![]() Farb-Info 2004 |
Abstracts Die Veranstaltung fand an der FH Hildesheim, Fakultät Gestaltung statt |
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Eckhard Bendin, Dresden
Der besondere Beitrag, den die Farbe in den beiden ersten Ausstellungen der Universitätssammlungen Kunst + Technik der Technischen Universität Dresden erhalten hat, ist Gegenstand des Vortrages. Dresdens jüngstes Museum eröffnete seine Pforten anlässlich des 175-jährigen Bestehens der Universität mit der Ausstellung „Faszination Kunst + Technik - Strahlungen".
Mit Unterstützung insbesondere der Firmen Altana AG, Thyssen Krupp und Osram GmbH München wurde der Präsentationsort von 70 historischen Elektromaschinen im Lichthof des altehrwürdigen Elektrophysikalischen Instituts (ETI) im Kerngelände der Dresdner Universität zu einer faszinierenden Begegnungsmöglichkeit von Kunst und Technik ausgebaut.
Gegenwärtig wird hier die Ausstellung „Europa – Konkret – Reduktiv" mit Meisterwerken konkreter und reduktiver Kunst aus der Sammlung Jürgen Blum des Museums Modern Art Hünfeld gezeigt. Sie vereint Werke 86 namhafter Künstler aus europäischen Ländern. Die Spannweite reicht von Josef Albers und Richard Paul Lohse bis zu Shizuko Yoshikawa und Marylin Willis. Am Beispiel jener Werke soll die wesensorientierte, autonome „Bestimmtheit" der Farbe als Anspruch konkreter Kunst vorgestellt werden. Dabei wird die phänomenale Bedingtheit der Farbwahrnehmung durch Erscheinungsweise, Raumbezug, Stofflichkeit und Gestaltbezug betont und in Ansatz gebracht. Die der konkreten Kunst eigenen, scheinbar widersprüchlichen Tendenzen zu Prägnanz einerseits, zu Immaterialität andrerseits erweisen sich als wesentliche ästhetische Wahrheiten des Zusammenhangs von Licht und Farbe.
Im Konzeptionellen der konkreten Kunst existiert stets auch ein enger Bezug der ‚konkreten’ Stofflichkeit zur Farbe, d.h. von Material, Technik und visueller Ästhetik. Obwohl die meisten künstlerischen Arbeiten sich um eine autonome Stellung der Farbe bemühen, leben sie auch von der einer ästhetischen Auslotung ihrer wahrnehmungsmäßigen Gebundenheit an das spezifisch Stoffliche.
Marc Diefenbach, Kirchheim unter Teck
Die Falschen Farben – Wenn Botschaften lügen
Im Focus des Vortrages stehen Irritationen, sowie Un- und Missverständnis auslösende Farbbeispiele, wenn semantische und semiotische Inhalte auseinander klaffen.
So wenn auf dem Etikett eines sprudelerfrischenden
Mineralwassers ein heftiges, alles beherrschend, knallend rotes Dreieck zu
finden ist, oder eine Bank mit dem „grünen Band der Sympathie" wirbt. Aber
ebenso verwirrend zeigen eine braune Zahnpaste und blaue Paprika-Chips auf uns.
Wenn assoziative Fehlschlüsse im Produkt- Marketing sichtbar werden und
anekdotische Grunderfahrungen von Farbe und Inhalt fehl gehen, dann ist
Aufklärung nötig. In seinem Vortrag stellt Marc Diefenbach erheiternde, zum Teil
skurrile bis absurde Beispiele vor, und präsentiert aber auch
vielversprechendere Alternativen.
Hajo Düchting, Diessen-Ammersee
Das Farbenklavier des Louis-Bertrand Castel: Zum Problem der Farbe-Musik-Beziehung
Seit der Antike wurde das Verhältnis zwischen Farben und Töne diskutiert. Dabei wurden zahlreiche Gemeinsamkeiten und Unterschiede nicht nur zwischen Farben und Tönen, sondern auch allgemein zwischen Malerei und Musik herausgearbeitet, die als eine Grundlage für Teilaspekte der Beziehung von Musik und Kunst bis ins 20. Jahrhundert dienen. Ebenso wird die Abhängigkeit der Entwicklung der Farblehren von dem Stand der zeitgleich vorherrschenden Musiktheorie deutlich. Wie sich Metaphern, Analogiebildung und Wechselwirkungen der Sinne (Synästhesien) mischen können, zeigt der kurze historische Abriß seit der Antike.
Aristoteles erweiterte die Farbenlehre des Empedokles (Weiß-Schwarz-Rot-Gelb) analog zur Musiktheorie zu einer siebenteiligen Skala der Helligkeit von Weiß bis Schwarz: Weiß-Gelb-Rot-Purpur-Grün-Blau-Schwarz. Er ordnet dann harmonische Farbmischungen und die musikalischen Konsonanzen Quarte, Quinte und Oktave aufgrund einfacher Zahlenverhältnisse einander zu. Die Zahl Sieben war das verbindende Element seines Denkens in Analogien.
Seine Schriften gehörten bis ins 17. Jahrhundert hinein zur Grundlage aller ästhetischen Theorien. Die meisten dieser Analogiesysteme vor allem des 16. und 17. Jahrhunderts von Hieronymus Cardanus, Athanasius Kircher u.a. beinhalten nicht nur die Beschäftigung mit Farben und Tönen, sondern auch Planeten, Elementen, Lebensaltern, Wissensstufen und Geschmacksqualitäten. In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde durch Prismenversuche die Zerlegung des Lichts in seine Spektralfarben bekannt. Isaac Newton entwarf ein Farbensystem von sieben Farben des Spektrums in Analogie zu sieben Tonintervallen. Newtons Opticks erschien 1722 in französischer Übersetzung und wurde ein Jahr später von dem französischen Jesuiten und Mathematiker Louis-Bertrand Castel rezensiert. Er unternahm daraufhin den Versuch, klingende Töne durch Farben zu visualisieren und entwarf eines der ersten Farbenklaviere, denen noch viele andere folgten (z.B. die Farblichtmusik von Alexander László). Castels Farbenklavier eignete sich natürlich denkbar schlecht für die Umsetzung französischer Cembalomusik der 1720er Jahre in entsprechende Farbtöne, bzw. blieb im Beliebigen stecken. Castels Bedeutung liegt vor allem in der Rezeption. In seiner Tradition entstehen bis heute immer wieder neue Ideen der Visualisierung von Musik (Klang-Kunst), die ihn und sein Clavecin oculaire als ihren Urvater betrachten.
