es sollte daher ein Lichtfarbenbereich realisierbar sein. Unter dem Gesichtspunkt des Gefallens und der bevorzugten Wahl liegt der Variationsbereich für die Farbtemperatur im Mittel im Bereich zwischen 3800 K bis 6500 K, aber es werden auch Werte von 3000 K und 7800 K akzeptiert. Folglich ist ein Farbtemperaturbereich zwischen 3000 K und 8000 K sinnvoll.

Axel Venn, Blieskastel,
av@axelvenn.com
KOLLEKTIV UND SUBKULTUR – WOHER DIE FARBEN KOMMEN.
Der Vortrag beschäftigt sich mit der Analyse und den Vorhersagemechanismen von Trends – vom archaischen Grundrauschen zu Zeitgeist- und Überdrusshaltungen. Farbwechsel bilden die leichtest identifizierbaren Indizien für neue Trends. Seismografische, kaum spürbare Erregungs-Wellen der globalen Gesellschaft lösen Reizpotentiale bei häufig subkulturellen Gruppen aus, die sie dann in den unterschiedlichsten Variationen inszenieren. – Wir trauen unseren Augen nicht, wenn wir die heimlichen Leidenschaften, Hoffungen und Befürchtungen als Underground-Strandgut im Großstadtdschungel zuerst kaum wieder kennen wollen, daraufhin jedoch gerne und mit wachsendem Eifer der Sucht nach frisch gewonnenen Trendideen, und deren späterhin zumeist konformistischen, kommerzialisierten Inhalten erliegen. Genau zehn archaische Urkonzepte, die die Basis für alle alten und zukünftigen Trends bilden, werden vorgestellt. Das Geheimnis ihrer Wirksamkeit begründet sich in ihrer Polarität, genauso wie jeder Trend in sich widersprüchliche Konstruktionsmerkmale aufweist. So geht es beispielsweise um Themen wie: „Erlebnis versus Rückzug", „Expansion versus Reduktion", „Genuss versus Verzicht" oder „Dynamik versus Stillstand. Diese „Ur-Themen" bilden die Vorbilder der wichtigsten (Farb)- Trends der nächsten 10 Jahre. Sie lauten u.a. „Leben und Spiel", „Leben und Status" oder „Leben und Gesundheit".

Susanne Wied. Berlin.
susanne.wied@gmx.de
Wächst kein Günter Grass drüber...
Wie das Hineinwachsen in eine farbige Klangwelt Identität bildet, kann am Beispiel des Malers und Musikers Horst Geldmacher illustriert werden. Der Vortrag ist eine kleine Hommage an sein fast vergessenes Werk. Mit Bild- und Textbeispielen aus „O Susanna", der „Blechtrommel" und der „gehäuteten Zwiebel" werden identitätsstiftende Merkmale hervorgehoben, die dem Leser normalerweise nicht bekannt sind, da sie zur Familien oder auch der Geschichte vom Werden und Vergehen von Freundschaft gehören, die nicht im Medienrummel bekannt werden. Wie aus Farb- Musikvergangenheit der beiden Künstler und Schriftsteller die freundschaftliche Farbsprachengegenwart einer Tochter und eines Verlegersohnes wurden, erzählt sich in diesem Beitrag.