Anne Feuchter-Schawelka, Weimar
Von tiefem Blau, reinem Weiß und steinigmatten Pastelltönen. Zur Farbigkeit der Fünfziger-Jahre-Vase
Das Gros der in Westdeutschland massenweise produzierten Zierkeramik der Fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts zeichnet sich durch die radikale und gesuchte Abweichung von bisherigen Vorbildern aus. Der Wille zu einer Stunde Null wird spürbar. Auf den ersten Blick scheint es, dass Anbindungen an Traditionen wie die der Klassik oder Volkskunst, aber auch die der „guten Form" bewusst vermieden werden, denn die Formen sind unkonventionell, wirken „deformiert". Auch die Farbigkeit ist eine andere. Die „blaue asymmetrische Vase" im „Picasso-Stil", die in die Runde des modernen Wohnzimmers strahlt, die Noblesse der weißen Porzellanvase sowie die neue Farbigkeit der „Wirtschaftswunder-Pastelle": gelb, rosa, hellblau, hellgrün oder grau mit ihrem steinigmatten Glanz auf organisch geformten Gefäßen faszinierte einerseits, wurde aber andererseits bewusst gestört durch irritierende Schrumpf- Lauf- und Craqueléglasuren. Der Verdacht auf Fehlformen und Fehlfarben, auf Fehlbrände stellt sich ein und sollte sich einstellen. Schraffuren, Sprünge, Blasen, Aussparungen und Verzeichnungen erzeugen einen bewussten Charakter von Billigkeit und Unaufmerksamkeit, der durch neue abstrakte Dekore verstärkt wird. Jedoch ist dies Programm einer neuen Epoche, eines Neuanfangs im politischen, ästhetischen aber auch im technologischen Sinn, den eben auch die charakteristische Farbigkeit zu signalisieren hatte.
Bernhard Holzapfel, Bramsche
COSMOPOLITAN - eine Kollektion
Sylvia Hubalek, Zürich
Optimierung eines Prüfarbeitsplatzes
Hintergrund und Fragestellung: Durch die Neugestaltung der Abdeckscheiben für Fahrzeug-Scheinwerfer aus klarem, vollständig durchsichtigem Material sind nun auch kleine Fehler in der Reflektor-Oberfläche im Inneren der Scheinwerfer sichtbar. Die Sehaufgabe ist durch die hoch spiegelnde Oberfläche komplex. Welche Rolle spielt Farbe bei der Fragestellung, wie an den Prüfarbeitsplätzen die Sichtbarkeit von solchen ästhetischen Fehlern auf den Reflektor-Oberflächen verbessert werden kann?
Methode: An einem Laborprüfstand in unserem Institut wurden verschiedene Verbesserungs-Maßnahmen umgesetzt, bewertet und Repräsentanten aus der Qualitätssicherung vorgestellt.
Daraufhin wurde ein Test-Prüfstand bei einem Reflektor-Hersteller errichtet. An diesem wurden mit Hilfe von unterschiedlichen Verfahren - wie dem Eye-tracking (Verfolgung von Blickbewegungen), Interviews und der Erfassung der Arbeitsabläufe (Fit-System) - ein alter Prüfarbeitsplatz mit dem Neuen verglichen.
Resultate: Für die Sichtbarkeit von Farbabweichungen sind farbneutrale Oberflächen wie auch Lichtquellen notwendig. Das Spektrum des Kunstlichtes muss eine sehr gute Farbwiedergabe ermöglichen.
Die Fehlererkennbarkeit steigt mit Zunahme des Kontrastes. Speziell im dunklen Bereich in der Nähe einer lang gezogenen Hell-Dunkel-Kante werden die Fehler deutlich sichtbar. Im Prüfstand werden daher die Decke und die Seitenwände je zur Hälfte mit weißem, diffus reflektierendem und zur anderen Hälfte mit schwarzem, ebenfalls diffus reflektierendem Material ausgekleidet.
Auch die sich im Reflektor spiegelnden Flächen, sowie der Hintergrund spielen bei der Fehlererkennung eine entscheidende Rolle. Umfeldblendung muss vermieden werden. Daher gilt es, den Hintergrund ruhig und nicht zu hell zu gestalten. Auch die Kleidung des Prüfpersonals sollte homogen weiß oder schwarz gehalten sein.
Diskussion und Schlussfolgerung: Für die Optimierung der Fehlererkennbarkeit kommen nur weiss und schwarz sowohl bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes als auch bei der Arbeitskleidung in Frage.
Aufgrund von Grösse und Anzahl der Fehler werden die Reflektoren als akzeptabel oder inakzeptabel eingestuft. Eine verbesserte Fehlererkennbarkeit führt daher zur Steigerung der geprüften Qualität der Reflektorchargen und zur Senkung der Anzahl der im Grenzbereich fälschlicherweise akzeptierten bzw. aussortierten Reflektoren.
Hans Irtel, Mannheim
Im Jahr 1959 wurde von Edwin H. Land ein Experiment durchgeführt, dass die Grundlagen der damals vorherrschenden Farbwahrnehmungstheorie zu erschüttern schien: Er fotografierte eine bunte Szene auf SW-Diafilm einmal durch ein Rot- und einmal durch ein Grünfilter. Das SW-Dia mit dem Grünauszug wurde ohne Filter projiziert, das SW-Dia mit dem Rotauszug wurde durch ein Rotfilter projiziert. Durch geeignete Auswahl der Aufnahme- und des Wiedergabefilters konnte Land erreichen, dass Beobachter das so projizierte Bild als bunt wahrnahmen. Und dies, obwohl bei der Projektion nur weißes und rotes Licht gemischt wurde. In diesem Beitrag wird eine Replikation des Land-Experiments vorgestellt und untersucht, welche Randbedingungen dafür notwendig sind. Darüber hinaus werden die Vorhersagen moderner Farbwahrnehmungstheorien mit den empirischen Beobachtungen verglichen.
Corinna Janßen, Wilhelmshaven
Farbige Berührungspunkte - Sinnlichkeit
„Kann man sich in ein Gebäude, in ein Kraftwerk verlieben?", so wurde die Referentin, Dipl.-Designerin Corinna Janßen immer wieder gefragt. Janßen studierte an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim das Studienfach „Historisches Kulturgut", welches dem Anschein nach ein sehr wissenschaftlicher Studiengang zu sein schien. In Verbindung mit der Grundlage Farbdesign jedoch erspürte sie hier den Umgang mit historischer Substanz in völlig neuem, farbigem Kontext. Ihr „Steckenpferd" während des Studiums: die Erhaltung eines unter Denkmalschutz stehenden, vom Abriss bedrohten ehemaligen Kraftwerks der Kaiserlichen Werft in ihrer Heimatstadt Wilhelmshaven.
So kam es zu dieser ungewöhnlichen Liebe, zum Kampf um Bewahrung ureigenster Stadtgeschichte und damit auch für Identität einer von Zwiespalt gekennzeichneten Stadt. Auseinandersetzung mit Wert und Neutralität einer dem Verfall preisgegebenen Architektur, die sich trotzig als letztes Zeugnis ihrer Zeit am Leben erhält.
Das Entstehen von neuem Leben und ungeahnter Farbigkeit, von unendlichen Details, die alle in sich die einzigartige Ästhetik dieser alten Industriearchitektur, dieser Südzentrale (so der Name dieses Kraftwerkes), widerspiegeln, ließen dieses Thema für Corinna Janßen zum Diplomthema werden.
Ihr Empfinden für dieses Denkmal setzte Janßen in ihrer Diplomausstellung um, indem sie ihr eigenes Erleben von Farbe und Substanz dieser ehrwürdigen Architektur erlebbar werden ließ. Die Installation beruhte auf die Darstellung unverkennbarer, spezifischer Farben des Verfalls dieser Südzentrale, gepaart mit Detailfotografien, Akustik und Zitaten, die, zusammengefügt, diese Südzentrale und den doch traurigen Werdegang auf ganz eigene Weise erstrahlen ließen. Geschichte zum Fühlen. Ein wenig romantisch? Vielleicht. Dennoch immer neutral, beschreibt Corinna Janßen auch in ihrem Vortrag, über ihr Empfinden von dem Wert der Farbigkeit dieses Verfalls.
Stefanie Kerpen-Schwenk, Östringen
Invent-Studie – Farben, Strukturen, Materialien. Harmonie und Polarität als Design- und Farbprinzip.
Kunst und Design treffen sich genau dort, wo es um Prägnanz oder Unschärfe geht. Mal ist die Zeichensprache rund und gefällig, mal zerhackt und eckig. Der Gegensatz vom Impressionismus zum Expressionismus wird dann so sinnfällig wie russisches Avantgarde-Design zum Art-Deco.
Betrachtet man das Design der letzten Jahrzehnte, stellen wir immer wieder ruhige und unruhige Zeiten fest. Heute, wie übrigens zumeist in der Designgeschichte, sind wir eher auf Komplementarität als auf Polarität konditioniert.Ebenmaß , Symmetrie, Gleichklang und stereotype Wiederholung gehören häufiger zur Grundkonzeption als Chaos, Asymmetrie, Disharmonie, Synkopen und Disproportionen.
Die INVISTA-Studie macht sich das Spannungsfeld, bestehend aus Harmonie und Polarität, zunutze. Unterschiedliche Materialien werden auf stimulierende Weise zu verblüffenden Produktallianzen verbunden.Die Farbe übernimmt einmal den Part der Beruhigung und Angleichung an ihr Umfeld; das andere mal dient sie als Kontrastmittel und provoziert erhöhte Aufmerksamkeit oder Irritationen.
Claus Kreuzer, Darmstadt
Effektpigmente als Auffälligkeitsfaktor. Drei Ziele – Ein Design
Aktivierung, Differenzierung und Positionierung. Ein erfolgreiches Produkt muss sich deutlich vom Wettbewerbsumfeld abheben. Form und Farbe prägen ein erfolgreiches Design. Das gelungene Zusammenspiel aller Gestaltungselemente ist der Schlüssel zum Erfolg, wenn es darum geht, zum Beispiel Attraktivität und Individualität einer Marke herauszustellen. Effektpigmente bieten in dieser Hinsicht eine Vielzahl an kreativen Lösungen.
Effektpigmente – der added value im Design: Effektpigmente sorgen für Aktivierung des Konsumenten am Point of Sale. Vom Betrachtungswinkel abhängige Farbspiele und elegante Farbnuancierungen sprechen den Verbraucher emotional an. Effektpigmente tragen entscheidend dazu bei, dass Produkteigenschaften bereits visuell über die Verpackung vermittelt werden. Produkte heben sich dadurch vom Wettbewerbsumfeld ab und unterstreichen ihre Individualität.
Verpackungen in der Vermittlerrolle: Die Verpackung ist das wichtigste Marketingtool eines Produkts. Ihr kommt daher die bedeutende Vermittlerrolle zwischen Produkt und Konsument zu. Selbstbewusst und mit dem klaren Auftrag der „Kundenakquirierung" präsentiert sie sich am Point of Sale. Über sie läuft der erste persönliche Kontakt. Als Botschafter für das Produkt muss sie
kommunikativ (Schau her!),
überzeugend und verführend zugleich (Kauf mich!),
aber auch vertrauenswürdig (Du kannst Dich auf mich verlassen!) sein.
Markenidentität wird erfolgreich vermittelt, wenn Packung und Produkte die gleiche Sprache sprechen. Damit die Verpackung diese wichtige Aufgabe erfüllen kann, werden wirkungsvolle Instrumente wie Farbe benötigt. Eine Unterstützung ist die Veredelung von Farben mit Effektpigmenten. Farbe zu veredeln heißt, ihr mehr Ausdrucksstärke zu geben, Akzente zu setzen und Kontraste zu schaffen. Für die Kommunikation bedeutet dies wiederum ein Mehr an Emotionalität, Lebendigkeit und Einzigartigkeit.
Farben schreiben Markengeschichte: Farben haben Markengeschichte geschrieben – ob Coca-Cola-Rot oder Nivea-Blau. Als emotionsauslösendes, aktivierendes Gestaltungselement des Markendesigns sind Farben von zentraler Bedeutung. Im Rahmen der Corporate Identity bestimmen sie Ursprung, Auftritt und Identität der Marke. Farbigkeit, Anmutung und Wertigkeit sind Schlüsselkategorien moderner Markenpositionierung.
Farbe ist der perfekte Dolmetscher: Farbe dominiert die Regale, unterscheidet Produkte voneinander oder führt sie zu einer Familie zusammen, egal welcher Nationalität die „Mitglieder" sind. Sie verleiht dem Produkt Ausstrahlung und Persönlichkeit oder lässt es in der Menge untergehen. Es geht nicht nur um Rot, Gelb oder Grün, sondern vielmehr um die Frage: Was genau will diese Farbe in ihrer ganz speziellen Ausprägung dem Verbraucher sagen? Und: Für welche inneren Werte steht sie? Ihre Aufgabe ist es, die Gefühle des Verbrauchers zu sensibilisieren, ihn emotional abzuholen und in Erlebniswelten zu entführen, in denen er wiederum zum Kauf verführt werden möchte.
Verführung der Sinne: Der Verbraucher muss Produktmerkmale erkennen, verstehen und für sich als begehrenswert erleben können. Ob sanfte Wellness, prickelnder Genuss oder Hightech pur: Emotionen und Funktionalität sind gleichermaßen zu kommunizieren und werden durch Effektfarben nachhaltig zum Erlebnis. Verführung findet über die Sinne statt. - Effektpigmente machen aus Farbe Emotion, Mode, Lifestyle und bewirken, was Worte oft nur umständlich beschreiben können. Tauchen Sie ein in das Meer von seidigem Glanz, brillanter Tiefe, glitzerndem Sparkle oder dezenter Mehrfarbigkeit. Lassen Sie Ihrer „Lust auf Effekte" freien Lauf!
Farbkonzepte für die Produktpositionierung: Farbkonzepte, die genau darauf abgestimmt sind, Markenkernwerte optisch auf den Punkt zu bringen und durch emotionsauslösende Farbanmutungen auch Markenidentität und Image nachhaltig zu unterstreichen, erhalten mit Effektpigmenten eine weitere Dimension.
Soft & Care
Deep & Rich
Aesthetic & Function
Young & Fresh
Inspired by Nature
Jutta Lindemann, Erfurt
Kein Happy-end für Rotkäppchen? - Zwischen Modediktat und Persönlichkeit – Farbe in der Kleidung
Ist das aufmüpfige Rot im Komplementärkontrast zum Grün ihrer Waldumgebung und dem darin angepassten Förster ein Zufall? Und was ist mit dem Wolf? Zumindest eine interessante Farbkombination ... Birkengrün und Saatengrün, blau blüht der Enzian und rot die Heide, schwarzbraun ist die Haselnuss - Schneeflöckchen-Weißröckchen ...?
Farben haben eine Symbolkraft, die in der Kulturgeschichte der Kleidung eine besondere, weil für den Menschen hautnahe Rolle spielen, wie es sich auch in einigen Märchen widerspiegelt. Zwar war der Lebensalltag auch in sagenhafter Vorzeit nicht so überschaubar, wie ihn Märchen mythisch-symbolisch und oft auch sehr moralisch überliefern, doch die magische Kraft der Farben für die tägliche nonverbale Kommunikation zu nutzen, scheint gang und gäbe gewesen zu sein, wie Bespiele der Kostümgeschichte belegen und was uns herausfordern sollte, dem oft lässigen Umgang mit dieserart Botschaften in der Gegenwart der Reizüberflutung durch ständigem Bedeutungswandel unterworfene Zeichenwelten neue Impulse und der marktorientierten Modebranche mit ihrer Scheindemokratie einer Freizügigkeit, die zur Beliebigkeit wird oder dem Diktat von saisonabhängigen Typ- und Stilvorgaben zum Opfer fällt, zum Trotz einem individuellen, psychologisch bestimmten Umgang mit Farbe in der Kleidung eine Chance zu geben - ein bisher zu wenig genutztes Kreativpotential mit hohem Spaßfaktor und ungeahnten Möglichkeiten zur Selbsterkenntnis.
Ein Kernproblem, das die Typisierungstheorien der Mode völlig über den Haufen wirft, ist dabei die häufige Diskrepanz zwischen Erscheinung und Charakter in der Persönlichkeit.
Das Bild von uns, das wir täglich zuerst in unserer Fantasie und dann real auf unserem Körper im Zusammenwirken von Farben, Formen, Materialien produzieren und in den Kontext gesellschaftlicher Kommunikation stellen, bestimmt unsere Position innerhalb dieses Kontexts nicht unerheblich mit, und deshalb sollten wir dieses assoziative, vor allem von Farbwirkungen getragene Spiel mit all seinen synästhetischen Aspekten und reichlich irrationalen Faktoren rund um unsere sich zudem stetig wandelnde physische und psychische Konstellation, Be- und Empfindlichkeit lustvoll und souverän beherrschen.
Elisabeth Merk, Halle
Städtebau und Architektur sind in ihrer Gestalt und Erscheinung nicht nur definiert von den Baukörpern und Volumina sondern in gleichem Maße von ihrer Wirkung im Raum. Die ästhetische Ausformulierung der Oberflächen ihre Struktur und Farbe beeinflussen erheblich die Gesamtkomposition das Design des Gebäudes. Die Wechselwirkung von Farbe, Raum und dem Rhythmus der Gliederungselemente bestimmt die Proportion und damit nicht nur die gestalterischen Qualitäten sondern auch den Bezug zwischen Design , Architektur und Mensch der als Nutzer als Bewohner der Gebäude oder Flaneur in der Stadt die einzelnen Komponenten in Ihrer Gesamtheit wahrnimmt. Warum erscheint dies in Altstädten besser zu gelingen als in den Bauten der Moderne, bedingen bestimmte Bauformen auch bestimmte Farbkompositionen? Passt eine Farbgebung ein Konzept besonderes zu einem Stil oder spielt das keine Rolle wenn die Grundgesetze der Gestaltung richtig angewandt werden? Inwiefern unterliegen auch diese Aspekte der Mode oder Trends oder kann so etwas vermeintlich dauerhaftes wie Gebäude überhaupt kurzfristigen Tendenzen Raumgeben?
Neben den Fragen der Gestaltung mit Farbe möchte ich vielleicht eines der wichtigsten Themen der Architektur ansprechen welches gleichzeitig auch für die Farbe entscheidend ist das Licht und der Schatten.
Gisela Meyer-Hahn, Pinneberg
Textile Raumobjekte in der Architektur
Die sinnesphysiologische Wirkung von Farbe und Licht, in Verbindung mit Material, Form und Bewegung verbindet den – alltäglichen – Raum mit dem Menschen. Wir reagieren unbewusst und bewusst aufgrund unserer Erfahrungen. Impuls wird ausgelöst und zeigt sich als innerer Widerstand oder aber als angenehm. Welche Rolle übernimmt dabei Design? Wie ‚auffällig’ muss Design und künstlerische Aussage sein, um ‚unauffällig’ wahrgenommen zu werden – und dennoch ganz präsent zu sein?
In meinen Entwürfen setze ich mich mit dieser komplexen Thematik auseinander. Meine Antworten, in die ich mittels Dias Einblick gebe, sind Realisierungen von
- textile Raumobjekte, die Licht, Farbe, Material und Bewegung
mit Architektur, Nutzung und unseren Sinnen verbinden.
- dem Ergebnis einer Materialentwicklung: ‚Eine Scheibe, die was kann’
- ‚Farblichtkonzerten’, aus denen räumliche und synästhetische Farberlebnisse
entstehen.
Albrecht Pohlmann, Halle
Am Anfang stand die Normung einer unüberschaubar gewordenen Zahl von Farbtönen, am Ende die harmonische Farbgestaltung ganzer Städte. Obschon bald ein Außenseiter der Moderne, fasste Ostwald ihre Ideen oft radikaler, als die Avantgardisten selbst. Farbnormierung war ein Gebot des Funktionalismus. Letzten Anstoß für die Ausarbeitung seiner Farbenlehre gab 1914 ein Auftrag des Deutschen Werkbundes (dessen Mitglied er war)– und nach Jahren der Polemik wurde1928 die Ostwaldsche Farbenlehre in den Schriftunterricht des Bauhauses aufgenommen. Ostwald schwebte eine gestaltete Welt voller Farbharmonien nach seiner Lehre vor. Es ist wohl kein Zufall, dass seine Ideen von vielen Künstlern verworfen – dafür aber von Architekten und Gestaltern seiner Zeit aufgegriffen wurden, nicht zuletzt solchen, die ähnlich umfassend dachten. Entsprechend zahlreich sind die Beispiele der Umsetzung seiner Lehre im angewandten Bereich. Ostwalds eigene ästhetische Vorstellungen bewegen sich dabei zwischen Jugendstil, Werkbund und Funktionalismus – was selbst die Einrichtung seines Landhauses „Energie" in Großbothen verdeutlicht.
Klaus Richter, Berlin
Bildschirm- und Projektionswiedergabe im Büro
Die Farbe auf dem Bildschirm und bei Datenprojektion wird durch die Lichtfarben der Geräte und das Raumlicht bestimmt. Die empfundene Farbe wird durch die Reflektionen des Raumlichtes auf dem Bildschirm oder der Projektionswand stark beeinflusst. Etwa 2,5% Reflektion im Vergleich zur weißen Bildschirmfarbe reduziert den empfundenen Bereich zwischen Schwarz und Weiß auf 80% und den Farbumfang auf 75%. Bei Datenprojektion ist nach ergonomischen Normen 40% Reflektionslicht zulässig, welches die empfundene Graureihe auf 30% und den empfundenen Farbumfang auf 10% verkleinert.
Es werden 16stufige Prüfvorlagen aus dem Internet nach DIN 33866-X bzw. ISO/IEC 15775 vorgestellt, die ohne Raumreflektion gleich abständig erscheinen. Bei Datenprojektion mit 40% Raumreflektion werden die 5 dunklen Graustufen als gleich und einheitlich Schwarz empfunden. Durch eine Anpassung der Hardware (der Grafikkarte) oder der Software (mit einem Filter für PDF-Dateien) werden z. B. Vorträge mit Grau- und Farbbildern für die Ausgabe linearisiert. Dadurch werden 16stufige Grau- und Farbreihen auch im hellen Büro sichtbar.
Timo Rieke, Hannover
Systematik von Fühlen und Sehen
Die Verbindung der Phänomenalität der Farbe mit der Wirklichkeit des Tastens wirft einen neuen Blick auf die Wahrnehmung von Farbe und deren Wirkung auf den Betrachter. Durch den Vorschlag, Farbe als grundsätzlich abhängig von Oberflächen zu verstehen, wird die Deutung und Verwendung des abstrakten Materials Farbe verständlich und nachvollziehbar. Die Systematik des Fühlens und Sehens verdeutlicht die Abhängigkeit der Farbe von Oberflächen und die grundlegende Bedeutung des Tastens für Farbe.
Albrecht Rissler, Mainz
Studentinnen und Studenten des Lehrgebietes Illustration an der FH Mainz, Fachbereich Gestaltung, entwickelten im WS 2003/2004 Projekte zum Thema „Farbe für Kinder". Die Aufgabe war, ein Medium zu entwerfen, das auf spielerische und phantasievolle Weise Kindern farbtheoretische Fakten vermitteln kann oder das sich mit dem Phänomen Farbe an sich beschäftigt.
Alexander Rosemann, Berlin
Ermittlung des Energiebedarfs für Beleuchtung in Gebäuden
RICHTLINIE 2002/91/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 16. Dezember 2002 über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden wurde gefordert, dass die Mitgliedsstaaten der EU bis Anfang 2006 auf nationaler Ebene in Gesetzen, Verordnungen und Empfehlungen eine Möglichkeit schaffen, den Energiebedarf für Gebäude zu ermitteln. Hierzu wird die Energieeinsparverordnung (EnEV) novelliert. Insbesondere muss die Beleuchtung unter Berücksichtigung der Tageslichtnutzung in die Bedarfsrechnung einfließen.In dem Vortrag werden die nationalen Aktivitäten dargestellt und ein Verfahren vorgestellt, das es ermöglicht auf einfache Art und Weise den Energiebedarf für Beleuchtung in Gebäuden zu ermitteln. Die Anforderungen an ein solches Verfahren sehen eine einfache und leichte Handhabung vor.
Durch die energetische Bewertung von Gebäuden können diese in Klassen eingeteilt werden und ermöglichen so einen Nachweis über die entstehenden Energiekosten beim Gebäudebetrieb. Die Umsetzung der europäischen Richtlinie wirkt sich auf das Berufsbild der Architekten, Designer, Lichtplaner und Lichttechniker aus.
Will Rumi
Ist Design ohne Farbe denkbar? - Farbiges Licht oder Lichtfarbe
In immer stärkerem Maße wird farbiges Licht in der Architektur- oder Objektbeleuchtung eingesetzt. Ganze Gebäudekomplexe werden in unterschiedlich farbiges Licht getaucht. Möbel werden mit farbigem Licht gestaltet. Das Spektrum reicht von Gelb bis Magenta und allen technisch möglichen Varianten von Farbmischungen. Weiterhin werden die verschiedenen „weißen" Lichtfarben eingesetzt.
Lichtfarben können Formen unterstreichen und ein bestimmtes Ambiente erzeugen. Doch was geschieht, wenn Strukturen verfremdet werden oder unter gleißendem Licht verschwinden?
Ist alles, was technisch machbar ist, auch immer anzuwenden? Hier möchte ich anhand von Beispielen darstellen, ob und welche Farben sinnvoll sind. Bei welcher Formen- und Farbensprache stellt sich das richtige Gefühl bei den Nutzern ein?
Georg Sahner, Stuttgart
Living X Systemhaus Junges Wohnen
Leinfelden – Echterdingen, eine Kleinstadt mit Flughafen und Messe vor den Toren von Stuttgart, wurde als Standort für das Projekt „Living X" gewählt. Wo sonst eher biedermännische Häuslesbauer-Träume realisiert wurden, ist hier ein Musterhaus der LBS für junges Wohnen auf einer 210 qm großen Parzelle entstanden. Die zum Teil fensterlose Fassade aus Porenbeton – Wandtafeln des Living X, die durch ihre graue Färbung eher an die 70er Jahre entstandene Waschbetonstrukturen erinnern, wird von vielen älteren Passanten als Schock empfunden.
„Living X" zielt bewusst durch seinen Baukörper und seine Innenräume auf einen jungen Käuferkreis, der offen für neue Wohnformen ist und darüber hinaus seine Bereitschaft, Konventionen über Bord zu werfen, bekundet. Materialien wie Well-Plexiglas, transluzente Doppelstegplatten kombiniert mit Fußböden und Möbelobjekten aus hellem Holz und fein nuancierten Wandoberflächen wurden in Kontrast zu einer deutlichen Farbgebung von einzelnen Wandelementen gesetzt: Kadmiumrot, Magenta und Purpurrot in Kontrast zu Gelbgrün und Sandgelb.
Die kräftigen roten Töne treten durch, die vom Licht abgewandte Positionierung im Loftraum in ihren visuellen Eigenschaften eher archaisch und metaphysisch in Erscheinung. Die gelben und grünen Farbtöne wurden auf Treppen, Böden und Wände in das helle Südlicht gesetzt. Dadurch entstehen energiegeladene räumliche Situationen mit großer Leuchtkraft, Tiefenschärfe und die Dynamik einer sich ausdehnenden Raumwirkung. Tiefenwirkung, Transluzenz und leuchtende Farbigkeit sollen bewusst auf die neue junge Zielgruppe der 25 – 35 Jährigen wirken.
Eine Marktforschung wurde speziell für dieses Haus vom Bauherrn LBS Baden-Württemberg in Auftrag gegeben. Die Wohnvorstellungen künftiger Generationen sollten erforscht werden. Festgestellt wurde, dass das flexibel – loftartige Wohnkonzept zu den Vorstellungen der jungen Erwachsenen passt und sie emotional durch offene licht- und farbendurchflutende Räume stark anspricht.
Karl , Weimar
Leuchtfarben im Kunstbereich – Zum Werk von Lori Hersberger
Der Schweizer Künstler Lori Hersberger (Jg. 1964) arbeitet in vielen Medien, doch hat er sich in den letzten Jahren eine eigene Ausdruckssprache in der Malerei geschaffen, die nicht zuletzt durch die Verwendung von Day-glo-Farben gekennzeichnet ist. Im Vortrag soll – ausgehend von seinem Werk - die Verwendung solcher fluoreszierender Leuchtfarben im Kunstbereich untersucht werden, wo sie alles in allem eher selten anzutreffen sind. Hatten sie im Mittelalter überirdische Transzendenz signalisiert, so stehen sie heute vielfach für die Normverletzung von Punk und Subkulturen. Im so umrissenen Spannungsfeld bewegt sich Hersberger mit reflektierter Ironie, wobei er keine der beiden Seiten ausklammert. Die typische Ambivalenz, die im Gebrauch der jeweils stärksten farbigen Reize liegt, dass sie sowohl ein Glücksversprechen als auch einen sozial sanktionierten Kontrollverlust signalisieren, findet bei ihm eine zeitgenössische Umsetzung.
Sowohl wahrnehmungspsychologische Gegebenheiten als auch kontingente, kulturell überformte, Reaktionen bestimmen demnach unsere Reaktion auf die Leuchtfarben. Wie diese beiden Faktoren jeweils zusammen wirken, wird in einem kurzen historischen Abriss dargestellt, der dem spezifisch zeitgenössischen Umgang mit ihnen, wie er bei Hersberger zu finden ist, mehr Prägnanz verleihen soll.
Raman Schlemmer, Oggebbio, Italien
Gertrud Schulze zur Wiesche, Berlin
Die Farbe auffällig/unauffällig in ihrer Umgebung
Es ist auffällig, dass die unauffällige Farbe – in einer auffällig farbigen Umgebung auffällig wird und die auffällig farbige Umgebung auffallend unauffällig! Ich werde versuchen, dieses anscheinende Wortspiel nicht theoretisch darzustellen, sondern mit Beispielen zu belegen.
Björn Stüwe, Köln
Kultfarben – von Riten, Fetischen und Tabus
„Was nützen mir die Farben, wenn ich nicht weiß, was ich malen
soll".
Michael Eyquem de Montaigne
Individualisierung, Endtraditionalisierung und Orientierungslosigkeit - Die Welt von heute ist hoch komplex, dynamisch und ungewiss. Die traditionellen Sinninstitutionen wie die klassischen Religionen, der Beruf oder die Familie verlieren immer mehr ihre Bedeutung für das Verhalten des Einzelnen. Und das bei zunehmender Individualisierung der Lebenswelten und einem erhöhten Bedürfnis nach Orientierung. Diese soziale Entwicklung führt zu einer verstärkten Hinwendung zu Mythen und Kulten.
Damit sind nicht nur bestimmte Jugendkulte z. B. in der Musikszene gemeint, sondern auch Körperkult oder Kulte der sozialen Verweigerung. Die offensichtliche Zugehörigkeit zu diesen Kulten schafft Raum für die Selbstdarstellung anhand von Ritualen und Fetischen. Ein einfaches und zugleich hochwirksames Mittel, um dieser spirituellen Positionierung und Abgrenzung jenseits aller esoterischen Wirren Ausdruck zu verleihen, sind Farben. Farben stimulieren, verbinden, provozieren, polarisieren oder differenzieren. Sie sind das sinnliche Manifest der Mythen, die hinter den Kulten stehen. Sie lassen die Mythen im Rahmen der Rituale erfahrbar werden und kommunizieren sie nach außen. Eine Erkenntnis, die den Umgang mit Farben nicht nur für die Kunst, sondern auch für das Marketing hoch spannend macht.
Diesem Kontext entsprechend werden in dem Vortrag zunächst das Wesen von Kulten und die Rolle von Kultfarben anhand von praktischen Beispielen aus dem Marketing erörtert. Darauf aufbauend beleuchtet der Vortrag die rituelle Bedeutung von Farben und die Wirkung des Tabubruchs anhand von Farben in der heutigen Zeit. Abschließend wird die Relevanz von Kultfarben in der gegenwärtigen Zeit behandelt. Viel Spaß.
Alena Thumm, Hildesheim
Farben zum Naschen - wie Coloraturen schmecken
Farbe erfüllt vielerlei Funktionen. Die meisten davon sind so selbstverständlich, dass wir sie kaum bewusst wahrnehmen. Auch unsere täglichen Geschmackserlebnisse werden weit mehr von der Farbigkeit der dargebotenen Speisen beeinflusst, als viele vermuten würden. Ob süß oder sauer, fruchtig oder cremig, meist wissen wir schon beim Anblick eines Gerichts, welcher Geschmack uns erwartet. Unser anekdotisches Wissen, d.h. unsere gesammelte Erfahrung, hilft uns, den optischen Eindruck einer Speise in Zusammenklang mit Düften und Geräuschen in kulinarische Vorfreude zu verwandeln. Reduziert man den optischen Eindruck auf die Farbe, greift unser Gehirn auch hier auf erlernte Muster zurück und liefert uns die passende Geschmacksassoziation. Versucht man aber einer Testperson einen Teller grüner Nudeln mit blaugefärbtem Ketchup zu servieren, so wird sie dieses Gericht mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mögen. Die Farbinformationen, die hier übermittelt werden, stimmen mit keinem gängigen "Geschmacksmuster" überein und sind ausschlaggebend für das Genussempfinden. So muss also ein guter Koch auch immer ein guter (Farb-)Designer sein.
Margit Vollmert, Oberramstadt
Renate Weber, Münster
Begegnungen- Autofarben im Wandel
Thomas Weil, Friedberg/Bay.
Von der Kunsthistorie vertraut, oft in einem Atemzug genannt, sind die beiden Begriffgebiete „Ornament" und „Farbe" jedoch alles andere als ein stimmiges Paar. Farbe hat immer mit Stimmung zu tun, Ornament im weitesten Sinn immer mit Ordnung – was heißen kann: Raumeinteilung, Flächeneinteilung oder begleitende Banddekoration. Die Wahrnehmung von beiden findet auf zwei verschiedenen Ebenen statt, die erst mit Geschick und Erfahrung miteinander stimmig vereint werden können.
Als weiterer Aspekt kommt hinzu: jede Art von Material wünscht sich eine bestimmte Farbigkeit. Ein Blau auf einem lackierten Kotflügel ist etwas völlig anderes als das Blau auf einem Pullover oder einer Wand. Ebenso verhält es sich mit dem Ornament. Was auf einer Tapete gut aussieht, kann auf einer Metallfläche schwach wirken. Der Griff zur richtigen Farbe und zum richtigen Ornament entzieht sich jeder Wissenschaftlichkeit und fußt auf Erfahrungen.
Analog dieser Erkenntnis wählt Thomas Weil vor allem Beispiele von Kunst am Bau, Kunstobjekte, Printmedien und Objektdesign aus, um den Prozess des Aufeinanderzugehens der beiden Betrachtungsebenen zu veranschaulichen. Einige historische und gegenwärtige Beispiele von Kollegen runden das Bild ab.
Susanne Wied, Berlin
Wenn ein Test getestet wird - Werkstattbericht zum HPM – COLOR – Test
Das HPM-COLOR-SYSTEM verbindet Wissensbestände aus unterschiedlichen Fachrichtungen in mathematischen Analogiebezügen von der Farbmetrik bis hin zu medizinisch-theoretischen Grundlagen zu einem komplexen System, das momentan mit Hilfe der Datenverarbeitung zu einem praxistauglichen Farbentest heranreift. Er ist im Unterschied zu den gängigen farbpsychologischen Tests nicht konzipiert, um generalisierte Aussagen zu Persönlichkeitseigenschaften zu machen, sondern um auf objektiver Grundlage individuelle Farbbedürfnisse zu ermitteln.
Momentan ist eine interdisziplinäre Gruppe von Farbgestaltern, Programmierern, Therapeuten und Gesundheitsexperten im Dialog mit Hans Peter Maier damit beschäftigt, die Materialien und Quellen zu sichten, die Anwendungsebenen zu definieren und in der Praxis zu evaluieren. Erste wissenschaftliche Studien sind in Vorbereitung.
Der Vortrag gibt einen strukturierten Überblick über den Test und seine Verwendungsmöglichkeiten, weist aber auch hin auf die Notwendigkeit, bei der Ausbildung didaktisch sorgfältig vom konkreten Anwendungsaspekt wie z.B. der enthaltenden Vorschläge zur Raumgestaltung hin zu den theoretischen und philosophischen Grundlagen fortzuschreiten.
Erich Wiesner, Berlin
Mehmet Yeni, Berlin
Farbe und die lichtinduzierte Melatoninsuppression
Die Anpassung der physiologisch-psychologischer Prozesse des Körpers an die zeitlichen Umweltbedingungen erfolgt durch sog. innere Uhren. Bei Ausschaltung von Zeitgebern läuft die inneren Uhr frei. So dauert bei völliger Dunkelheit die freilaufende circadiane Periode des Menschen im Mittel 10 min – 20 min länger als der 24-Stunden-Tag. Durch die Störung der Synchronisation der inneren Uhr und daraus resultierender, fehlender Tagesrhythmik kann es zur verschiedenen Störungen der Körperfunktionen kommen. Die Anpassung dieser Periode an den aktuellen Tages-Nachtrhythmus erfolgt durch das retinal absorbierte Licht und den Mechanismus der Melatoninsuppression.
Brainard und Thapan untersuchten die spektrale Abhängigkeit der für die Melatoninsuppression wirksamen Beleuchtungsstärke. Dabei stellte sich heraus, dass die spektrale Empfindlichkeit der circadianen Photorezeptoren sich im Vergleich zur Hellempfindlichkeitskurve für das Tagessehen zum kurzwelligen Bereich des sichtbaren Spektrums verschieben. Daraus resultiert, dass die Blauanteile des Lichtes wirksamer bei der Steuerung der inneren Uhr sind. Die maximale Wirksamkeit der Melatoninunterdrückung erfolgt für Licht in Wellenlängen von 456 nm (Thapan et al.) bzw. 465 nm (Brainard et al.) erfolgt. Ausgehend von der von Brainard angegebenen Messdaten wurde unter Beachtung der Durchlässigkeit der Augenmedien für optische Strahlung die relative Wirkungsfunktion zur Melatoninsuppression s()ms, rel ermittelt.
Die aktuellen Forschungsergebnisse ermöglichen durch Erkenntnisse über die Abhängigkeit der Melatoninunterdrückung von der spektralen Zusammensetzung und der absoluten Größe der hierzu nötigen Beleuchtungsstärken nicht nur eine gezielte therapeutische Anwendung (z. B. gegen die saisonale Depression) sondern wichtige Anhaltspunkte für eine physiologisch optimal angepasste Beleuchtung mit künstlichem Licht.
In dem Vortrag wird über die Ergebnisse von Untersuchungen berichtet, bei denen die Farbparameter verschiedener Lichtquellen in Bezug auf ihre Wirksamkeit für die Melatoninsuppression vergleichend bewertet wurden.